Ordnung

Donnerstag = OrdnungsTag | Geschenke

18/09/2014

Das Problem mit Geschenken

„Als ich noch meine Lebensmitteleinzelhandelsgeschäfte hatte, habe ich oft meine Geburtstagsfeste abends im Geschäft gefeiert. Logisch, näher können Sie gar nicht an der Quelle sein. Dort gab es natürlich immer einen Geschenketisch. Am nächsten Tag ging ich immer an den Tisch, nahm die Geschenke, klebte einen Preis drauf und ab ins Regal. Ich habe all meine Geschenke verkauft. Heute wissen das meine Freunde und bringen gar nichts mehr mit.

Ich brauche nichts. Mehr noch, ich will nichts! Sachen haben zu müssen, die ich nicht will, ist für mich viel schlimmer, als möglicherweise unsympatisch zu wirken, weil der Schenkende sich durch mein Desinteresse an seinem Geschenk brüskiert fühlen könnte. Die Schwierigkeit für die Leute ist, zu verstehen, dass ich nicht am Schenkenden desinteressiert bin, sondern an dem Ding, das ich nicht haben will. Ich weiß, dass das gelinde gesagt unkonventionell ist. Aber all die Sachen interessieren mich eben nicht.“

aus dem Buch Glückskinder von Hermann Scherer.

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Eine ziemlich coole Einstellung, wie ich finde!

Nicht immer kann der Geschmack des anderen getroffen werden. Doch die Geste an sich ist eigentlich viel mehr wert, als das Geschenk selber.

Jeder Gegenstand hat eine Aufgabe. Ist diese Aufgabe erledigt, kann man sich von dem Gegenstand trennen.

 

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Mein Geschenk hat also die Aufgabe, dem anderen eine Freude zu bereiten. Was anschließend mit dem Geschenk passiert, sollte mir egal sein. Natürlich freue ich mich, wenn ich bei meinem Besuch das Geschenk sehe und das Gefühl habe, richtig gelegen zu haben. Doch wenn es später an jemand anderen weiter gegeben wird, weil es eben doch nicht so gut passt, ist mir das ebenso recht.

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Wieviele Geschenke habt Ihr in Euren Räumen stehen, die Euch eigentlich nicht mehr gefallen?
Gibt es vielleicht jemanden, der sich darüber freuen könnte?

Befreit Euch von dem Gedanken, alles behalten zu müssen!

 

Ordentliche Grüße

Denise

p.s. die Schreibmaschine, grüne Schale und der Frosch sind alles Geschenke von meiner Schwiegermutter.
Sie hat es einfach drauf, denn diese Sachen haben im Sturm mein Herz erobert und werden sicher nicht weitergegeben werden 😉

 

  • Milena Schlegel 18/09/2014 at 5:29

    Liebe Denise
    Dein Buchausschnitt ist ehrlich und demütigend zugleich. Irgendwie geht es mir gleich. Ich möchte lieber nichts bekommen, als ein Unding. Bei Gebasteltem von Kinder stelle ich es zuerst auf, dann versorge ich es in einer kiste auf dem Dachboden. Später will ich dann die Kinder fragen, wie weiter. Und selber? Ich nähe und stricke fürs Leben gern. Am Liebsten würde ich alle in meinem Umfeld damit eindecken. Habe ich früher auch gemacht, musste dann eben genau das feststellen: dass meine Geschenke wohl im Abfall landeten. was hat mich die Mühe und die lange Arbeit gereut! Und jetzt? Jetzt gehe ich in meinen Lieblingsblumenladen, kaufe einen feinen Sirup, ein Olivenöl – schön eingepackt – oder einen Blumenstrauss und übergebe das als Geschenk. So hat der Beschenkte eine Weile lang Freude und muss dann das Geschenk früher oder später entsorgen.
    Lieber Gruss
    Milena

  • SelbstgemachteDinge 18/09/2014 at 5:41

    Ein mutiger Post.
    Also ich gebe zu, daß ich bei den ersten Sätzen richtig schlucken musste. Ein Geschenk weiter zu verkaufen geht für mich einfach gar nicht. Der Schenkende hat sich ja auch Gedanken darüber gemacht, was er schenkt ( ich kann wohl sicher sagen, daß das meine Freunde/Bekannte/Verwandte machen) und aus einen Geschenk möchte ich keinen Profit schlagen.
    Nachdem ich mich gerade so umgeschaut habe, sehe ich einige Geschenke die ihr Plätzchen bei uns gefunden haben.Auch ein Selbstgemachtes, das nicht ganz mein Geschmack ist, hat seinen festen Platz. Trotzdem freue ich mich darüber, daß sich der Schenker so viel Arbeit für mich gemacht hat.
    Ich selbst schenke immer gerne Dinge, die man auch verbrauchen kann. Wenn es auch "nur" die besondere Flasche Wein… für den Abend ist.
    Gar nicht einfach mit den Geschenken.
    Liebe Grüße,
    Manuela

  • danamas world 18/09/2014 at 5:43

    Ja, das ist wirklich ein heikles Thema. Ich habe auch so einige "Geschenkleichen" hier rumstehen, von denen ich aber genau weiß, dass die schenkende Person zu tiefst enttäuscht und getroffen wäre, wenn ich sie weggeben würde. Das ist schon immer so eine Zwickmühle in der man da steckt. Da hilft meist nur die Dinge gaaanz aus Versehen kaputt gehen zu lassen…
    Liebe Grüße, Dani

  • Sonja 18/09/2014 at 7:28

    Ich verkaufe Geschenke zwar nicht gleich weiter, aber ich behalte nur, was mir auch gefällt, der Rest verschwindet.
    Mit deiner Schwiegermutter hast du ja wirklich Glück, aber ich eigentlich auch… 😉
    Liebe Grüße, Sonja

  • Steffi 18/09/2014 at 7:50

    Ich hatte den gleichen Gedanken wie Manuela. Geschenke, die nicht den Geschmack getroffen haben, weiter zu verschenken, finde ich völlig okay. Aber verkaufen?! Geht gar nicht!
    Ich bin ja eine Basteltante, verschenke solche Dinge aber nur an Leute denen das WIRKLICH gefällt. Sind eh meist die Verpackungen und der Inhalt ist das eigentliche Geschenk.
    Mittlerweile bin ich aber auch dazu übergegangen Gutscheine zu verschenken, für Onlineshops oder Einkaufcenter. So hat der Beschenkte die große Auswahl, ist nicht an eine Branche gebunden und gönnt sich dann irgendwann mal was, was er haben will.

    An den 40 Rosen, die ich von einer Freundin zum Geburtstag bekam (die WEISS, dass ich Schnittblumen nicht leiden mag!), hatten dann am nächsten Tag zwei meiner Nachbarinnen ihre Freude – jede bekam 20.

    Wunschzettel im Internet machen das Leben der Schenkenden übrigens viel einfacher. 🙂

    Liebe Grüße
    Steffi

    PS. Bin gespannt, welche Kommentare hier noch zu lesen sein werden.

  • uli lowredeyes 18/09/2014 at 7:57

    liebe denise.
    herr scherer spricht mir aus der seele. seine einstellung zu "unliebsamen" geschenken ist richtig cool. in meiner schulzeit hatte ich mit meiner freundin einen contest laufen – "the worst xmas-present"… jahr um jahr kämpfen ihre oma und meine tante um platz 1. der türkise, überdimensionale kerzenleuchter liegt seit jahren an der spitze – mittlerweile macht er einer mir unbekannten person viel freude (ich verschenke alle sachen, die ich nicht brauche an wohltätige einrichtungen oder an personen, die auf flohmärkte gehen)
    ich selber wünsche mir prinzipiell gutscheine und "bitte, bitte nichts selbstgemachtes" (das ist nicht böse gemeint, aber ich mag nicht den ganzen winter mit dem allerersten häkelversuch der freundin auf dem kopf rumlaufen).
    für mich steht ehrlichkeit an erster stelle, auch bei geschenken – meine familie und freunde wissen das bereits und für sie ist es so in ordnung. ich frage auch immer nach, wer sich was wünscht. ist die antwort "nichts", gibts auch nichts…

    lg uli
    ps ich mag deinen blog sehr gerne, der ist so schön "aufgeräumt" 😉

  • Luna0410 18/09/2014 at 11:20

    Sehr ehrlich geschrieben! Schlucken musste ich auch zuerst!

    Ich verschenke keine Geschenke weiter… Lasse sie meistens im Keller verstauben, hihi! Ich denke dass die Menschen für die ich wichtig bin meinen Geschmack treffen oder mich vorher fragen…

    Meine Schwiegermutter schenkt mir immer Sachen die sie selbst bekommen hat… Das beste war mal an Weihnachten… Da hat sie in meinem Beisein eine Vase aus dem Schrank genommen und mir geschenkt… Fand ich schon ziemlich heftig…
    Ich schenke sehr gerne… Freue mich immer den Glanz der Freude in ihren Augen zu sehen! Finde es wichtig dass man sich vorher informiert über wünsche der anderen oder man einfach ein wenig aufmerksam zuhört

    Liebe Grüße, Silvia

  • Andrea Pircher 18/09/2014 at 15:46

    Ganz ehrlich: was mir nicht gefällt wird man auch nicht in meiner Wohnung finden. Aber verschenken oder gar verkaufen bringe ich nicht über s Herz. Ich hätte das Gefühl den Schenkenden damit zu "verletzen". Es kommt aber selten vor dass ich was bekomme was mir so gar nicht gefällt….
    Da hast du ja richtig " Glück" mit deiner Schwiema.
    Liebst Andrea

  • Bremer Deern 18/09/2014 at 19:32

    Die Geschenke meiner Schwiegermutter (Schwiegermonster) sind immer als erstes aus der Wohnung verschwunden 😉 Hanseatische Grüße von Deinem Bremer Deern ♥

  • Tobia Nooke 19/09/2014 at 5:47

    huuuu ein schwieriges Thema.
    Ich weiß ja wie schwer es sein kann ein Geschenk auszuwählen. Aber wenn man dann eines bekommt was so ganz furchtbar ist… Ich kann mich generell von nix trennen aber dann auch noch etwas mit emotionalem Charakter. Geburtstagsgeschenke wandern schon mal weg (meist Jahre später) aber jetzt hab ich ein wirklich schlimmes Hochzeitsgeschenk bekommen. Giftgrüne Handtücher mit falschen Initialen. Aber von der "neuen" Familie… Mir fällt nichtmal ein was ich daraus nähen könnte.
    Viel schwieriger als entsorgen finde ich aber demjenigen zu sagen, dass das nix war. Wie macht ihr das. Sonst gibt es ja weiter solche Geschenke.
    Liebe Grüße und ein hübsches Wochenende, Tobia

    • antetanni 19/09/2014 at 7:03

      Hahaha, liebe Tobia, wir haben zur Hochzeit Schlafshirts mit "unseren" Namen darauf bekommen. Blöd nur, dass anstelle meines Namens der der Ex-Freundin auf "meinem" Shirt stand. Der Schenker war allerdings ein schon sehr betagter älterer Herr aus dem Bekanntenkreis meiner Schwiegermutter, sodass ich die Geste an sich sehr schön fand und das Shirt fand dann gleich zwei Tage später eine neue Heimat bei einer Kollegin, die den entsprechenden Namen trug. Zu den giftgrünen Handtüchern muss dir gar nichts einfallen – nur Mut, weg damit! Schneide sie ansonsten kleiner (Initialien weg) und mach' Waschlappen/Gästehandtücher daraus, wenn die Farbe als solche irgendwie noch ok ist…

  • antetanni 19/09/2014 at 7:00

    Ein Beitrag, der mir aus der Seele spricht, und die Kommentare dazu zeigen, dass dieses Thema viele bewegt… Was habe ich nicht schon alles bekommen, das ich ewig mit Magengrummeln aufbewahrt habe. Inzwischen kommuniziere ich in meinem Umfeld relativ offen und klar, dass ich Dinge nicht zwingend aufbewahre, wenn sie nicht zu uns nach Hause passen (hier steht sowieso noch viel zu viel herum…). Wenn mich jemand fragt, was ich mir wünsche, dann sind das, wenn überhaupt, Sachen, die sich verbrauchen oder die mich entlasten, wie "Back' zu meinem Fest doch bitte einen Kuchen", "Bring doch bitte einen Salat mit", oder ein Duschgel aus der Parfümerie, das ich mir selbst vielleicht nicht gönnen würde, eine Kerze für Draußen usw. Eben Dinge, die eine Weile da sind und durch den Gebrauch und die Freude daran dann wieder verschwinden. Herrlich. Ich gebe es zu, ich habe manche Geschenke auch direkt nach Erhalt (nun ja, wenn der Schenker weg war) in die Tonne gekippt, hilft ja nichts, wenn es echt ätzend ist. Bücher lese ich und verschenke/verkaufe sie ohnehin weiter, weil ich in den allerallerallerseltesten Fällen ein zweites Mal in einen Roman geschaut habe, vom nochmaligen Lesen ganz abgesehen… Für mich ist es somit ok, sich auch von geschenkten Dingen zu trennen. Wenn ich so recht darüber nachdenke, sollte ich den Tag heute gleich nutzen, um noch das ein oder andere "Schätzchen" (ob geschenkt oder selbst gekauft) zu entsorgen…

  • Sophie 22/09/2014 at 18:42

    sehr lustig,
    gerade hab ich dein Blog gefunden und der Beitrag hier.. noch lustiger.
    Erst heute hab ich mit einer Kollegin/Freundin vereinbart dass wir uns nichts mehr schenken. Es war mein Vorschlag, aber nicht weil sie meinen Geschmack nicht trifft, ich eher das Gefühl hatte, wir schenken aus einer Art "Verpflichtung" heraus. Sie schenkt mir Wert xy, dann kann ich nicht "darunter" sein und umgekehrt. Naja, sie war einverstanden, meckerte mich zwar an, als ich in das letzte Geschenk, zum Geburtstag letzte Woche, ein Smiliekommentar schrieb "damit du es nicht weiterschenken kannst, schreib ich den Glückwunsch nicht auf eine Karte, sondern hier rein…" – aber sie war gleich einverstanden, dass wir uns nichts mehr schenken, anstatt dessen, zu den Geburtstagen und zu Weihnachten – einfach "schöner" essen gehen.
    Das ist doch auch toll, finde ich jedenfalls.
    Ganz liebe Grüße
    Sophie

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