Ordnung

Donnerstag = OrdnungsTag

21/04/2016

Ordnungshemmer: Ehemann???

In der vergangenen Woche hatte ich einen wirklich schwierigen Ordnungs-Einsatz: eine verzweifelte Frau, am Rande ihrer Kräfte, hat mich gerufen. Das Chaos um sie herum war für mein Empfinden gar nicht sooo schlimm (ich habe schon schlimmeres gesehen), doch emotional war die Situation für meine Kundin eine Belastung. Sie wollte nun endlich etwas ändern, in der Hoffnung, auch in anderen Lebensbereichen wieder tief durchatmen zu können. Alles gut soweit – Unordnung aus der Welt zu schaffen ist für mich grundsätzlich kein Problem. Doch hin & wieder gibt es bei meinen Einsätzen ein wirklich großes Hindernis! Dieses  Hinderniss ist nicht die fehlende Motivation oder der Mangel an Bereitschaft, Dinge los zu lassen. Nein! Das größte Hindernis für viele meiner Kundinnen heißt schlicht und ergreifend: Ehemann (nachfolgend auch dann Ehemann genannt, wenn kein Trauschein vorliegt).

Dies soll kein diskriminierender Beitrag werden! Ich möchte weder auf böse Ehemänner rum hacken, noch alle Männer schlecht machen. Selbstverständlich gibt es auch genügend ordentliche Männer, doch in meinem heutigen Beitrag geht es um eben die Partner, die den Sinn und das Streben nach einer ordentlichen Umgebung nicht verstehen. Sicher gibt es auch den umgekehrten Fall, nur habe ich den bisher in meiner Praxis, noch nicht erlebt …

Doch zurück zu meiner Kundin. Sie hat sich Ordnung gewünscht, mich beauftragt und schon alles drum herum vorbereitet. Sie hat bereits vor meinem Besuch die ersten, großen Sachen bei eBay Kleinanzeigen eingestellt und einen Wagen besorgt für die sperrigen Dinge, die zur Müllkippe sollten. Der Termin wurde bewusst so von ihr gelegt, dass ihr Ehemann nicht vor Ort war, denn: ER HÄTTE UNSER HANDELN SOFORT UNTERSAGT!

VORHER

VORHER

nachher

nachher

Dass der Mann nicht begeistert sein würde habe ich vorher gewusst und hatte deswegen auch etwas Bauchschmerzen. In der Vergangenheit hatte ich schon einige solcher Einsätze und die Arbeit ist immer leicht getrübt, denn die Kundin kann am Ende noch so glücklich sein über das ordentliche Ergebnis – der anschließende Streit mit dem Ehemann kommt garantiert!

Wieso hätte der Ehemann unser Handeln untersagt?

fraeulein-ordnung-vorher

Weil er nicht hätte los lassen wollen. Er hätte nicht verstanden, dass Ordnung nicht entsteht, in dem man Dinge von A nach B schiebt. Er hätte nicht wahrhaben wollen, dass man sich auch von Dingen trennen muss, um Ordnung und Freiraum zu schaffen. Er hätte z.B. an den alten Rollwägen festgehalten, die irgendwann einmal in einem Büro gestanden haben und deren Inhalt nun viel besser und übersichtlicher woanders lagern. Er hätte nicht verstanden, dass man sich auch von den 4 Klappstühle trennen kann, die lange nicht mehr benutzt wurden und komplett zu gestaubt sind, weil genügend andere Sitzmöbel vorhanden sind. Er hätte lieber alles behalten, als sich auch nur von einem Teil zu trennen. Das Ausmaß seiner Einstellung wurde mir bei dem Anblick des Autositzes klar, den er vor einigen Jahren von seinem Vater bekommen hat. Muss mal ein teures Stück gewesen sein, doch nach 5 Jahren, verpackt in einer Tüte, im Anbau stehend, wird dieses Ding auch nicht wirklich wertvoller. (selbstvertsändlich haben wir den Autositz NICHT entsorgt! denn auch, wenn wir TABULA RASA gemacht haben: die persönlichen Dinge des Ehemannes blieben unangetastet!)

fraeulein-ordnung-nachher

Passend zu diesem Fall erreichte mich vor wenigen  Tagen dieses eMail:

Eine Frage stellt sich mir immer wieder, und Du wirst ihr bei Deinen Einsätzen wohl auch schon begegnet sein: Wie geht man mit einem Ehemann um, der a) ein Sammler erster Güte ist und der b) bei allem und jedem findet, das könne man sicher mal noch brauchen? Es macht mich wirklich wahnsinnig, obwohl ich die Regel beachte, dass ich nichts von ihm entsorge. Kaum drehe ich mich um, hat er schon irgendwo auf (!) einem Schrank wieder eine „Deponie“ angefangen. Er hat zwar ein eigenes riesige Büro und im Wohnbereich „seine“ Schränke. Aber es ist schlicht unmöglich, mit so einem Menschen Ordnung zu halten, ohne alle 2-3 Wochen auszuflippen. Hast Du einen guten Tipp für mich?

Wir sollten an dieser Stelle fest halten: Männer ist Jäger & Sammler. Frauen auch, aber Frauen sammeln meist schöne Dinge, die dann in der Wohnung auch schön aussehen. Männer hingegen sammeln lieber Dinge, die nicht so dekorativ sind: Werkzeug, Werkzeugkoffer, Autozeitschriften, Werkzeug, Snowboards, Schallplatten, Fußmatten für das Auto, Werkzeug, und all‘ so ein Kram, der im Auge des weiblichen Betrachters einfach störend ist. Nicht alle Männer sind so, bitte nicht falsch verstehen! Doch es kommt halt oft vor …

Mein Tipp? Sprich mit Deinem Mann! Erkläre ihm, was Dich so unglücklich macht und was Du Dir wünscht. Sei nicht traurig, wenn es nach dem ersten Gespräch nicht fruchtet. Mein Mann sagt immer: „Wenn ich Dir sage, dass ich es mache, dann mache ich es auch. Du musst mich nicht alle 6 Monate daran erinnern …“ – das ist ein kleiner Insider bei uns, denn ihm ist selber klar: MÄNNER BRAUCHEN MANCHMAL ETWAS LÄNGER!!! Sie können nichts dafür, das ist eben so ….

Wie ich das mit meinem Mann gelöst habe? Ich habe ihn bzw. seinen Krempel in die Garage verbannt! Die Garage ist sein Bereich und wenn es dort aussieht wie Sau, dann ist das nicht mein Problem! Da darf er machen, was er will. Doch im Haus gelten strenge Regeln, nicht nur für die Kinder! (hier wird aber zum Glück schon lange nichts überflüssiges mehr angeschleppt … jahrelanges Trainig …)

Problematisch war es eine Zeitlang mit den vielen Zeitschriften meines Mannes, Thema: Camping & Oldtimer. Auch ich liebe Zeitschriften, doch im Gegensatz zu meinem Mann blättere ich in meinen alten Exemplaren, regelmäßig! Er schien seine einfach nur zu horten. Irgendwann hat er sich ergeben und einen großen Stapel davon in die Altpapiertonne geworfen. Kurz glaubte er noch, er könne sie bei eBay verkaufen, doch dann habe ich ihn über den Besitztumseffekt aufgeklärt.

Wenn es Dir also wichtig ist, dann such das Gespräch! Gebe deutlich zu verstehen, was Du Dir wünscht und warum Du mit der aktuellen Situation nicht zufrieden bist. Erwarte nicht, dass sich Dein Partner von heute auf morgen ändert, aber lobe ihn, wenn sich was etwas verändert. Und das Wichtigste: sei ein gutes Vorbild! Oft erwarten Menschen von ihrem Partner Dinge, die sie selber nicht erfüllen!

In diesem Sinne, ordentliche Grüße

Denise

 

  • Fee von fairy likes... 21/04/2016 at 6:47

    Oha, da bin ich froh, dass mein Mann nicht ganz so schlimm ist. Wobei er auch gerne sammelt. Nur was tut man, wenn man nach einem Todesfall der letzte Verwandte ist und ein Haus mit Millionen Erinnerungen geerbt hat? Aktuell kommen täglich neue Dinge in unserem Keller an und es ist so schwer – denn hier geht es m.E. eigentlich ja nicht um das Loslassen von Dingen. Meine Strategie ist nun, etwas Zeit zu geben – letztlich gibt es schlimmeres als einen vollen Keller. Liebe Grüße, Fee

  • Meike 21/04/2016 at 7:17

    ich hab deinen Artikel – wie immer – mit viel Freude gelesen 🙂 aber beim Lesen hab ich mich gefragt wie deine Kundin mit meinem Vater verheiratet sein kann ???
    Ohne Witz….ich hab ihn in deiner Beschreibung genau wiedererkannt.
    Leider hilft das Gespräch immer nur temporär, denn nach kurzer Zeit beginnt er wieder mit dem Anlegen der ein oder anderen „Deponie“…. mit meiner Mum möchte ich wirklich nicht tauschen.
    Ich habe zum Glück ein anderes Exemplar von Mann.
    Hab noch einen schönen Donnerstag 🙂 ich freue mich auf deinen nächsten Beitrag.
    Liebe Grüße
    Meike

  • Saphira 21/04/2016 at 7:25

    Guten Morgen, oh wie witzig – heute sind meine beiden Lieblingswohn- und Ordnungsblogs direkt hintereinander in meinem Reader aufgepoppt und schwupps habt ihr beide heute „Männertag“ Wahrscheinlich kennt ihr Euch schon laaang, falls nicht, ist es heut diieeee Gelegenheit Euch vorzustellen – Bitte schön: http://blog.raumseele.de/maennermoebel-frauenmoebel/

  • Nicole 21/04/2016 at 7:49

    Oh, ha, das kenne ich. Fand ich doch just nach einer großen Aufräumaktion Dinge in meinem Schrank, die ich Tage zuvor in unserem großen, grauen Behälter im Hof entsorgt hatte 🙂
    Ich fühle mich immer gleich ein wenig besser, wenn ich bemerke, dass ich mit solchen „Problemchen“ nicht alleine bin auf der Welt.
    Toller Beitrag!

  • martina goernemann 21/04/2016 at 8:19

    Hahaha, wertes Fräulein Ordnung. Ich weiss ja, dass wir in vielen Dingen gleich denken, aber soviel unabgesprochene Übereinstimmung ist schon der Hammer … und unterstreicht aufs wunderbarste, warum du meine allerliebste Lieblingsbrieffreundin bist. Gleich in der Früh schrieb mir Saphira, die ich hier in den Kommentaren auch entdeckt habe, dass es heute sowohl hiern deinem Blog als auch bei uns Raumseelen um Männer und Wohnen geht. Und weißt du was der Oberhammer ist? Wir kommen beide zum gleichen Ergebnis: Redet miteinander, liebe Leute! Ach, Du Seelenverwandte, ich wünsche dir einen grandiosen Tag und allen deinen lieben Ordnungsliebenden auch! Herzlich!! Martina

  • Ursula 21/04/2016 at 10:15

    Mit viel Geduld ist mein Partner zum Glück inzwischen so weit, dass er selber erkennt, dass Loslassen besser ist. Nun muss er vier zugemüllte Kellerräume bei seiner Ex mitentrümpeln, weil das Haus gekündigt wurde, und wir sind beide einfach nur froh, dass wir bereits „weiter“ sind in unserem Haushalt und keine Berge von Gerümpel mehr anhäufen…

    Also, immer schön Vorbild sein und mit viel Geduld weiterentrümpeln. Irgendwann steckt es dann doch an.. 🙂

  • Ulla 21/04/2016 at 11:20

    In der Familie meines Freundes gibt es einen Onkel der messi-hafte Züge hat. Er ist in der Zwischenzeit im Altersheim aber auch da geht das ganze Weiter. Einmal im Monat muss dort das Zimmer ausgeräumt werden. Und der alte Bauernhof des Onkels muss extrem entrümpelt werden. Und bei uns gibt es einen Running Gag, immer wenn jemand etwas aufheben möchte, dann fällt einfach nur das Wort „Onkel Richard“ – und schwupps ist der Gegenstand im Müll.

  • Rühr-Werkerin 21/04/2016 at 11:34

    Liebe Denise, es tut gut zu wissen, dass ich nicht allein bin und noch andere mit „Sammlern und Hortern“ verheiratet sind 🙂 Und beim Dachboden-Projekt werde ich meinem werten Ehemann wohl auch den Besitztumseffekt erklären. – Ja, er hat auch Dinge die wirklich wertvoll sind, aber dazu gehören nicht die geerbten 10 Jahrgänge Modelleisenbahn-Monatsausgabe. – Vielen Dank für die Motivation, ich arbeite also weiter dran.
    Liebe Grüsse, Karin

  • *thea 21/04/2016 at 14:32

    hmmm ich glaube bei uns ist es eher umgekehrt…ich kann zwar schon loslassen und Autositze sammle ich auch nicht – aber die Chaos-Kisten sind schon eher meine 😀 Auch dass meine Klamotten in Wäschekörben verteilt rumstehen und sie einfach nicht den Weg in meinen Schrank finden und der Freund schon längst seine Hemden penibel gebügelt und aufgehängt hat spricht für sich… 😉 Aber Selbsterkenntnis ist erste Weg zur Besserung und daher lese ich ja auch deinen Blog, hehe 😀

  • Nadine 21/04/2016 at 15:21

    Ein suuuper Artikel, ich habe heute mehrfach sehr gelacht! 😀
    …auch ich gestehe meinem Mann mittlerweile (weil es sonst einfach gar nichts bringen würde) gewisse Rumpel-Ecken zu. 😉
    Leider befinden sich diese mangels Garage und getrennten Arbeitszimmern auch in meiner Sichtweite, aber damit muss ich wohl leben.
    Schlimm wird’s immer dann, wenn sich die „Häufchenbildung“ auf die übrigen Zimmer ausweitet… dann schreite ich meist wortlos ein und räume die Sachen, die mich stören in seine Rumpelecken… dort findet er sie meistens wieder und wird auch (meist) nicht böse. 😉
    Kürzlich habe ich sogar die Erlaubnis zum alleinigen Kellerausmisten erhalten, obwohl da seine Schätze lagern (Werkzeuge, Elektronikverpackungen, Werkzeuge, Kabel, alte Elektroartikel, Werkzeuge… du kennst das sicher 😉 ). 🙂

  • Ilka 22/04/2016 at 7:15

    Mein Mann und ich sind beide ungefähr gleich, was Verkramung angeht. Und ich würde nie etwas wegwerfen, was seins ist. Aber ich darf sagen, dass der Zeitungsstapel durchgesehen werden muss oder dass wir mal wieder im Keller durchräumen müssten. Hat für mich was mit Respekt zu tun.
    Viele Grüße
    Ilka

  • Sonja 22/04/2016 at 8:38

    „Sicher gibt es auch den umgekehrten Fall, nur habe ich den bisher in meiner Praxis, noch nicht erlebt …“
    Liebe Denise, davon bin ich fest überzeugt. Bei Frauen ist es wohl eher der „Nestbautrieb“, der Wunsch ein behagliches Nest zu schaffen. Hüstl,… davon nehme ich mich nicht aus. Ich bin auch gerade bei einem längerfristig ausgelegten Umräum-/ Aufräumprojekt. LG Sonja

  • Susanne vom kleinen großen Glück 22/04/2016 at 9:43

    Liebe Denise,
    das ist ein spannendes Thema! Mein Mann lässt mich da zum Glück einfach machen. Bei seinen Sachen oder denen der Kindern würde ich jedoch niemals ungefragt etwas aussortieren. Schließlich würde ich das auch nicht wollen.
    Ich lese deinen Blog sehr gerne, am liebsten jedoch am Ordnungstag! 😉
    Lieben Gruß,
    Susanne

  • Antje 22/04/2016 at 16:48

    Liebe Denise,
    leider bin ich bei uns der Sammler und kann mich schwer von Dingen trennen. Deshalb habe ich mich für Deinen Blog entschieden, wie Du das alles in den Griff bekommst, möchte ich gern einmal nachlesen. Die Wohnung ist immer tip top (meistens), aber das Entsorgen von einigen Sachen bereitet mir doch Schwierigkeiten, zumal wir jetzt in unserem Haus Platz haben.
    Liebe Grüße,
    Antje

  • Tina *KreAktivcafe* 22/04/2016 at 17:26

    😀 😀 😀

    ooooh ja, das ist manchmal nicht soooo einfach – hier steht (seit jahren) eine kiste mit den gesammelten werken des gatten und er soll sich endlich trennen. tja, dumm nur dass er „werte“ haben möchte, die nie und nimmer zu erreichen sind…. grmpf!

    naja, er hat jetzt ein ultimatum und danach kümmer ich mich. er weiß das und nimmt die konsequenz wie es kommt 😉

    liebe grüße und weiterhin viel spaß beim ordnen!
    tina

    p.s. hier will nicht jemand zufällig ´ne kiste voller trucks???? *grins*

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