Leserpost & Gedanken zum Vergleichen – aus der Sicht einer Alleinerziehenden
Eine Leserin hat mir zum aktuellen Wochenglück geschrieben. Sie ist alleinerziehend, hat ein Kind – und hadert oft damit, eine andere Wohn- und finanzielle Situation zu haben als ihre Freundinnen: verheiratet, Eigenheim, scheinbar „angekommen“.
Diese Mail hat etwas in mir ausgelöst, weil sie so ehrlich ist.
Mir sind mehrere Gedanken durch den Kopf gegangen.
Zuerst das Wichtigste:
Ich kenne beide Lebensmodelle.
Ich war verheiratet, habe im Haus gelebt (wenn auch zur Miete).
Und ich kenne das Leben als Alleinerziehende.
Gehadert habe ich allerdings nie – weil ich nicht in den Vergleich gegangen bin.
Und das ist kein Zufall.
Sobald man beginnt, sich mit anderen zu vergleichen, zieht man automatisch den Kürzeren.
Vergleichen ist nicht motivierend.
Vergleichen ist zermürbend.
Vergleichen ist – ganz nüchtern betrachtet – tödlich für die eigene Zufriedenheit.
Mir persönlich ist es ziemlich egal, wie groß die Wohnungen meiner Freundinnen sind.
Oder wie oft sie in den Urlaub fahren.
Oder ob sie 10.000 € auf dem Sparbuch haben oder 5.000 € im Minus sind.
Denn ich weiß: Diese Zahlen sagen nichts über innere Ruhe, Beziehungsglück oder Leichtigkeit aus.
Eine meiner Freundinnen – verheiratet, zwei Kinder – wohnt in der kleinsten Wohnung.
Eine andere – alleinerziehend, ebenfalls zwei Kinder – hat es geschafft, ihr eigenes Haus weiter zu finanzieren.
Verheiratet zu sein heißt also nicht automatisch, besser dazustehen.
Und Alleinerziehend zu sein heißt ganz sicher nicht, „weniger“ zu haben.
Aber – und das ist mir wichtig – ich verstehe die Frage.
Denn oft steckt dahinter etwas anderes.
Die eigentliche Frage lautet nämlich nicht:
Warum habe ich weniger?
Sondern:
Warum fühlt es sich für mich gerade so an?
Haderst du, weil du glaubst, nicht mithalten zu können?
Kommt dieses Gefühl aus dir heraus?
Oder wird es dir – bewusst oder unbewusst – gespiegelt?
Wärst du meine Freundin, würde ich dich in den Arm nehmen und dir sagen:
Mach dir nicht so viele Gedanken.
Du bist gut so, wie du bist.
Und wer sagt eigentlich, dass die verheiratete Frau im Eigenheim dich nicht manchmal beneidet?
Vielleicht um dein freies Wochenende, wenn dein Kind beim Vater ist.
Um deine Möglichkeit, wieder zu daten.
Um Schmetterlinge im Bauch.
Um Entscheidungen, die du allein triffst – ohne Absprachen, ohne Kompromisse.

Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite?
Nein.
Es sieht nur von weitem so aus.
Mach dir dein Leben so schön, wie du kannst.
Das geht auf 50 qm.
Mit Second-Hand-Möbeln.
Mit Urlaub in einer Jugendherberge.
Viel Geld zu haben bedeutet nicht automatisch, glücklicher zu sein.
Ein großes Haus mit Keller und Sauna bedeutet vor allem: Arbeit.
Putzen. Organisieren. Verantwortung.
Während andere Hecken schneiden, kannst du mit deinem Kind eine Fahrradtour machen. Oder auf dem Sofa liegen und lesen.
Und das ist kein Trostpflaster.
Das ist eine Perspektive.
Wenn du beginnst, deinen Blick zu verändern, wird es leichter.
Nicht sofort.
Aber spürbar.
Schau nicht darauf, was dir fehlt.
Schau darauf, was du bereits hast.
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Was sagst Du?
Teile deine Gedanken dazu gerne in den Kommentaren.
Ich bin mir sicher, sie ist mit diesem Gefühl nicht allein.
Alles Liebe
Denise





Genau so ist es. Niemand anderer steckt in deinen Schuhen niemand anderer geht deinen Weg . Darum sei nicht traurig oder betrübt weil du nicht hast was andere haben sondern sei stolz dass du deinen Weg gehst . Und der ist als Alleinerziehende mit Sicherheit nicht easy. Ich für mich finde es großartig wenn jemand so ein Paket geschnürt bekommt und trotzdem seinen Weg geht und der hat alles recht der Welt stolz auf sich zu sein. Denn niemand anderer steckt in deinen Schuhen…….
Und ich für mich habe entdeckt das Glück kann man nicht kaufen , ich bin mit allem glücklich was ich habe weil es ganz alleine meines ist . Es muss niemandem gefallen außer mir , weil es meins ist. Und deswegen hab ich aufgehört mitzumachen bei dem größer höher weiter Kram. Ich mache jetzt meins geh meinen Weg und stelle fest komme dadurch so viel weiter als früher.
Ich wünsche allen Alleinerziehenden Mamis da draußen ein frohes Fest und seid stolz auf euch ihr seid prima so wie ihr seid.
Moni
Unfassbar tolle Worte und alles davon stimmt. Wir Menschen vergessen das leider viel zu oft!
Wir haben nur dieses eine Leben und das ist ein Geschenk. Ich gehöre auch „noch“ zu den Menschen die auch so eine sichtweise haben und mich vergleiche, aber ichr arbeite dran.
Liebe Grüße
Oh wow, den Beitrag würd ich mir gern ausdrucken und aufhängen!! Ich wusste es bis eben nicht, aber scheinbar habe auch ich damit ein Thema. Diese ewigen Vergleiche, WhatsApp Status, Social Media tut sein Übriges dazu. Vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit, wenn man überall die selbstgebastelten Adventskalender, fancy Kekse und Wichteltüren sieht. Das hat mich dieses Jahr echt unter Druck gesetzt. Du hast sehr wohltuende Worte dafür gefunden, vielen lieben Dank dafür. Ich lese den Post direkt noch ein zweites und drittes Mal.
Liebe Grüße, Moreen
Das hast du so gut geschrieben, so auf den Punkt getroffen.Ichhab es gelesen, und immer nur gerufen,ja,ja,genau.Kenne das leider auch mit dem Vergleichen schon im Kindergarten ,die anderen Eltern ,alle studiert hatten mehr Geld.Aber egal.Und mit den Häusern sehe ich auch so.Möchte keins und bin auch nicht neidisch bei YouTube.Jenny
Ich kann alle Sichtweisen verstehen. jeder ist halt anders und jeder hat andere Sichtweisen.
Ich kenne ja den Beitrag der Leserin nun nicht…aber es muss ja nicht zwangsläufig immer so sein, dass man sich mit anderen vergleicht wenn man mit seiner Situation hadert und ich denke, davon kann sich niemand frei machen, wenn wir mal alle ganz ehrlich sind… Geld allein macht nicht glücklich, dass ist wahr. Wahr ist aber auch, dass es vieles leichter macht und einige Sorgen kleiner macht, wenn man mehr davon zur Verfügung hat. Man muss sich auch nicht zwangsläufig mit anderen vergleichen und durch den Vergleich hadern, wenn man feststellt, dass für gewisse Dinge im Monat manchmal eben kein Geld zur Verfügung steht und man auf Dinge und sei es auch „nur“ mal eben der Kaffee mit der Freundin im Café um die Ecke oder den Kinobesuch auf den man verzichten muss… denn es ist eben nicht nur der Verzicht, der ja tatsächlich gar nicht so schlimm ist, auch nicht, dass man meint, nicht gut genug zu sein oder nicht mithalten kann, nein, das ist es nicht. Man fühlt sich auch nicht weniger wert, sondern eher ausgeschlossen oder sagen wir mal „außen vor“ auch wenn es so nicht ist, wenn man soziale Aktivitäten absagt, weil schlicht das Geld nicht reicht. Das hat mit Vergleich aus meiner Sicht nichts zu tun und manchmal ist , gerade in der heutigen Zeit, selbst der Urlaub in der Jungendherberge , schlicht „nicht drin“.
In diesem Fall wurde es von außen gespiegelt und deshalb: Immer checken, mit welchen Menschen man sich umgibt!
Es ist immer wichtig, Gleichgesinnte zu finden! Menschen mit ähnlichen Werten. Menschen, die emphatisch die Situation des Gegenübers sehen und nicht mit dem dicken Urlaub prahlen, während man selber noch nicht einmal die Jugendherberge bezahlen kann.
Von daher stimme ich Dir zu! Wer weniger Geld hat, riskiert eher, soziale Isolation zu erfahren.
Dies kann ich so nur unterschreiben!
Was für ein toller Text! Danke, Denise!!!
So tiefgründig und wahr geschrieben. Und auch so passend zu meinem eigenen Thema, diese Woche. Danke dir fürs Teilen deiner Gedanken ❤️
Liebe Denise,
mich persönlich hat der Satz mit dem Vergleich angesprochen.
Da ist etwas wahres dran.
LG
Sibille
Eigentlich bin ich eher die stille Leserin, aber dieser Beitrag hat mich angesprochen. Ich denke, es ist oft zermürbend, wenn man das Gefühl hat, zu wenig Geld zu haben, seinem Kind nicht soviel bieten zu können wie andere. Und das vergleichen kann wohl niemand ganz ausschalten. Aber man kann sich natürlich immer mit denen vergleichen, die mehr haben. Oder mit denen die weniger haben. Denn auch davon gibt es viele.
Ich selber bin, bzw. war in einer ganz anderen Situation. Hausbesitzerin, verheiratet, 4 Kinder, ( inzwischen erwachsen), teilzeitarbeitend. Aber auch das hat seinen Preis. Hausbau mit viel Eigenleistung, 6 Jahre gar keinen Urlaub, dann immer nur alle 2-3 Jahre mal für 5 Tage günstigen Urlaub. Kleidung für die Kinder immer Second Hand. Da mein Mann 10 Jahre Alleinverdiener war mussten wir sparen. Mir selber hat das gar nicht so viel ausgemacht, aber dass die Kinder das Gefühl hatten, im Vergleich zu den anderen schlechter abzuschneiden, hat mit oft traurig gemacht. Gerade auch jetzt in der Weihnachtszeit. Heute sehen meine Kinder das anders, sie verstehen, dass es einfach die Situation erforderte, und dass sie trotzdem eine schöne Kindheit hatten. Und dass sie heute stärkt, nicht alles brauchen zu müssen. Ich wünsche der Leserin alles Liebe und Gute,Zuversicht, ganz viel Kraft für ihre sicher nicht leichte Aufgabe!