Ordnung

Death Cleaning | Eine Checkliste für Eltern

26/09/2019

Liebe Denise

Könntest du bitte mal einen Text schreiben, wie man seine Eltern dazu bringt auszumisten, z.B. anhand einer Checkliste.

Meine Eltern und Schwiegermutter haben Häuser mit viel Sammelsurium. Uns graust es, das alles mal auszuräumen, zu verwerten, zu entsorgen. Haben dieses bei Bekannte erlebt, kostet viel Energie, Nerven und Geld.

Ein heikles Thema, die Eltern hätten ja viel Zeit schon mal nicht mehr Benötigtes auszumisten. Wir wären alle erleichtert und dankbar. Die Nachkriegsgeneration gibt nicht gerne was her. Kann man ja auch gut verstehen. Vielleicht wäre ein Artikel von dir eine Motivation, jeden Tag mit einer kleinen Schublade anzufangen.

Bin so happy über deinen Blog, habe schon vieles aussortiert und konsumiere weniger, damit es meinen Kindern mit uns nicht auch mal so geht

Herzliche und hoffnungsvolle Grüße, Inge

Death Cleaning

Death Cleaning

Liebe Inge,

erst letzte Woche habe ich noch in einer kleinen Runde davon erzählt, dass gerade eine riesige Welle mit diesem Problem auf uns zurollt. Denn genau diese Nachkriegsgeneration stirbt langsam weg und damit werden Häuser geöffnet, die vom Keller bis zum Dachboden mit allerlei Krempel gefüllt sind. Eine Belastung für die nachfolgende Generation, für all die, die sich um den Nachlass kümmern müssen.

Eine Checkliste explizit für solche Fälle kann ich nicht geben, wohl aber die Empfehlung, mit den Eltern oder Schwiegereltern ins Gespräch zu kommen und auch zu bleiben. Sie nicht zu überfordern, ihnen nicht die Pistole auf die Brust zu setzen, ihnen wohl aber die eigene Hilfe anzubieten.

Je öfter man mit ihnen darüber spricht, desto eher findet man Gehör!

Je öfter man das Thema anspricht, desto mehr sensibilisiert man das Bewusstsein für dieses Thema.

Natürlich macht man sich damit keine Freunde, aber Spaß ist es so oder so nicht. Egal ob jetzt, zu Lebzeiten, oder später, wenn man sich alleine um eben dieses Sammelsurium kümmern muss.

Ein passendes Buch zu diesem Thema zu verschenken kann auch gefährlich sein.

Aber was ist schon gefährlicher als der Tod?

Also ab zur Buchhandlung und die beiden folgenden Bücher kaufen und in dieser Reihenfolge lesen:

Death CleaningFrau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen

Schon im vergangenen Jahr habe ich von dem Buch Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen (*affiliate link) berichtet und würde mir wünschen, dass sich dieser Trend auch bei uns in Deutschland etablieren lässt. Die Schweden wissen bereits, wie es geht: döstädning ist die Lösung! Die Engländer nennen es Death Cleaning, was sich makaber anhört, aber durchaus sinnvoll ist. Während Marie Kondo strikte Regeln vorgibt, ist Frau Magnussons Anleitung unkompliziert und humorvoll.

Das Buch ist voll mit positiven und praktischen Anregungen und da es von einer Frau in einem gewissen Alter geschrieben wurde, spricht es eben genau die Menschen an, bei denen ein Umdenken angeregt werden soll.

Besser aufräumen – freier leben

Wer das Buch über Death Cleaning gelesen hat und bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln, sollte sich dann eins meiner Bücher in die Hand nehmen. Am besten geeignet ist Besser aufräumen, freier leben. Minimalismus für die Wohnung. Tipps, Anleitungen, Checklisten (*affiliate link) Das Buch enthält allgemeine Checklisten, mit denen man Schritt für Schritt durch sämtliche Räume gehen kann.

Das wichtigste ist, beide Bücher vorher selber zu lesen und zu verinnerlichen. Denn wer etwas predigt, von dem er selber keine Ahnung hat, ist nicht glaubwürdig und wird es schwer haben. Nur was ich selber verinnerlicht habe, kann ich auch von meinen Mitmenschen erwarten. Sowohl von den Eltern als auch von den Kindern!

 

In diesem Sinne,

ordentliche Grüße und fröhliches Death Cleaning

Denise

 

 

 

 

36 Kommentare

  • Antworten B. Cottin 26/09/2019 at 11:25

    Darf ich mal querdenken: Die ganzen Häuser der Nachkriegsgeneration, die dann geöffnet werden, beinhalten nicht nur „Krempel“, sondern auch viele gediegene Gebrauchsgegenstände, die u.U. auch wieder in Mode kommen (Beispiel Möbel der 50 er/Anfang 60er). Sie müssten halt nur aufgefrischt werden.
    Dies könnte zu einem Konsumstau oder gar Konsumruhe führen … welche für den Handel gar nicht so günstig wäre.

    • Antworten fräulein | ordnung 26/09/2019 at 12:36

      Dem Querdenken stimme ich absolut zu.
      Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass dieser „Krempel“ in der Regel aus Sachen besteht, den keiner mehr haben möchte. Besonders die Möbel! Betten, Schränke, Sofas … es lässt sich meist kein Abnehmer finden. Noch nicht einmal, wenn sie bei Ebay Kleinanzeigen zu verschenken angeboten werden. Es ist ein Desaster. Und dann erst geht es mit dem kleinteiligen Kram los.

      • Antworten Monika 27/09/2019 at 10:46

        Hallo,
        ich stecke gerade mitttendrin… Wir werden ein überzähliges Zimmer im Haus meiner Eltern zu einem Bad umfunktionieren. Dieses überzählige Zimmer fühlt sich an wie eine ganze Wohnung.. Mein Vater ist pragmatischer als meine Mutter, aber es geht ja auch nicht an sein Werkzeug 😉 Ich habe so viele Gläser, Untersetzer, Klamotten in meiner Garage, weil sie niemand haben will. Nach und nach wird alles tatsächlich weggeworfen werden, weil es niemand haben möchte. Traurig, aber wahr.
        Das Buch von Frau Magnussons Kunst werde ich lesen, um für mich Ordnung zu schaffen. Bei meinen Eltern hilft nur ganz viel Geduld, Humor und Verständnis.

      • Antworten B.Cottin 30/09/2019 at 18:40

        Ja, das habe ich schon öfters gehört, dass alte Möbel jetzt gar nicht mehr gehen. Vielleicht, weil es im digitalen Zeitalter andere Einrichtungsbedürfnisse gibt.

  • Antworten Brigitte B. 26/09/2019 at 11:45

    Ich gehöre zu der älteren Generation um die 60, ich habe ein Haus voller „Krempel“, und ja, ich miste gerade aus, weil es einfach zu viele Sachen sind und ich mich nicht mehr wohl damit fühle. Death-Cleaning, was für ein zynischer Ausdruck.

    Mir kommt die Galle hoch, wenn ich lese, was für eine immense Belastung es doch für die Erben ist, wenn unausgemistete Häuser aufgeräumt werden sollen. Hallo!? Fehlt dann die Zeit, die Kinder mit den SUVs von der Schule abzuholen oder für den Kurztripp nach Barcelona oder für die Selbstverwirklichung auf Sylt? Mir geht die Ich-Bezogenheit der Generation knapp unter mir, der so um die 40jährigen, echt auf die Nerven.

    Ich habe meinen Eltern geholfen, ihr Haus auszuräumen, aber meine Schwester und ich hätten es auch nach dem Tod unserer Eltern ohne sie gemacht. Ja, es ist schwierig, mit all den Erinnerungsstücken umzugehen, und ja, es war auch sehr traurig. Aber es hat auch geholfen, die Trauer zu verarbeiten. Und immerhin haben wir das Häuschen ja auch geerbt.

    Versucht doch mal, die Leute einfach so zu lassen, mit all ihrem Kram, der ihnen wichtig ist, den sie gerne um sich haben, denn wer sagt denn, dass der derzeit gehypte Minimalismus die einzig richtige Lebensform ist. Warum sollen die Leute umdenken?
    Ich lese hier eigentlich echt gerne mit, aber gerade kann ich nur den Kopf schütteln.

    Beste Grüße aus dem Ort nebenan – Brigitte

    • Antworten fräulein | ordnung 26/09/2019 at 12:29

      Liebe Brigitte,

      wieso kannst Du nur mit dem Kopf schütteln?
      Ich gehe auf die Fragen meiner Leser ein (was oft auch anderen helfen kann),
      ich sage aber nicht, dass jetzt jeder seine Eltern oder Großeltern zum ausmisten zwingen muss!

      Meine Eltern mussten gerade das Haus meiner Großeltern auflösen – in dem noch nicht mal besonders viel Krempel aufbewahrt war. Das hat sehr an ihren Nerven gezerrt und ich bin froh, dass meiner Schwester und mir so eine Aufgabe erspart bleibt, weil unsere Eltern schon viel organisierter sind.

      Schade, dass Du den Beitrag so persönlich nimmst und harsch kommentierst.

      Viele Grüße
      Denise

      • Antworten Helen 27/09/2019 at 9:32

        Hallo Denise,

        ich bin ebenfalls a b s o l u t nicht der Ansicht, dass man sich möglichst sozialverträglich entsorgen muss und schockiert von einigen Ideen, auch wenn man natürlich alles mal durchdenken kann.

        Im Übrigen gibt es ja die Möglichkeit, ein Erbe auszuschlagen, sollte man sich überfordert sehen mit dem, was auf einen zukommt, oder man engagiert jd.- schließlich verdienen Ordnungshelfer und Entsorgungsunternehmen auch ihr Geld damit und freuen sich u. U. über Aufträge.

        Last but not least gehören Aufgaben und Belastungen auch zum Leben.

        Freundlicher Gruß und danke für’s Wehren an Brigitte.
        Ich bin auch > 50- wartet’s ab, da kommen für so manche/n dann die Einschläge vllt. auch mal näher 😉

        Helen

    • Antworten Catharina 26/09/2019 at 20:37

      Hallo Brigitte. Ich finde es auch schade, dass aus deinem Kommentar wenig Verständnis für die Hinterblieben rauszuhören ist. Ich habe dies selber mit 30 Jahren erlebt nach dem Tod meines Vaters und es war sehr schwer und für mich eine enorme Belastung. Ich habe keinen SUV und meine Kinder sind selbständig zu Fuss zur Schule gegangen, während ich gleichzeitig fast Vollzeit berufstätig war. 😉 Nur so nebenbei. Ich hätte mir gewünscht, dass er die Dinge vorher hätte loslassen können und nur seine Lieblingssachen die ihm wirklich am Herzen lagen aufgehoben hätte. Das hätte mir sehr geholfen, diese Sachen dann dementsprechend zu würdigen. Zudem ist es wesentlich leichter das Aussortieren im Zusammensein mit seinen Eltern anstatt nach ihrem Ableben durchzuführen. Ich für mich habe nach dieser Erfahrung den Anspruch an mich meinen Kinder dies nicht aufzuerlegen. Und reduziere meine persönlichen Sachen immer bzw. hinterfrage immer wieder was ich wirklich brauche.
      Sind nur die Gedanken der Ich bezogenen Generation (Das musste jetzt noch sein :-)) Viele Grüße Catharina

    • Antworten Jeannette Lößner 27/09/2019 at 10:21

      Hallo Brigitte, ein wenig kann ich deinen Groll auf die Ich-bezogene Generation nachvollziehen. Ich gehöre selbst in diese Altersklasse und habe das Haus meiner Eltern (Kriegsgeneration und DDR-Generation) nach ihrem Tode (beide wurden von mir bis zum Ende auch gepflegt) geerbt. Seit 2 Jahren verbringen wir jedes Wochenende sowie den gesamten Sommerurlaub damit, Haus und Hof zu beräumen. Meine Eltern hatten seit 50 Jahren nichts weggeschmissen und vieles noch für kommende schlechte Zeiten ….gehortet. Ja, es ist manchmal so was wie Trauerarbeit, aber immer häufiger ist es einfach nur eine Belastung. Wir sind beide selbstständig und haben eine 50 Stunden Woche. Ich möchte so eine Aufgabe meinen Kindern nicht hinterlassen; ich möchte nicht, dass sie post mortem über Muttern und Vattern fluchen müssen. Beste Grüße Jeannette

    • Antworten Nadine 29/09/2019 at 14:23

      Liebe Brigitte,
      ich finde es schade, dass deine Kritik in so einem Ton kommt und gleichzeitig alle Leute in einen Topf geschmissen werden. Ich erlebe die ältere Generationen als sehr unterschiedlich und habe alleine in meiner Familie vier verschiedene Varianten an Senioren, die ganz unterschiedlich mit ihrem eigenen Krempel umgehen. Meine Oma, heute auf die 90 zugehen, hat mit knapp 80 Jahren ihre eigene Wohnung komplett entrümpelt und ist ganz selbstbestimmt nochmal umgezogen. Dabei hat sie nur das mitgenommen, was sie mitnehmen wollte (sie ist 500 km weit weg von ihrem alten Wohnort gezogen). Meine Mutter hatte mit dem Entrümplen emotional viel größere Schwierigkeiten.
      Die Wohnung meiner anderen Großeltern werden wir irgendwann ausmisten und aufgeben müssen, die können vielleicht noch fünf Jahre alleine leben, aber irgendwann werden sie entweder ausziehen oder in ein Pflegeheim gehen müssen (auch 85plus), bei diesen Großeltern ist schon immer alles sortiert und aufgeräumt, und klar, was überhaupt eine Bedeutung besitzt. Während z.B. meine eigenen Eltern eine unordentliche Wohnung haben, wo auch ich mir wünschen würde, dass sie die selbst aussortieren, damit nämlich eben auch überhaupt klar ist: Was besitzt überhaupt Bedeutung für euch? Was ist dir wichtig? Da gibt es so viel Plün und Bücher, und Krams, den ich einfach wegwerfen würde, eben weil ich keine Wertschätzung seitens meiner Eltern daran erkenne.
      Und vierter Fall: Meine Schwiegermutter fängt jetzt selbst freiweillig an ihr Haus durchzugucken, nutzbare Sachen wegzugeben und zu ordnen. Gerade, dass sie es jetzt selbst macht, bietet die Möglichkeit, dass in Ruhe geguckt wird, wo was hingeben kann. Für uns Kinder ist das tatsächlich nachher eine Aufgabe, die wir anders als eine Schnellentrümplung (namens Müll) gar nicht leisten können, und das hat überhaupt nichts mit fehlender Dankbarkeit zu tun. Sondern eben damit, dass wir die meisten Dinge gar nicht gebrauchen können, weil wir anders leben (gar nicht so ein großes Haus & Garten haben, oder die Dinge eh schon besitzen), und außerdem einfach gar nicht über die zeitlichen Mittel verfügen, und nein, ich gehöre auch nicht zu den SUV-Fahrer. Im Gegenteil. Nur ist das eine Aufgabe, die tatsächlich meinen Jahresurlaub von 30 Tagen komplett auffressen würde, und dann wäre es nicht mal zu Ende.
      Freunde von mir, um die 40, haben übrigens radikal angefangen ihr eigenes Haus auszusortieren, nachdem sie die Wohnung der Großeltern aufgelöst haben und gesehen haben, wie viel Besitz es gibt, der einem überhaupt nicht wichtig ist. Und da geht es null um ein „death cleaning“, sondern einfach um ein bewusstes Leben im Hier und Jetzt. Ich lebe z.B. mit meiner Familie auch möglichst, minimalistisch, nicht weil das hip ist, sondern weil es mir ermöglicht, genau jetzt mein Leben bewusst zu erfahren, statt mich in irgendeinem Hamsterrad zu befinden. Statt zu konsumieren, erlebe ich mit meinem Sohn schöne Momente in einem Zuhause in dem wir uns wohlfühlen oder sind gemeinsam draußen und fahren Fahrrad.
      Ich wünsche mir, dass du meinen Kommentar hoffentlich noch liest, und nochmal sensibler über die einzelnen Punkte nachdenkst, statt pauschal zu urteilen.
      Viele Grüße
      Nadine

    • Antworten B.Cottin 30/09/2019 at 18:44

      Die Trauerarbeit ist schon wichtig.
      Es muss ja nicht Minimalismus sein.
      Aber 1947 ist halt vorbei. Seien wir dankbar dafür. Das viele Aufheben behindert vielleicht die Dankbarkeit…
      (Allerdings, wer das „Ostpreußische Tagebuch“ von Lehndorff gelesen hat und die Sache mit den selbstgestrickten Strümpfen aus Bindegarn, versteht plötzlich die Aufheberei der älteren Generation ein bisschen besser.)

    • Antworten Claudia 14/10/2019 at 9:26

      Liebe Brigitte,

      Dein Gedanke, dass es auch ein Stück Trauerbewältigung ist, die Dinge der Verstorbenen zu sortieren, neu zu nutzen oder zu entsorgen, ist für mich sehr stimmig. Gleichzeitig merke ich, dass meine Mutter überfordert ist, sich um ihren ganzen Besitz zu kümmern. Ich wünsche mir vor allem für meine Eltern, dass sie sich von manchen Dingen trennen, damit sie ihr jetziges Leben etwas mehr genießen können.
      Alles Liebe, Claudia

  • Antworten Aus dem Leben der Karoline 26/09/2019 at 14:45

    Hallo Denise,
    ein wirklich passender Beitrag, da der Gedanke mir über die Tage immer wieder über den Weg gelaufen ist. Wir haben beispielsweise das Glück, dass wir total entspannt mit unserer Mutter reden konnten und Sie gerne auch Hilfe in Anspruch nimmt. In der Zeit wo wir dann mit ihr angefangen haben auszumisten hat man förmlich gemerkt, wie eine Kiste nach der nächsten sortiert wurde und der Prozess ihr ungemein weitergeholfen hat. Das sieht man inzwischen auch in ihrerer Ausstrahlung. 🙂
    Ganz liebe Grüße, Karoline 🙂

  • Antworten Wesche 26/09/2019 at 15:49

    Als meine Großmutter vor zwanzig Jahren viel zu früh verstorben ist, hatten mein Vater und seine Geschwister „nur“ eine kleine 3-Zimmer-Wohnung und einen Keller leer zu räumen. Ich würde auch nicht sagen, dass meine Oma ungewöhnlich viel besessen hat. Sie waren dennoch mehrere Wochen damit beschäftigt, auch ohne Kurztripp nach Barcelona oder Selbstverwirklichung auf Sylt 😉 Alle drei waren berufstätig, hatten eigene Familien, also haben sie sich Abends und an den Wochenenden in der Wohnung getroffen.
    Gerade weil man den Verstorbenen sehr gewertschätzt/geliebt hat, ist das ausräumen umso schwieriger. Man will die Sachen ja nicht einfach auf den Müll werfen… Da geht man alles durch, überlegt was in der Familie bleibt, was gespendet werden kann,…
    Ich habe Frau Magnussons Buch gelesen und da beschreibt sie unteranderem auch, wie man diesen Prozess des Entscheidens seinen Kindern ein Stück weit abnehmen kann. Wenn man schon seit vielen Jahren weiß, dass z.B. die Schreibtischlampe an XY vererbt werden soll, warum sie nicht schon zu Lebzeiten weitergeben? Auf diese Weise kann man noch die Freude des Beschenkten miterleben.

    Mich jedenfalls hat das Ausmistfieber vor circa vier Jahren gepackt. Und wie das so ist, wenn einen etwas interessiert, spricht man auch mit seinen Mitmenschen darüber. Meine Mutter geht nun auch peau a peau die Wohnung durch (den Dachboden spart sie bis jetzt leider aus :D) und freut sich über jedes Teil das geht. Es geht nicht darum auf Teufel komm raus alles wegzugeben, Liebgewonnenes darf selbstverständlich bleiben! Aber ich bin der festen Überzeugung, dass dieses „Death Cleaning“ oder wie auch immer man das nennen möchte, nicht nur mir und meinen Geschwistern hilft sondern das meine Eltern schon heute HIER UND JETZT davon profitieren.

    So, nun beende ich meinen Roman 🙂

    Lieb Grüße aus Berlin

  • Antworten Babsy 26/09/2019 at 15:56

    Hallo Denise,
    ich finde auch, das man seinen Kindern nicht den ganzen Krempel aufbürden sollte.
    Ist doch nichts dabei sich vorher schon von Sachen zu trennen – die schönen Sachen hebt man ja eh auch.
    Seit ich im Rollstuhl sitze und sich mein Leben nur noch auf einer Wohnebene befindet habe ich angefangen Keller und Speicher auszumisten. Bin noch lange nicht fertig, aber ich finde es befreit ungemein.
    Liebe Grüße
    Babsy

  • Antworten Ina aus Weinheim 26/09/2019 at 18:51

    Mit dem Ausdruck Death-Cleaning kann ich mich gar nicht anfreunden, weil er einfach nur zynisch ist. Da muss ich Brigitte sehr Recht geben. Mich stört der Anspruch von Töchtern und Söhnen, es nach dem Tod der Eltern einfach zu haben …! Ich habe mit meinem Mann das Haus meiner Schwiegereltern und die Wohnung meiner Eltern nach deren Tod ausgeräumt und entrümpelt. Es war viel Arbeit aber auch ein Stück Abschiednehmen von deren Leben und einem Stück eigener Kindheit. Mir ist „viel Krempel“ (wie Ihr das wohl bezeichnen würdet) durch die Hände gegangen, und das war gut so. Dieser Krempel hatte für meine Eltern eine Bedeutung, brachte ihnen Erinnerung und Sicherheit, und es wäre anmaßend gewesen, sie in vorauseilendem Gehorsam aufzufordern, beizeiten gemäß dem Modewort „Death-Cleaning“ zu entrümpeln, damit mir diese unliebsame Aufgabe nicht bevorsteht. Ich habe aus dieser Wohnung meiner Eltern, in der ich meine Kindheit verbracht habe, viele Dinge in mein Haus genommen, die für mich heute Bedeutung haben, aber von meinen Kindern wohl als Krempel bezeichnet würden, weil sie hinterher eh keiner mehr haben will. Ein bisschen Nachdenken hilft vielleicht, diese Erwartungen zu relativieren. Ich wünsche es mir sehr!
    Liebe Grüße
    von Ina

  • Antworten Karen 26/09/2019 at 20:51

    Liebe Denise, (liebe Inge),

    ich/ wir haben vor 3 Jahren das Haus unserer Eltern ausräumen müssen. Mein Vater hatte seine Ableben hervorragend geregelt, das vorherige Ausmisten hätte ich gerne mit ihm bzw. meinen Eltern gemacht. Bei vielen Gegenständen waren noch Fragen. Aber es ist toll, das Abi-Zeugnis des Vaters zu finden oder das Tagebuch der Mutter als Teenager. Soll das alles weg, Deiner Meinung nach? Nein! Ich habe eine Kiste mit diesen Erinnerungen auf dem Boden für die nächste Generation. Auch die Möbel von „damals“ waren wertiger als die heutigen. Ich bin froh für die Zeit des Ausmistens, denn auch das hat mir den Abschied erleichtert.

    Herzliche Grüße
    Karen

  • Antworten Ilka 26/09/2019 at 20:58

    Weißt du, und hat es als Familie noch mehr zusammengebracht, als wir beim Ausräumen bei Oma auch die krummen Bastelsachen gefunden haben, die wir ihr mal geschenkt haben. Und die Lieblingsbecher aus der Kindheit. Klar haben wir geweint und es war viel, aber nicht alles war Krempel. Da war ganz schön viel Liebe in den Schränken. Ist schon schwer, das zu bewerten.
    Lieben Gruß
    Ilka

  • Antworten Saphira 27/09/2019 at 9:36

    Die 80ig jährige Tante meiner Freundin hat sich angewöhnt jede Woche eine Schublade, ein Schränkchen,, eine Ecke auszuräumen. Alles was sie nicht mehr haben möchte, packt sie in EINE Klappbox die sie ihrer Nichte beim wöchentlichen Besuch mitgibt. Das ist eine Menge die gut zum Abarbeiten ist, meine Freundin kann sich vielleicht etwas raussuchen, bei Ebay verkaufen oder zum Wertstoffhof bringen. Ich finde das eine besonders liebe Geste der Tante, weil sie meint, dass meine Freundin am Tag X sonst ja von der Menge erschlagen wird und vielleicht viel mehr auf dem Müll landet als es müsste. Natürlich ist das nicht für jede Familie etwas aber vielleicht eine Idee …. zudem könnte man ja auch anbieten, bei jedem Besuch eine kleine Ecke miteinander zu räumen… zeitlich begrenzt aber vor allem nur dann, wenn man es kommentarlos stehen lassen kann wenn die Eltern Sachen behalten möchten 😉 aber bestimmt lernt man auch noch viel die die Besitztümer und die Geschichten dahinter

  • Antworten Verena 27/09/2019 at 10:29

    Hallo Denise,
    halle liebe Kommentatorinnen >50, die Ihr Euch darüber aufregt, dass Kinder es einfach haben wollen… Darum geht es doch gar nicht!! Liebe Denise, danke für Deinen tollen Beitrag! Ich bin 46, vor 3 Jahren mussten meine Schwester und ich unser Elternhaus auflösen, in dem zuvor bis zu vier Generationen zusammen gelebt haben; am Ende nur noch unsere Eltern. Das war ganz und gar nicht witzig; großes Haus mit Vollkeller, Dachboden, großer Garage und diversen Schuppen! Es hat DREI MONATE gedauert, denn neben Vollzeitjobs, eigener Familie UND (sehr teurem) Entrümpeler dauert es eben doch sehr lang!! Die kompletten Haushalte meiner Urgroßeltern und Großeltern waren überall ebenso noch vorhanden wie haufenweise Klamotten, die seit 30 Jahren keiner mehr anzieht etc. Nein, Ihr Lieben, es geht nicht darum, dass wir ja ach so ICH-bezogen sind. Ja, wir haben ein eigenes Leben, aber trotzdem helfen wir, wo wir können! Aber im Ernst: Als Kinder wurden wir permanent zum Aufräumen gezwungen, und Jahrzehnte später bekommt man das Gefühl dafür, wie es eigentlich lief! Wasser predigen und Wein trinken, gell? Mich machen Eure Kommentare wirklich betroffen. Wir haben zuvor über Jahre versucht, irgendetwas schon zu Lebzeiten zu ändern, aber vollkommen zwecklos, denn wir stießen immer auf taube Ohren, auch bei unseren Großeltern. Und diese Situation höre ich überall im Freundes- und Bekanntenkreis! Nein, es ist wirklich nicht so, dass wir es EINFACH haben wollen. Aber so etwas kann einen wirklich schwer belasten! Was meint Ihr wohl, wie mein eigenes Familienleben aussah, als wir über viele Wochen nichts anderes unternommen haben als auszuräumen? Das kann sich kein Elternteil für sein Kind wünschen, ganz ehrlich nicht. Und wenn doch, dann, meine Lieben, muss ich ganz klar behaupten: Nicht WIR, sondern IHR seid Ich-bezogen. So, Dampf abgelassen.
    Ich denke, es gibt immer einen Mittelweg. Es geht doch gar nicht darum, alles wegzugeben oder das Haus besenrein zu haben. Es geht ums Ausmisten! Um Sachen, die wirklich, ganz objektiv, niemand mehr benötigt! Wir haben zB sogar noch einen Karton mit Babyflaschen aus Plastik gefunden. Aus den 70ern! So etwas gehört schon seit ewigen Zeiten entsorgt! Und davon findet sich sicherlich genug auch in anderen Häusern.
    Also nochmals vielen lieben Dank, liebe Denise, ich wünschte, diesen Beitrag hätte es zu der Zeit schon gegeben! Vielleicht hätte er mir manche schlaflose Nacht erspart.
    Liebe Grüße
    Verena

    • Antworten fräulein | ordnung 27/09/2019 at 10:51

      GENAU SO !!!

      Herzlichen Dank, Du bringst es für ich AUF DEN PUNKT!

    • Antworten Tatjana 27/09/2019 at 16:54

      Liebe Verena,
      Ich kann Dir nur voll und ganz zustimmen!
      Ich bin Mutter von zwei Kindern, und kann mir überhaupt nicht vorstellen, all diese Bürden auf die beiden zu verschieben. Denn genau das wäre in meinen Augen Ich-bezogen…. nach dem Motto „Nach mir die Sinnflut…“
      Danke Denise für diesen wertvollen Beitrag!

  • Antworten Ingrid Knaust 27/09/2019 at 11:19

    Liebe Denise,
    Ich lese schon eine ganze Weile auf dem Blog mit. Ich selbst wuerde mich als sehr ordentlich, gut organisiert und strukturiert beschreiben, finde aber trotzdem hier immer wieder Inspiration und interessante Beitraege, so auch dieser. Das Thema betraf mich selbst auch. Vor einigen Jahren mussten wir mein Elternhaus, sehr gross mit Nebengebäuden, seit hundert Jahren im Besitz der Familie zwecks Verkauf ausräumen. Die Generation meiner Eltern ist mit wenig und bescheiden aufgewachsen – Minimalismus, allerdings gezwungenermassen. Erst nach dem Krieg wuchs der Wohlstand und man konnte sich mehr leisten. Meine Mutter war stolz auf ihre schoene Tischwaesche, das gute Geschirr und Silberbesteck, was zu Familienfeiern präsentiert wurde. Und ja, beim Ausräumen fand sich noch neue Bettwäsche, originalverpackt. Man sollte verstehen, dass sich diese Generation ungern von den angesammelten Schätzen ihres Lebens trennt und es einfach hinnehmen. Die nachfolgenden Generationen sind mit einem unglaublichen Überfluss aufgewachsen, so dass sich hier nun ein gegenläufiger Trend zeigt, zurück zu mehr Einfachheit. Abschliessend möchte ich noch unbedingt ein weiteres Buch zu genau dieser Thematik empfehlen „Das Haus meiner Eltern hat viele Räume Vom Loslassen, Aufräumen und Bewahren“, von Ursula Ort.
    Herzliche Gruesse
    Ingrid, Frankfurt am Main

    • Antworten fräulein | ordnung 27/09/2019 at 11:38

      Herzlichen Dank für Deinen Kommentar und die Buchempfehlung!

    • Antworten Carola 27/09/2019 at 12:04

      Liebe Ingrid, genau so ging es uns auch. Wir fanden Bettwäsche und Handtücher die meine Eltern zu Silbern Hochzeit 1977 geschenkt bekommen haben, original verpackt. Über zwanzig Jahre haben die Sachen im Schrank gelegen… sind dann bei mir gelandet…. Und den Buchtipp kann ich bestätigen. Beste grüße aus dem Vogelsberg Carola

  • Antworten Carola 27/09/2019 at 11:57

    Hallo liebe Denise, und auch ein Hallo an alle Schreiberinnen hier,

    ich habe alle eure Beiträge gelesen und muss euch sagen ihr habt ALLE Recht. Und genau diese Summe an Erlebnissen gibt Denkanstösse für Eltern und Großeltern. Ich bin auch 50+ und habe meine Eltern vor fast dreizig Jahren verloren. Meine zwei Schwestern und ich haben ihre drei Zimmer Wohnung mit Keller gemeinsam aus geräumt, mit ganz vielen Tränen. Meine Eltern waren damals Anfang 60 und hatten davor Jahre lang einen Garten. Mama hat viel eingekocht und Marmelade gemacht. Der Keller war voll damit. Da war so viel…. wir haben einiges mitgenommen, aber wir hatten gar nicht den Platz. Andere wollten nichts haben. Wir hatten vier Wochen die Wohnung zu räumen. Wir haben geheult weil wir so viel entsorgen mussten, nicht der Sachen wegen. Sondern weil Mama viel Zeit in der Küche verbracht hat und die Sachen mit Liebe eingekocht hat. Damals war es schlimm für uns. Und auch jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, laufen mir die Tränen. Einfach weil ich an diese Liebe beim Einkochen sehe, und wie meine Mama in der Küche steht. Wir haben seit einem Jahr ein eigenes Haus. Noch haben wir in einigen Räumen Baustelle, wir sind beide Berufstätig, und doch versuchen wir darüber nach zu denken was wir brauchen und haben möchten. Sehr viele Dinge sind schon gegangen, auch weil die Vorbesitzer uns einen Haufen Schrott hinter lassen haben. Wir geniessen die Zeit des neu machens und auch des Einrichtens. Und ja wir denken auch über Neukauf nach, auch über Flomarkt, und was uns Glücklich macht, wir lieben es gemütlich…. Und in den Jahren haben sich tausende von Büchern angesammelt… ja ich sehe euch wie ihr eure Hände vorm Kopf zusammenschlagt und denkt wie so nur… Bibliothek eben… noch hat sie keinen neuen Platz bekommen. Allerdings haben wir schon ganz viele Bücher abgegeben. Meine Bitte an Euch alle: bitte seid tolerant und findet das Gespräch mit euren Familien. Danke an Euch alle und ein schönes Wochenende. Herzlichst Carola

  • Antworten Edith 27/09/2019 at 15:18

    Liebe Denise,

    ich sehe bei mir im Umfeld (Vater, Tante, Nachbarin) absolut den Wunsch auszuräumen und Überflüssiges abzugeben. Womit sie allerdings nicht umgehen können, ist das Wegwerfen von Dingen, die in gutem Zustand sind (geht mir übrigens genauso). Was ihnen aber die Entscheidung wirklich erleichtert hat, ist mein Angebot, die Sachen abzunehmen und dann die Sachen über Kleinanzeigen, Flohmarkt oder an karitative Einrichtungen für schmales Geld anzubieten bzw. zu verschenken.
    Das ist zwar jetzt immer wieder mal Arbeit, sorgt aber dafür, dass das endgültige Ausräumen (unabhängig davon ob im Todesfall oder weil Heimunterbringung nötig wird) nicht zur Tortur wird, sondern überschaubar bleibt.
    Das hat nichts mit meinem Anspruchsdenken zu tun, aber schon allein der Papierkrieg der bei einem Todesfall anfällt ist enorm und dann noch alles Sichten was sich in 30, 40 oder 50 Jahren angesammelt hat kostet viel Kraft, die man unter Umständen nicht hat.
    Ich bin wirklich dankbar, dass sich das bei uns im Rahmen halten wird.

    LG
    Edith

  • Antworten Sonja 27/09/2019 at 17:34

    Liebe Denise, liebe Mitlesenden,

    auf mich wird eine 3-Zimmermietwohnung , 2 volle Keller und eine Garage warten. Eine Wohnung, in der ich aufgewachsen bin. Meine Mutter wohnt in diesem Mietshaus, seit sie vor 85 Jahren geboren wurde. Für meinen Vater war es nach dem Krieg das erste Mal wieder das Gefühl, Zuhause zu sein.

    Ich werde kein „Nun-räumt-mal-auf-Gespräch“ mit meinen Eltern führen, weil das Altern für meine Eltern schon schwer genug ist. Sie sollen sich nicht damit belasten.

    Sie gehören zu einer Generation, in der man nicht gern über den Tod, das Endlich sein redet. Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass die Kindheit mit Krieg, Flucht, Tod, Verlust und Entbehrung belastet war. Mein Vater erzählte mir einmal, wie sehr er sich über zwei schrumpelige Äpfel zu seinem Geburtstag auf der Flucht gefreut hat.

    Ich lasse meine Eltern so leben, wie sie es wollen (Auch wenn ich mir oft Sorgen mache, weil ich nicht vor Ort bin und sie keine Hilfe annehmen wollen).

    Ich lasse alles auf mich zukommen. Es wird auch zum späteren Prozess des Trauerns gehören, die Wohnung auszuräumen, auch wenn es viel emotionale und körperliche Energie verlangt. Schön wäre es, wenn man dann Dinge in brauchende und wertschätzende Hände weitergeben kann. Aber ich stehe vor dieser Aufgabe dann nicht allein.

    Diese Aufgabe haben wir einmal im Leben. Also sollten wir uns auch die Zeit dazu nehmen, weil damit dann auch unser Kind sein endet.

    Ich bin selbst gerade im Prozess des Aussortierens, weil ich mich bewusst für eine Verkleinerung entschieden habe.
    Für diesen eigenen Prozess laufen neue und alte Wohnung 6 Wochen parallel, um es nicht im Stress zu geraten. Auch das ist ein Prozess des Abschieds von einem Lebensabschnitt für mich. Aber ich bin im Reinen mit mir.

    Da ich vorhabe, in dieser Wohnung bis zu meinem Lebensende zu bleiben, umgebe ich mich nur noch mit schönen, geliebten und glücklich machenden Dingen. Meine Kinder werden zum gegebenen Zeitpunkt keine Mühe haben, meine Wohnung aufzulösen.

    Liebe Grüße
    Sonja

  • Antworten Silke 27/09/2019 at 20:09

    Liebe Denise und andere Schreiberinnen, das Thema ist sicher komplex und jede hat ihre Erfahrungen. Ich gebe zu Bedenken, dass vmtl viele von den Vor-Kommentatorinnen davon ausgehen, dass die Wohnungen/Häuser „ordentlich“ aufgeräumt sind und es sich um gute Stücke, Möbel etc handelt. Meine Schwestern und ich haben unsere Tante beerben dürfen und hatten die Aufgabe, eine 5-Zimmer-Wohnung mit Dachboden und Keller und Garage innerhalb von 3 Monaten besenrein zu übergeben (wir wohnen alle zwischen 200 und 600 km entfernt). Ja, wir haben auch Basteleien und Kinderzeichnungen von uns wieder entdeckt (und darüber geschmunzelt) und auch Erinnerungsstücke an unseren bereits verstorbenen Papa und auch diverse Erinnerungsstücke mitgenommen. ABER, wir mussten uns durch stapelweise ausgeschnittene Zeitungsartikel, kaputte Plastikschüsseln, Unmengen an Nylontüten, den (von Motten befallenen) Pelzmantel unserer in den 50er Jahren verstorbenen Uroma (etc.etc) „kämpfen“. Was hätte ich mich gefreut, hätte ich die div. Literaturklassiker während meines Studiums ausgeliehen/ geschenkt bekommen (leider waren sie alle von Schimmel befallen, wir mussten sie entsorgen) oder meine Schwester über den Mini-Verkaufsladen, solange ihre Kinder noch klein waren und damit gespielt hätten.
    Und ich möchte nicht wissen, wie sich meine Tante in den letzten Krankheitstagen gefühlt hat, als ihr klar wurde, dass wir nunmehr in die Räume, die jahrelang von niemanden anderen als ihr betreten wurden, gehen würden und wir alles durchsortieren würden.
    Was ich dabei gelernt habe: Unterlagen zu Banken/Versicherungen/Wohnung/Auto etc so weit in Ordnung zu halten, dass auch Dritte damit etwas anfangen können und Dinge, über die sich meine Nichten/Neffen/Patenkinder zu meinen Lebzeiten freuen würden, gerne hergeben.
    Bei der zweiten Wohnungsräumung von meiner Schwiegeroma, die gut 100 Jahre alt wurde, habe ich gelernt, die Dinge, die man besitzt, auch zu benutzen – hier haben wir kistenweise tw. originalverpackte Bettwäsche , Handtücher, Strickjäckchen etc an Hilfsorganisationen übergeben, benutzt wurden von ihr im Alltag die teils zerschlissenen, uralten. Hier habe ich gelernt, dass ich das sog. Sonntagsgeschirr, das ich nach meinem Geschmack und über Jahre zusammen gespart habe, ruhig benutzen kann und mich im Alltag daran erfreuen kann und soll.
    Ich halte es da mit einem Spruch meiner Oma: ich schenke es dir lieber mit warmen Händen.
    viele Grüße
    Silke

  • Antworten Iridia 29/09/2019 at 8:57

    Wow, was für ein emotionales Thema.

    Für mich gehört es zum Älterwerden im Sinne einer einer Entwicklung dazu, auch wieder Besitz loszulassen.
    In meiner Erinnerung lebten alle alten Leute materiell bescheidener als jüngere Leute, aber auch freier.
    Mich würde interessieren, was zynisch an Death-Cleaning sein soll? Ich krieg die beiden Begriffe nicht zusammen. Frau Magnusson beschreibt, dass irgendwann im Mittelpunkt steht, was man hinterlässt. Ich bin jetzt fast 60 und es ist mir eine Sorge, dass meine Kinder hier die Sachen ausräumen müssten, für die ich zu faul, bequem oder ängstlich bin und die ich nicht mal jetzt brauchen würde. Ich kann mir ausrechnen, dass es mir in einigen Jahren körperlich schlechter geht und die Kraft nachlässt. Ich selber würde mich jetzt wohler fühlen, wenn ich bei einem plötzlichen Tod alles so hinterlasse, dass meine Kinder es so leicht wie möglich haben. Es ist meiner Erfahrung nach nicht nur wochenlanges Ausräumen, sondern Ausräumen unter Trauer und zusätzlichen Belastungen. Ich will diese Last nicht sein. Dafür liebe ich meine Kinder zu sehr.

  • Antworten Alexandra 29/09/2019 at 12:44

    Hallo! Ich habe den Beitrag und die vielen Kommentare nun schon ein paar mal gelesen und sehr viel darüber nachgedacht. Mittlerweile bin ich für mich zu dem Schluss gekommen, dass es bei diesem emotionalen Thema kein richtig oder falsch geben kann, sondern nur sehr individuelle Lösungen und Entscheidungen. Und ganz wichtige Worte für mich sind in diesem Zusammenhang Achtsamkeit und Respekt. Ich bin auch ganz der Meinung, dass es einen großen Unterschied macht, ob ich ein zugemülltes Haus erbe oder ein Haus, in dem Erinnerungen und „Schätze“ eines Bewohners aufbewahrt wurden. Und was für einen Menschen ein Schatz oder aufhebenswert ist, das kann kein anderer bestimmen und nachvollziehen. Meine Oma durfte 96 Jahre alt werden. Sie hatte immer ein sehr aufgeräumtes Zuhause, ohne viel Klimbim oder „unnötigem“ Kram. Nach ihrem Tod haben wir gemeinsam – ihre Kinder, Enkelkinder und Urenkel – ihre Wohnung aufgelöst. Jeder nahm sich das, was ihm wichtig war. Wir haben einige Dinge vergeblich gesucht, die uns aus den Kindheitstagen in Erinnerung waren, weil Oma sie anscheinend schon entsorgt hatte. Das fanden wir damals schade. Die Entscheidung, ob ich zu Lebzeiten entscheiden möchte, was meinen Nachkommen wichtig sein könnte, muss glaube ich jeder für sich selber entscheiden. Ich glaube, meine Eltern wären gekränkt, wenn ich sie „auffordern“ würde, eine Checkliste für mich durchzuarbeiten…. Aber auch hier kennt doch jeder seine Eltern am besten!!! Einen schönen Sonntag! Alexandra

  • Antworten Ingrid 30/09/2019 at 8:54

    Ich möchte mich noch mal kurz in die interessante Diskussion einschalten, die sich hier entwickelt hat und noch einen Aspekt ergänzen. Wenn jemand freiwillig so eine Art Death Cleaning macht, umso besser, aber man kann leider niemanden zwingen. Noch wichtiger ist aber aus meiner Erfahrung, dass bestimmte Dinge geregelt sind.
    Gibt es: ein Testament? Vorsorgevollmacht Patientenverfügung (WICHTIG)? Kontovollmachten? Hat man mit den Eltern besprochen, wie sie sich ihre Bestattung vorstellen ( Erd-,Feuerbestattung, anonym etc.)? Nur dann kann man in ihrem Sinne handeln. Alle relevante Unterlagen sollten ordentlich aufbewahrt werden und diejenigen, die sich am Ende darum kümmern müssen, sollten genau wissen, wo sie diese finden. Hier sollte man tatsaechlich sehr hartnäckig sein.
    Herzliche Gruesse
    Ingrid

  • Antworten Nessie 07/10/2019 at 17:14

    Ich verstehe nicht, warum bei krontroversen Themen der Ton immer so harsch/beleidigend werden muss? Erstens kann es ja letztendlich jeder so handhaben wie er/ sie es moechte, aber man wird doch einfach mal Denkanstoesse geben und entgegenehmen duerfen? Ich bin 57 Jahre alt und fuehle mich nicht „alt“ – trotzdem beschaeftige ich mich schon jetzt mit diesem Thema. Meine Eltern sind 80 Jahre alt und leben in einem sehr (!) grossen Haus. Sie haben es mit Dingen gefuellt, die ihnen wichtig sind. 99.9% der Dinge entsprechen NICHT meinem Geschmack und haben es auch nie getan. Sie lieben ihre Stilmoebel, ich konnte dem noch nie etwas abgewinnen. Frueher hiess es immer: Werde Du mal „richtig“ erwachsen, dann wirst Du das auch wertschaetzen. Ich denke mal, ich bin nun erwachsen und mag es immer noch nicht. Ich mag auch kein „shabby chic“ und keinen „vintage style“ – fuer mich! Das heisst aber nicht, dass ich es bbei anderen nicht huebsch oder passend finden kann. Ich liebe es, mir andere Wohnungen anzuschauen, auch oder gerade wenn sie einen voellig anderen Stil verkoerpern. Ich mag kuehle Materialien, glatte Oberflaechen, weisse Waende, etc. Also ist klar, dass nichts (ausser vielleicht einer Lampe, die aber eigentlich fuer unser Haus auch zu gross ist), jemals zu uns kommen wird, wenn meine Eltern ihr Haus verlassen muessen, aus welchen Gruenden auch immer. Es ist ein schwerer Prozess ihnen klarzumachen, dass die Sachen fuer sie richtig waren und sind – fuer mich aber nicht. So hat meine Mutter einige wenige Dinge schon selbst verkauft/verschenkt und auch mein Vater hat einiges weggegeben. „Death Cleaning“ – der Ausdruck hat mir nie gefallen, obwohl ich schon vor ein paar jahren zum ersten mal davon gehoert habe. Aber egal wie man es nennt, irgendwann werden sich die meisten von uns damit ausenandersetzen muessen. Bei mir kommt noch erschwerend hinzu, dass ich in einem anderen Land wohne. Ich waere dankbar, wenn meine Eltern sich schon zu Lebzeiten von vielen Dingen trennen wuerden, die ihnen selbst eigentlich gar nichts bedeuten und nur das behielten, was ihnen wirklich fuer ihr restliches Leben Freude bereitet. Das wuerde uns dann immer noch genug „Stoff zum Abschiednehmen“ hinterlassen. Aber jede Familie tickt anders, Eltern sind nicht gleich Eltern und Kinder nicht gleich Kinder. Darum werde ich einen Teufel tun und die ein oder andere Seite niedermachen. Aber warum muss man das ueberhaupt tun? WIe ich sehe, schreiben hier doch wieder nur Frauen. Warum koennen wir uns nicht gegenseitig Mut machen, uns unterstuetzen, Tips geben und gegenseitig helfen? Warum muss immer eine Seite Recht haben?
    Spate – aber liebe Gruesse!

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