Lifestyle

Die Kunst des Loslassens

07/08/2025

… im Kleiderschrank und im Herzen

„Ich plane eine strenge Überprüfung meines Kleiderbestandes  und meines Zeitbudgets. Meine Kontakte zu Menschen habe ich schon vor langer Zeit verringert. Privat treffe ich nur noch Freunde oder solche, die es werden könnten. Neulich bin ich selbst aussortiert worden von einer Frau, der ich nicht mehr wichtig genug bin und die ihre Zeit lieber den Menschen widmen möchte, die ihr genügend bedeuten. Das war hart für mich und von ihr aus konsequent und richtig.“

Ildikó von Kürthy, 2012, in der Brigitte

 

Dieser Text begleitet mich seit vielen Jahren.
Ich habe ihn vor über einem Jahrzehnt auf meinem Blog geteilt – und jetzt, beim digitalen Ausmisten, ist er mir erneut begegnet.

Kürzlich habe ich rund 100 alte Blogbeiträge gelöscht.
Platz schaffen für Neues. Raum für das, was heute wichtig ist.
Vieles von dem, was ich damals geschrieben habe, erscheint mir heute banal. Und so habe ich losgelassen.

Doch dieser Satz von Ildikó – er blieb.
Er ist zu gut, zu wahr, zu tief, um in der digitalen Versenkung zu verschwinden.

Ich bin ein ordnungsliebender Mensch. Wer mich kennt, weiß das.
Doch die Ordnung, die mir am meisten bedeutet, ist nicht die in der Schublade mit Geschirr- oder Putztüchern.
Es ist die Ordnung in meinem Leben. In meinem Kalender. In meinen Beziehungen.

Mit den Jahren ist mir immer klarer geworden:

Zeit ist das Wertvollste, das wir haben.

Und wie wir sie verbringen – und mit wem – entscheidet über unser Wohlbefinden, unsere Energie, unsere Zufriedenheit.

Ich denke oft darüber nach, welche Menschen mir guttun.
Bei wem fühle ich mich leicht, gesehen, inspiriert – nach ein paar gemeinsamen Stunden?
Und bei wem fühle ich mich ausgelaugt, klein, irgendwie verkehrt?

Die Kunst des Loslassen

Ich habe meine Freundschaften wie eine gute Sauce einkochen lassen.
Weg von der Beliebigkeit, hin zur Essenz.
Und das Ergebnis fühlt sich an wie eine köstliche Reduktion: intensiv, ehrlich, kraftvoll.
Weniger – aber dafür so viel mehr.

Natürlich war nicht jeder Abschied leicht.
Manche sind leise gegangen, andere mit einem klaren Schnitt.
Ein paar Entscheidungen habe ich selbst getroffen, andere wurden für mich getroffen.

Ich glaube, wir alle dürfen hin und wieder innehalten und uns fragen:

  • Was belastet mich mehr, als es mir nützt?

  • Wo raubt mir etwas Kraft – statt mir welche zu geben?

  • Was darf gehen, damit Neues entstehen kann?

Ob es die alte Jeans ist, die doch nie mehr passt,
oder eine Freundschaft, die sich nur noch nach Pflicht anfühlt:

Loslassen schafft Platz. Für Klarheit. Für Leichtigkeit. Für Wachstum.

Vielleicht fängst du mit einer Schublade an.
Vielleicht mit deinem Terminkalender.
Oder mit der Frage:

Wem schenke ich meine Zeit – und warum?

Wenn du magst, teile gern in den Kommentaren:
Was hast du zuletzt losgelassen? Und was hat sich dadurch verändert?

Ordentliche Grüße

Denise

 

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  • Kathrin 07/08/2025 at 8:46

    Liebe Denise,
    in Deinen Zeilen (und in denen von Ildikó von Kürthy) steckt so viel Wahrheit drin!
    Nach einer schweren Krankheit, hat bei mir auch ein Umdenken stattgefunden. Vielleicht liegt es aber auch am Alter (54), dass man nicht mehr gewillt ist, seine Lebenszeit an jemanden zu verschenken, der einen auslaugt und nur Kraft kostet.

    Ich hatte bis zum letzten Sommer zwei Arbeitskolleginnen, die immer nur gemeckert und gestänkert haben. Das ist schon anstrengend, da die eigene Positivität nicht zu verlieren. Als diese beiden Kolleginen die Firma verlassen hatten, wollten sie weiterhin privaten Kontakt halten. Irgendwie kann man sowas ja aber „einschlafen lassen“. Ich war sehr froh, dass sie weg waren und bin wieder in meine Mitte gekommen. Es kam eine neue Kollegin, die ganz auf meiner Wellenlänge war und wir haben uns sehr gut verstanden.
    Ich weiß nicht was passiert ist, aber vor wenigen Wochen wurde ich von ihr aussortiert. Sie hat sich in einer Woche, in der ich nicht im Büro war, in ein anderes Zimmer versetzen lassen, zu einer anderen Kollegin, mit der sie jetzt lacht und sich austauscht – ohne im Vorfeld auch nur ein Wort mir gegenüber darüber zu verlieren. Wir sprechen jetzt nur noch arbeitsbezogen miteinander, weil Sie sich total von mir zurückgezogen hat. Das ist echt hart!

    Aber vermutlich hat mir das Universum Deinen heutigen Beitrag geschickt, um mir zu zeigen, dass Aussortieren ja ein beiderseitiges Konzept ist und ich nicht alleine bin mit dieser Entscheidng und Erfahrung! Trotzdem ist es ein bisschen wie eine enttäuschte Liebe und muss erstmal verarbeitet werden. Aber Dein Beitrag hilft mir dabei, denn jetzt betrachte ich auch die andere Seite.

    Alles Liebe
    Kathrin

  • Sonja 07/08/2025 at 20:02

    Danke für die Worte zum Loslassen! So wahr, so richtig!
    Ich habe mein Telefonbuch im Handy aussortiert, durch Kindergarten und Schulkontakte habe ich von vielen den WhatsApp Status angezeigt bekommen. Von Personen, die mich auf der Straße nicht grüßen sehe ich private Bilder-ich möchte das nicht sehen. War erst Überwindung ( vielleicht brauche ich die Nummer noch) jetzt große Befreiung die Nummern|Kontakte zu löschen und mich aus WhatsApp Gruppen löschen die sich erledigt haben.
    Ich lese deinen Blog so gerne, vielen Dank für deine Zeit!
    Sonja

  • Philipp 08/08/2025 at 19:56

    Hallo Denise,

    mit Beziehungen tue ich mich beim Aussortieren nach wie vor am schwierigsten. Allerdings ist mein Eindruck, dass sich das Thema größtenteils von selbst erledigt:

    Da wir alle nur begrenzt Zeit habe, können wir nicht alle Beziehungen gleichermaßen aufrechterhalten. Wenn man sich aus den Augen verliert und beide Seiten nicht aktiv gegensteuern, hat das wohl seine Gründe. Wenn man möchte, findet man einen Weg.

    So oder so schadet es aber sicher nicht, hin und wieder zu überprüfen, ob sich, wie wir unsere Zeit verbringen, mit unseren Werten, Zielen und unserem Wohlbefinden deckt.

    Alles Liebe
    Philipp

  • Tanja Hug 09/08/2025 at 12:43

    Danke für diese wunderbaren Worte zum Loslassen – ich bin auch mal wieder in solch einer Phase und entscheide gerade sehr bewusst, was gehen soll und was bleiben darf. Die Abschiede von Dingen fallen mir meistens leicht, da sind die Abschiede von Menschen schon sehr viel schwieriger, doch manchmal einfach nötig. Danke auch für die Worte von Ildiko, ich habe sie mir in mein Journaling-Heft geschrieben, um sie immer mal wieder zu lesen.

    Herzliche Grüsse aus Zürich
    Tanja

  • Andrea 17/08/2025 at 8:26

    Liebe Denise,
    ich wurde gerade von meinem Ehemann losgelassen. Ja, es tat weh, aber auf einmal kommen Menschen in meinem Leben die vorher weit weg waren und dann steht z. B. eine Freundin im Bistro an meinem Tisch. Nummern ausgetauscht und habe auch nicht lange überlegt sie anzurufen.
    Das Leben geht bzw. Ich habe schon viele Schleifen drehen dürfen. Und dabei gelernt loszulassen.
    Ich brauche im Innern wie im außen Ordnung, Es gibt mir aber auch halt.
    Was ich von meinem Labrador Sammy jeden Tag lerne: Genieße dein Leben denn du hast nur dieses. Die Liebe die er mir entgegen bringt ist ehrlich.
    Mein Kleiderschrank ist klein,. Kommt ein neues; kaufe einiges gebraucht darf auch eins gehen.
    Bin gerade dabei meine alten Möbel weiter ziehen zu lassen, aber das ist leider nicht so einfach zu verkaufen. Es muss immer alles Neu sein. Ich versuche vieles zu verschenken oder jetzt beim aufräumen des Dachbodens, Spielzeug von meiner Tochter geht in den Kindergarten. Die freudigen Augen der Kinder erfüllt mich. Auch ein Teil des loslassens.
    Danke für DEIN Dasein, Deine tollen Beiträge und pass immer gut auf Dich auf.
    Schönen Sonntag und Grüße aus den Norden😊