Lifestyle Urlaub

Achterbahn zum Jakobsweg

17/04/2022

Achterbahn zum Jakobsweg: Wie aus einem kleinen Gedanken eine ernst zunehmende Idee wird

„Du bist einfach immer für eine Überraschung gut“ So schrieb es meine Freundin, noch ohne zu wissen, was ich da wirklich plane …

Urlaubsplanung 2022

Für Juli stehen in meinem Kalender drei Wochen nur für mich. Meine Kinder fahren mit ihrem Vater nach Griechenland und mein ursprünglicher Plan war, 10 Tage nach Mallorca zu fliegen. Erst eine Woche Yogaurlaub, dann noch ein paar Tage bummeln und genießen. Gebucht hatte ich noch nichts, weil ich mir unsicher war, wie es mit meinem Budget für den Sommer aussehen würde. Eine Rückzahlung an das Finanzamt hatte mir im Dezember ein ordentliches Loch auf dem Konto hinterlassen.

Dann habe ich das Buch von Beate Mäusle gelesen: Tot sein kann ich morgen noch, von dem ich hier berichtet hatte. Schon während ich das Kapitel über ihren Jakobsweg gelesen habe, habe ich mich dabei ertappt, wie ich parallel Informationen zum Jakobsweg gegooglt habe.

Mein Vater ist den Jakobsweg auch schon zwei Mal gelaufen, aber wirklich interessiert hatte mich das bis dahin nicht. Irgendetwas hatte mich jetzt aber gepackt.

Portugiesischer Jakobsweg

Sonntag, 13. Februar

Mitte Februar habe ich unter Vortäuschung eines kleinen Scherzes im Kreise meiner Familie laut überlegt habe, auch mal den Jakobsweg zu gehen – vielleicht einfach in Birkenstock? Mit den Schuhen könnte ich schließlich jeden Weg laufen … Es war gar nicht geplant, die Idee laut auszusprechen, bis dahin hielt ich es für Flausen in meinem Kopf.

Ich bin das Gegenteil einer Sportskanone. Doch in zwei Jahren Pandemie wurde ich faul und bequem. Oft habe ich mich zu Leuten sagen hören, dass ich gerne einen Hund hätte – aber nur, um zweimal am Tag gezwungen zu sein, eine Runde an der frischen Luft zu gehen.

Allerdings bin ich als kleines Kind schon gerne gelaufen. Ich erinnere mich noch an einen Urlaub im Schwarzwald mit meinen Eltern als ich ungefähr sechs war und ich jede Strecke zweimal gelaufen bin, weil ich immer voller Energie vorgelaufen bin und wieder zurückkam. Auch heute noch kann ich mich an der Schönheit der Natur nicht statt sehen und liebe es, frische Luft tief einzuatmen. Egal ob am Strand oder im Wald, egal ob es ein bisschen regnet oder die Sonne scheint.

Aber ja – die Pandemie hat sich negativ auf meine Bewegung ausgeübt und ich hatte das dringende Bedürfnis, ein Kontrastprogramm zu starten und meine Komfortzone zu verlassen.

Um die Geschichte an dieser Stelle abzukürzen: Ich entschied mich wenige Tage später gegen den Yogaurlaub und für den Jakobsweg. Am 22. Februar hielt ich sowohl die ersten Wanderschuhe meines Lebens als auch die passende Lektüre zum portugiesischen Jakobsweg in den Händen.

Jakobsweg

Mittwoch, 23. Februar

Am Vormittag habe ich Nicola und Andrea, den Mädels, mit denen ich mich immer auf dem Wochenmarkt treffe, von meinem Vorhaben erzählt und dabei gemerkt, welche Vorfreude schon in mir steckt. Mittags habe ich Socken und einen Rucksack bestellt und bin bei strahlendem Sonnenschein mit meinem Sohn eine 7 km Runde gelaufen. Es kribbelte im ganzen Körper, so sehr habe ich mich über die Planung gefreut.

Nachmittags hatte ich ein Telefonat mit jemandem vom Fernsehen. Ich wurde für ein Projekt angefragt. Das Problem war nur, dass im Zeitraum von Anfang Juli bis Ende August gedreht werden würde und eigentlich wollte ich für den 16. Juli meinen Flug buchen.

Aber nicht so wild. Fernsehen geht vor. Ich könnte ohne Probleme noch eine Woche mit dem Flug warten, bis dahin würde sich entscheiden, ob ich an dem Projekt teilnehmen kann oder nicht. Und wenn es mit dem TV klappt, so würde der Jakobsweg nicht weglaufen.

Am nächsten Morgen stand der Entschluss fest: Wenn das mit dem TV klappen würde, dann würde ich den Jakobsweg einfach schon im Mai laufen.

Jakobsweg

Dann kam der Krieg in der Ukraine.

Und mit ihm wuchs das allgemeine Unwohlsein.

Kooperationen wurden verschoben, was für mich immer eine finanzielle Unsicherheit mit sich bringt. Als dann noch Rechnungen vom Steuerberater bei mir ankamen, wurde klar: Den Flug nach Portugal könnte ich mir in der aktuellen Situation gar nicht leisten.

Anfang März kam dann auch noch die Absage vom TV. Schade. Mit dem Erlös hätte ich im September meine Rückzahlung der Corona-Soforthilfe zurückzahlen können.

Also alles wieder auf Anfang: Jakobsweg im Juli.

Mittlerweile hatte ich auch schon meinen Rucksack.

Jakobsweg

Mittwoch, 16. März

Die vergangenen drei Wochen hatten mir mal wieder gezeigt, was für ein Auf und Ab das Leben sein kann. Niemand von uns hat die Unwägbarkeiten des Alltags in der Hand. Aber wir alle hoffen auf Frieden.

In einer Facebook-Gruppe kam die Frage auf, ob man in der derzeitigen Weltlage überhaupt einen Flug nach Portugal buchen sollte. Die einstimmige Meinung war:

„Wann, wenn nicht jetzt? Pilgern ist beten mit den Füßen. Krieg herrscht zu jeder Zeit in der Welt!“

Caminho Portugues

Dienstag, 29. März

Der Flug ist gebucht!

Und ich fliege nicht alleine.

Caminho Portugues

Meine Freundin Nicola kommt mit, die schon lange mit dem Jakobsweg geliebäugelt hat und direkt große Augen bekam, als ich auf dem Markt davon erzählt habe.

Tatsächlich macht die Vorfreude jetzt doppelt Spaß, weil wir uns austauschen und gemeinsam vorbereiten können. Viel planen müssen wir zum Glück nicht, denn wir wollen uns treiben lassen, offen sein für all die Wunder, die uns unterwegs begegnen.

Es war eine kleine Achterbahn der Gefühle, bis wir an diesen Punkt angekommen sind, doch seit dem der Flug gebucht ist, fühle ich mich hervorragend.

Jetzt kann ich es kaum erwarten, an der Fortsetzung von diesem Beitrag zu schreiben.

Heute in drei Monaten geht es also los.

Dann heisst es 260 km von Porto nach Santiago, an der portugiesischen Küste entlang!

 

Denise

 

 

 

  • Queen All 17/04/2022 at 8:19

    Hallo Denise,

    was für ein wunderbarer Plan! Ich wünsche euch schon ganz viel Vorfreude und dass alles hinhaut.
    Da sieht man mal, wie schnell aus ein paar Flausen und im Spaß gesagtem ein ernsthaftes Projekt wird. Ich bin so zu meinem zweiten Studium und anschließendem sehr tollen neuem Job gekommen. Hatte nur zu einer Freundin im Spaß gesagt, dass ich das was du Jungs können auch könnte 🙂 Und meinem Mann danach davon erzählt. Der meinte dann nur „Dann mach das doch“.

    Liebe Grüße
    Vanessa

  • Birgit 17/04/2022 at 15:19

    Liebe Denise, das ist ein toller Plan und macht Euch beiden sicher Spaß. Ich bin 2003 ( vor Hape Kerkeling) von Burgos nach Santiago gelaufen und möchte diese Erfahrung nicht mehr missen. Im Vorfeld etwas trainieren….,

  • Iris 17/04/2022 at 17:36

    Das klingt ja super. Eine Wunderbare Idee. Letzten Sommer bin ich den Fördesteig an der Flensburgerförde und der Ostsee entlang gewandert. Es war so herrlich abwechslungsreich und entspannend.
    Dann genieße mal noch die Vorfreude 😍

    Liebe Grüße Iris

  • Martina 17/04/2022 at 18:01

    Liebe Denise,
    da bin ich aber platt.
    Und begeistert.
    Was für eine tolle Idee!
    Ich bin ganz sicher, dass Dir diese Wanderung in jeder Hinsicht gut tun wird. Deine Beiträge dazu kann ich jetzt schon kaum noch abwarten. Sag mal, wie fühlen sich denn die Wanderschuhe an…? Als ich vor einiger Zeit die Schuhe meiner Schwester
    ins Auto packte, war mein Gedanke: „Himmel, wie kann man mit so schweren Klötzen an den Füßen auch nur einen Schritt
    tun?“
    Und zu Deiner wirtschaftlichen Lage: Corona-bedingt geht es uns allen so und glaube mir, es wird auch wieder besser.
    Ganz bestimmt!
    Liebe Grüße, Martina

    • fräulein | ordnung 17/04/2022 at 19:56

      Liebe Martina,

      meine Wanderschuhe sind erstaunlicherweise ziemlich leicht. Ich hatte da auch eine ganz andere Vorstellung.
      Und ja – irgendwann haben wir hoffentlich die Corona-bedinten Ausfälle verarbeitet 🙂

      Liebste Grüße
      Denise

  • Britta 19/04/2022 at 8:39

    Liebe Denise, der Jakobsweg schwirrt mir seit unzähligen Jahren durch den Kopf,doch bisher habe ich mich nicht getraut. Doch ich werde nicht jünger und auch gesundheitlich ändert sich aktuell einiges bei mir. Vielleicht sollte ich einfach los gehen ? Erst einmal zur Tür heraus.
    Die Leseprobe von „Tod sein kann ich morgen“ habe ich mir gerade spontan heruntergeladen. Ich habe noch ein paar Tage Urlaub, da bleibt mir auch Zeit zum Lesen.
    Liebe Grüße
    Britta

  • Jutta 20/04/2022 at 13:12

    Liebe Denise, ich habe mir schon kurz gedacht, dass Du den Jakobsweg gehst, als du vor einer Weile auf Insta die Wanderschuhe gepostet hast …dann habe ich gedacht: das „passt“ ja garnicht zu ihr…dann: man sollte aber öfter Sachen machen, die einen irgendwie aus der Komfortzone locken und gleichzeitig eine gewisse Vorfreude bringen – kurzum: ich finde es SAUSTARK! Es wird sicher unvergesslich! Unabhängig davon finde ich es ganz großartig von Dir, dass Du über das finanzielle Jonglieren und die Unsicherheiten als alleinerziehende Selbstständige so offen schreibst. Dafür möchte ich Dir danken. Denn von außen sieht die Welt der Blogger meistens nur sehr sorglos, clean und perfekt aus. Du bist für mich eine ganz wichtige Ausnahme. Herzliche Grüße – ich bin die Jutta mit deinem dunkelblauen geringelten Boden-Shirt aus dem Kleiderverkauf 😉

  • Pia 21/04/2022 at 11:00

    Liebe Denise,
    das hört sich wirklich tollan. Bevor ich meinen Freund kennengelernt habe konnte ich mit wandern auch nicht viel anfangen.
    Er ist ein begeisterter Langstreckenwanderer ( war schon ein halbes Jahr am Stück beim wandern) und hat mich angesteckt.
    Seither machen wir jedes Jahr eine längere Wanderung.
    Dieses JAhr geht es nach drei Jahren Pause endlich wieder weiter. Zwar nicht wie geplant nach Griechenland oder Kanada ( Krieg und teure Flüge ) dafür aber nach Schottland.
    Dir viel Spaß auf dem Jakobsweg. Ich bin mir sicher du wirst es lieben, obwohl das monotone Laufen auch ganz schön anstrengend werden kann. Aber das Glücksgefühl nach einem langen Wandertag wird überwiegen.

    Liebe Grüße
    Pia

    • fräulein | ordnung 21/04/2022 at 12:07

      Danke für Deine Worte!
      Und Euch ganz viel in Schottland! Das wird bestimmt wunderbar!

  • Sibille 21/04/2022 at 22:44

    Glückwunsch zu Deiner Entscheidung. Der Weg entsteht beim Gehen. Wir müssen noch eine wichtige Ladung abwarten und dann geht es f. uns bis nach Luleå in Schweden.

    Zwischen unserer Heimat in Südschweden und Nordschweden trennen uns knapp 1.500 km.
    Diese fahren wir und dabei werden wir viele der Nationalparks ablaufen. Insgesamt gibt es 29.

    Work and travel😊

    Bei uns geht es bald los und Wanderschuhe, ich trage Hanwag wg meinen Ballens., stehen schon parat.

    Ich freue mich auf Deine Berichte.

    Gruß

    Sibille

  • Christine Othmer 22/04/2022 at 18:57

    Ich mußte schmunzeln, denn ich kenne die lange währenden geistigen Vorbereitungen zum Jacobsweg sehr gut. Viele sagen ja: der Weg zieht dich an! Mich hat er auch immer mal wieder angezogen, und ich habe für mich den Entschluß gefasst, ihn dieses Jahr zu laufen. Von Lissabon bis Santiago. Ich habe mir den September vorgenommen, da ist es nicht mehr so heiß und ich mache mir keinen Zeit-Streß und auch keinen sportlichen Ehrgeiz daraus. Als Pensionärin kann ich mir das leisten 😉
    Meine 72jährigen Knochen machen mir schon auch immer mal Probleme, aber davon lasse ich mich nicht beeindrucken.
    Ich wünsche Buen Camino und Ultreia und freue mich auf Berichte!
    Tine

  • Ute 23/04/2022 at 14:25

    Ich bin schon lange eine stille und dankbare Mitleserin hier. Das es jetzt auf den Jakobsweg gehen soll, finde ich großartig! Den Jakobsweg zu gehen, ist einer der Träume, die ich habe. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn du uns an deinen Vorbereitungen dafür und am Weg selbst teilhaben lässt. Das wird sicherlich eine ganz besondere Lebenserfahrung. Ganz herzlichen Dank für dein Wirken und Sein.
    Alles Liebe, Ute

  • Susanne 25/04/2022 at 16:25

    Mein Traum für dieses Jahr, endlich mal den Jakobsweg laufen… von Porto nach Santiago, auch ein Stück der Küste entlang. und du machst es vor, super. Danke, danke, danke…. ich möchte in meinen Barfussschuhen gehen, und bin gespannt, wie sich das alles anfühlt

  • Marina 26/04/2022 at 20:44

    Hallo, ich lese schon lange bei dir, und mag deine Beiträge. Es ist schon verrückt, aber auch ich werde dieses Jahr den Jakobsweg
    gehen. trotz vieler Umstände haben auch wir uns entschlossen es in diesem Jahr zu machen. Wir weden von Porto los gehen und haben gerade unsere Flüge gebucht. Ich bin schon ganz gespannt auf eure Berichte, denn auch bei uns steigt die Vorfreude.
    Vielleicht liegt es an den vielen Umständen unserer Zeit, das man einfach mal etwas anderes tun muss. Ich wünsche euch viel Freude und wenig Blasen. liebe Grüße aus Berlin. Marina

  • Nina 28/04/2022 at 18:00

    Liebe Denise,
    vielen Dank, dass Du Deine Gedanken und Sorgen hier so ehrlich teilst und einen Einblick hinter die Kulissen erlaubst.
    Zwei Kolleginnen von mir sind den Jakobsweg auch schon gelaufen (getrennt voneinander) und für jede war es ein total beeindruckendes Erlebnis. Das wünsche ich Dir und Deiner Freundin auch. Und gesunde Füße:-)
    LG
    Nina

  • Trixi Hilsenhuber 06/05/2022 at 13:47

    Hallo Denise, einfach machen, sehr gut! Ich bin den Weg vor 5 Jahren gegangen. Flug gebucht, ohne es meinem Mann zu erzählen, weil ich Angst hatte das mich der Mut verlässt, das alleine zu machen. Aber alleine ist man eigentlich nie, der Weg sorgt für einen.
    Es war eine ganz großartige Erfahrung! Freut euch darauf, ich freue mich mit und darauf, hier weiter von dem Abenteuer zu lesen 😊

    VG aus der Nachbarschaft 💚 Trixi

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