Briefwechsel Lifestyle

Sind verheiratete Männer tabu?

17/03/2019

Liebe Andrea,

WOW, was haben Dir da bloß angestoßen? Erstaunlich, wie viel Feedback Du in der letzten Woche auf Deinen Brief an mich bekommen hast. Wirklich wundern tut es mich aber nicht, das Thema birgt nun einmal unendlich viele Emotionen, denn irgendwie hat sicher jeder schon einmal eine der drei Rollen eingenommen: Geliebte – Betrogene – Beteiligte. Und so greife ich die Frage heute noch einmal auf:

Sind verheiratete Männer tabu?

Vor 16 Jahren war ich das erste und seit dem auch letzte Mal zu Altweiber raus. Ich war von meinem ersten Mann getrennt und allein erziehend und meine Freundin hat mich an dem Abend bei ihren Kollegen „eingeschleust“, damit ich mal wieder vor die Tür komme.

Zu später Stunde saßen wir gut gelaunt in einer Bar, als dieser gut aussehende Mann reinkam. Er kam, sah mich und hatte mich innerhalb kürzester Zeit in Beschlag genommen und wir kamen aus dem Quatschen und Flirten nicht mehr raus. Meine Freundin raunte mir noch ein „Verrückt, wie der auf Dich abfährt. Das ist übrigens der Chef von Deinem Vater“ zu, doch ich bekam eigentlich gar nichts mehr mit, so toll fand ich diesen Mann.

Mit dem Taxi brachte er mich spät in der Nacht nach Hause, drückte mich noch einmal kurz an meine Hauswand, gab mir einen innigen Kuss und fragte, ob wir am nächsten Tag telefonieren könnten. Ich schwebte, fühlte mich wie eine Königin und konnte mein Glück nicht fassen.

Am nächsten Tag rief er mich wie versprochen an, nur um sich bei mir zu entschuldigen. Ich sei ganz zauberhaft und er wäre gestern Abend ein bisschen in mich verliebt gewesen. Doch er sei verheiratet und könnte mich leider nicht wieder sehen.

PENG!

Das war scheiße. Richtig scheiße. Doch ich war auch dankbar, dass es so ausgegangen ist. Dass es eben kein weiteres Treffen gab, kein vorsichtiges Schnuppern und antasten – diese erste gemeinsame Zeit, in der Verlangen und Zuneigung entstehen kann. Das hätte ich noch viel mieser gefunden und so war ich schnell versöhnt. Hätte mir meine Freundin ein „Der ist verheiratet“ zugeraunt, dann hätte ich mich nicht mit dem Taxi nach Hause bringen lassen. Dann hätte ich auch den Kuss nicht zugelassen.

Sind verheiratete Männer tabu?Mir war schon immer klar, dass mir die Rolle der Geliebten nicht gefällt. Dass dies eine Rolle ist, die ich für mich komplett ablehne. Aber nicht, weil ich so ein anständiges Mädchen bin, sondern schlichtweg, weil ich gerne „the one and only“ sein möchte. Ich kann nicht beeinflussen, in wen ich mich verliebe oder wer sich in mich verliebt. Ich kann aber beeinflussen, wie viel Drama ich in mein Leben lasse. Wie viel ich mir selber wert bin.

Im vergangenen Herbst war ich erstaunt, wie bereitwillig vergebene Männern sich mit mir treffen wollten. Unverbindlich. Diskret. In einem Fall hieß es, „wir führen eine offene Beziehung“, der nächste sagte auf meine Aussage, dass ich so etwas nicht mit meinem Gewissen vereinbaren könne, ich solle mir nicht „mein hübsches Köpfchen“ darüber zerbrechen, schließlich müsste nur er mit den Konsequenzen leben …

Genau das sehe ich aber anders. Bei einer Affäre geht es eben nicht nur um 2 Personen, sondern immer um 3 Menschen! Wenn Männer ein Abenteuer suchen, dann Bitte. Aber nicht mit mir.

Weißt Du, welchen Gedanken ich bei dieser Sache noch habe? Ich möchte keinen Mann haben, der meinetwegen seine Partnerin verlässt. Auch wenn der Mann sagt, dass seine Beziehung schon lange nicht mehr funktioniert, blablabla, hätte ich tiefsten Respekt! Mich würde immer der Gedanke treiben, dass er auch mich eines Tages betrügen und austauschen könnte. Nein, so einen Partner möchte ich nicht.

Dies ist aber nur meine Sicht auf die Frage „Sind verheiratete Männer tabu?“ Mir sind die Gründe, weshalb man fremdgeht nicht fremd. Auch kann ich verstehen, wenn Menschen aus finanzieller Angst keine konsequente Entscheidung treffen können – Männlein wie Weiblein! So ticken wir Menschen und jeder hat eben einen anderen Umgang mit den Verlockungen dieser Welt.

Nicht jeder Sturm ist dazu gedacht, um dein Leben zu verwüsten.

Manche sind dazu da, um deinen Weg vor dir freizuräumen.

Auch ich bin vor drei Jahren ausgetauscht worden. Im Gegensatz zu Dir war ich jedoch nach dem ersten Schock sehr erleichtert. Die Zeit nach der Trennung war bei mir nicht so schmerzhaft wie sie bei Dir war.  Trotzdem habe ich getrauert. Es hat mich traurig gemacht, dass wir es nicht geschafft haben. Das wir keinen Weg mehr zueinander finden konnten und dass diese Trennung das Beste für alle Beteiligten war.

Ein Jahr nach unserer Trennung ist mir ein Ordner in die Hände gefallen, in dem ich zu Anfang unserer Beziehung eMails, Briefe und Postkarten gesammelt und abgeheftet habe. Während ich die Seiten  durchgeblättert und gelesen habe, liefen mir die Tränen. Wo ist unsere Liebe auf der Strecke geblieben? Was ist nur passiert? Und wieso gab es plötzlich nur noch Groll statt Dankbarkeit für all das Gute, das mal gewesen ist?

Abschied nehmen und im Guten auseinander gehen ist möglich aber aufgrund der vielen Emotionen ein schwieriges Unterfangen. Manchmal aber schließt man Jahre später seinen Frieden. Mit dem Vater meiner ältesten Tochter habe ich vor knapp drei Jahren zu ihrem Schulabschlussball einen tollen Abend verbracht. Wir haben stundenlang geredet und gelacht und die Freunde von Paula haben gefragt, was denn bei uns los sei? „Deine Eltern sind doch getrennt, oder? Wieso sitzen sie den ganzen Abend so entspannt zusammen und reden? Meine Eltern sprechen nur über ihren Anwalt miteinander!“ Entweder liegt es an der Zeit, die seit unserer Trennung ins Land gezogen ist, vielleicht aber auch an der wenig explosiven Mischung zwischen uns. Auf jeden Fall haben wir an diesem Abend unseren Frieden nicht nur gefunden, sondern auch besiegelt und waren gemeinsam stolz auf unsere wunderschöne Tochter.

Können wir Beziehungen auch außerhalb unserer Kaste führen?

Über diese Frage habe ich lange nachgedacht, da ich mich mit diesem Thema noch nie auseinandergesetzt habe. Dementsprechend überrascht war ich, als ich mir selber eingestehen musste: Ich habe wohl immer innerhalb meiner Kaste gesucht. Allerdings unbewusst, ohne meinen Fokus daraufzusetzen. Unterbewusst läuft ja einiges über das Raster, das wir über Jahre hinweg anlegen. All die Informationen, die man sammelt, wenn man jemanden kennenlernt: Alter, Herkunft, aktuelle Lebenssituation, beruflicher Hintergrund etc. Vor diesen Fakten kann man sich nicht verschließen und alles, was man als unpassend empfindet, fällt durch das Raster.

Mit zunehmenden Alter ist mir bewusst geworden, wie sexy ich kluge Männer finde. Was nutzt mir der beste Sex, wenn ich keine gescheiten Gespräche mit dem Mann führen kann? Mein Anspruch an einen Mann ist also in diesem Bereich enorm gestiegen. Vielleicht hat sich damit auch meine Kaste verschoben?

Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer sehe ich, wie wichtig die eigene Kaste für mich persönlich ist. Das Leben ist einfacher, je mehr Schnittmengen mit dem Partner übereinstimmen. Geld, Prestige, Status – all diese Dinge bedeuten mir nichts und so hatte ich auch nie das Bedürfnis, mich „hochschlafen“ zu wollen. Doch mein Partner sollte ähnliche Werte mitbringen, aufgeschlossen und neugierig und auch intellektuell auf Augenhöhe sein. All diese Dinge lassen sich nicht vom Schulabschluss oder Einkommen ableiten, doch die unsichtbaren Grenzen zur nächsten Kaste sind wohl nicht zu leugnen.

Wir siehst Du das?

Sind verheiratete Männer tabuWeiß man in Sachen Liebe je, wann etwas richtig ist?

Mit dieser passenden Frage von Carrie Bradshaw aus Sex and The City möchte ich heute abschließen: Weiß man in Sachen Liebe je, wann etwas richtig ist? Das Schöne an all den Fragen ist ja, das es im Grunde genommen niemals nur die eine Antwort darauf gibt. Erkenntnisreich sind diese Fragen dennoch und ich freue mich schon sehr, auf unseren nächsten Gedankenaustausch.

 

Viele liebe Grüße

Denise

 

p.s. mein Beitrag wurde von Saskia illustriert und ich freue mich sehr über ihre schöne Arbeit.

Weitere Bilder von ihr gibt es bei Instagram.

 

 

  • Karen Heyer 17/03/2019 at 12:37

    Puh, ein ganz heißes Thema! Die Rolle der Geliebten ist für mich sehr negativ besetzt. Ich wollte nie eine solche sein. Nach der Trennung von meinem ersten Mann lernte ich einen verheirateten Mann kennen. In den 5 Jahren unserer Beziehung blieb er das auch, angeblich, weil beide Seiten es wollten. Das war vermutlich geflunkert, aber sie hatten sich arrangiert und er zahlte die halbe Miete für seine Frau weiter, obwohl er bei mir lebte. Vermutlich war das ein Schutz für ihn, damit er zurückgehen könnte, falls es mit mir vorbei wäre. Es kam anders, er starb unvermutet und das ganze Desaster der Lebensgefährtin eines Mannes, der mit einer anderen Frau verheiratet ist, brach über mich herein. Du hast zwar keine Rechte, aber moralische Verantwortung.
    Ich schwor mir, nie wieder was mit einem verheirateten Mann zu beginnen. Hat nicht ganz geklappt. Ein Jahr später habe ich meinen jetzigen Mann auf der Tanzfläche kennengelernt. Als er sagte, er sei unglücklich verheiratet, habe ich noch gelacht und gesagt, das Leiden hätte ich auch schon mal gehabt, das könnte man lösen. Soviel zu meinem Vorsatz. Nun sind wir fast 12 Jahre zusammen und davon 8 1/2 Jahre verheiratet.
    Dein Flirt hat sich damals anständig verhalten. Zumindest nach dem Abend. Ich hatte mich nach dem Tod meines Lebensgefährten mal mit einem Mann verabredet und die Vorbedingung war, er dürfe nicht verheiratet sein. Kaum sitze ich ihm gegenüber, sehe ich seinen Ehering blitzen und er sagt, ich weiß, ich bin ein Arschloch, aber ich kann nicht anders. Ich bin aufgestanden und gegangen.
    Liebe Grüße
    Karen

  • Luisa 17/03/2019 at 17:17

    Ich bin noch nicht in dem Alter, in dem verheiratete Männer an mir interessiert sind. Manche Jungs die vergeben sind, melden sich schon mal bei einem. Man denkt sich warum zur Hölle bist du an mir interessiert, du hast eine Freundin. Ich finde, dass man sich dann von seiner Freundin/Freund trennen sollte.
    Luisa von http://www.allaboutluisa.com/

  • Lizy 17/03/2019 at 21:10

    Mein jüngeres Ich hätte nie auch nur den Gedanken daran gehabt, ihren Partner, ohne sogar den Ehemann zu betrügen.Weil mein jüngeres Ich nicht in der Situation war und ich nicht wusste, wie ich mich verhalten würde.Dann kam ich in diese Situation, als ich meine heutigen Mann kennenlernte.Verheiratet, 10 Jahre Beziehung und auf einmal zeigte mir dieser neue Mann, was mir in meinem Leben und in meiner Beziehung fehlte.Ich versuchte vergebens meinem Ex zu verstehen zu geben, was ich vermisse und was ich gerne in unserer Ehe ändern wolle.Aber er war glücklich und wollte an sich und an uns nicht arbeiten.Er war eingefahren und im Nachhinein weiß, er war sich meiner zu sicher.Ich war selbstverständlich.Und für so eine Ehe war ich zu jung, so wollte ich nicht die nächsten 60 Jahre verbringen.
    Ich bin während meiner Ehe mit meinem heutigen Mann zusammengekommen.Ich habe meinen Mann betrogen.Aber heute welß ich, wäre ich glücklich gewesen, hätte ich keine Augen für einen anderen Mann gehabt.

    • Anja 19/03/2019 at 11:45

      Lizy, Dein Post spricht mir aus der Seele… Ich habe es ganz ähnlich erlebt.
      Ich habe meinen ersten Freund geheiratet, 15 jahre waren wir ein Paar und haben auch gemeinsame Kinder. Aber lange schon war ich unglücklich, es gab keine großen Dramen oder so, aber viele kleine Dinge, die mir zugesetzt haben, und ich habe mich einfach weiterentwickelt. Und irgendwann gedacht, dass ich so, in dieser Beziehung, nicht die nächsten 40 Jahre oder länger möchte, mit einem mann, der mich irgednwie immer klein hält, weiß der Geier wieso. Mehrere „Warnschüsse“ hat mein Ex-Mann nicht für voll genommen und mir die Verantwortung dafür gegeben, dass ich unglücklich bin. Als ich dann gegangen bin, ist er trotzdem aus allen Wolken gefallen. Das ist so ein Männerding, glaube ich. Dieses Nicht-wahrhaben-Wollen.
      Ich habe mich in einen Kollegen verliebt. Wir sind nun bald vier Jahre zusammen und es passt so viel besser. Mein Ex-Mann hat mir einfach nicht gut getan, das habe ich aber erst gemerkt, als die rosarote Brille endgültig weg war. Viele meiner Verwandten und Freunde fanden den Schritt mutig. Andere wiederum (auf Seiten meines Ex-Mannes) haben mir vorgehalten, dass ich ja unsere Familie auseinandergerissen habe. Aber so eine Beziehung wollte ich meinen Kindern nicht vorleben.
      Aber was ich immer sage, was aber nicht jeder verstehen kann oder will: Mein jetziger Partner war nicht die Ursache für meine Entscheidung, mich zu trennen, sondern lediglich der Anlass. Es hätte auch jemand anderes sein können, früher oder später. Ich war einfach lange unglücklich, und ja, ich war offen und wollte mich so gerne noch einmal verlieben, so richtig mit Wumms. Das gabs nämlich in meiner ersten Beziehung nicht, da war ich diejenige, die mehr verliebt war, es dümpelte alles so vor sich hin. Bei mir ist es wie bei Dir: Wenn ich glücklich bin, sind mir alle anderen Männer egal. So geht es mir jedenfalls seit bald vier Jahren. 🙂

  • Karen 17/03/2019 at 21:32

    Liebe Denise,

    Finger weg von verheirateten Männern!!!

    Der erste, der sich damals bei mir „bewarb“, mit dem habe ich sogar eine Wohnung für ihn angeschaut. Alles gut! Nur hatte er die Rechnung ohne seine Frau und die Kinder gemacht, die ihm nämlich die Hölle heiß gemacht haben, damit er bei der Familie blieb. Ich habe in diesem ungeklärten Zustand nur kehrt gemacht und ihm geraten, sich zu melden, wenn er seine Situation geklärt hätte… Er lebt bis heute mit seiner Frau zusammen.

    Der nächste blieb weiter verheiratet, lebte mit seinen Kindern sogar bei mir, bis er nach 4 Jahren wieder mit seiner Frau zusammenzog….

    Verheiratete Männer sollten erst ihren Status regeln! Mittlerweile bin ich glücklich verheiratet und nicht an anderen Männern interessiert.

    Liebe Grüße
    Karen

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