Ordnung

Für ein bisschen mehr Vorurteilsbewusstsein

09/03/2020

Jeder Mensch sollte sich selber die Erlaubnis geben dürfen,

sich von Dingen zu trennen,

die ihn nicht mehr glücklich machen.

 

Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Geschichte. Es hat immer einen Grund, weshalb man nicht mehr Herr über sein Chaos wird oder warum man sich von Möbelstücken trennt, die vielleicht schon viele Jahre zur Familie gehören.

Niemals sollte jemand über Entscheidungen eines anderen urteilen. Und doch tun es die Menschen – ohne wirklich drüber nachzudenken.

Wenn es wenigstens in den Köpfen der Menschen bleiben würde, dann wäre dem nichts entgegenzusetzen. Jeder darf seine ganz persönliche Meinung haben. Doch leider müssen immer wieder Menschen lauthals urteilen und abwerten, ohne die Hintergründe wirklich zu kennen. Wie unglaublich traurig.

 

Für ein bisschen mehr Vorurteilsbewusstsein

Im vergangenen Jahr habe ich den Beitrag Wie konnte es nur dazu kommen? geschrieben, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir alle ein bisschen sensibler mit unseren Mitmenschen umgehen sollten. Vorurteilsbewusstsein war mein Lieblingswort in dem Beitrag!

Bezüglich des Beitrags, der heute Abend um 21 Uhr im SWR laufen wird, war ich erstaunt, wie viele  Menschen schon vorab (aufgrund eines 5-Minütigen-Mini-Films) in den Kommentaren mit Unverständnis reagiert haben, weil die alleinerziehende Melanie sich von dem großen Schrank ihrer Uroma getrennt hat.

Es ist doch ganz einfach:

Wenn Dich etwas belastet, dann solltest Du einen Weg finden, damit es Dir besser geht.

Auch wenn es der Schrank Deiner Uroma ist, bei dem Du merkst, dass er Deinen Energiefluss blockiert, kannst Du einen Weg finden!

Was für ein Glück, dass der Bruder den Schrank genommen hat. Somit bleibt er in der Familie.

Aber was für ein großer Schmarren zu behaupten, dass man sich von so etwas nicht trennen dürfte, könnte, sollte.

Wo steht das geschrieben?

Wer hat diese Regel festgelegt?

Niemand!

Würden wir auf jedes „Das kannst Du doch nicht weggeben!“ hören, dann hätten wir noch viel mehr, als wir ohnehin schon haben.

Jedes „Das kannst Du noch nicht machen!“ ist eine versteckte Kritik, die in solchen Fällen nicht zielführend ist.

Wie schön wäre es, wenn es ein bisschen mehr Vorurteilsbewusstsein geben würde.

Vorurteilsbewusstsein

Ordnungscoach

Das ist auch das Geheimnis von einem Ordnungscoach: er urteilt nicht, er unterstützt! Er fragt nach und handelt lösungsorientiert – immer im Sinne der Kunden. Deshalb ist die Arbeit mit einem Ordnungscoach auch so viel effektiver, als wenn man Freunde oder Familie um Hilfe bittet. Genau diese Menschen meinen es oft gut, verhindern aber, dass man das mit dem Loslassen auch wirklich durchzieht. Häufig gibt es dann leise Zweifel und mit jedem „Bist Du Dir sicher, dass Du das nicht mehr brauchst?“ sinkt der Wille, etwas zu verändern.

Jeder einzelne Mensch, der sich professionelle Hilfe holt, kann unendlich stolz auf sich sein! Damit beweist er, wie wichtig er sich selber ist.

Deshalb, an dieser Stelle und für jeden von uns:

 

Jeder Mensch sollte sich selber die Erlaubnis geben dürfen,

sich von Dingen zu trennen,

die ihn nicht mehr glücklich machen.

 

Noch ein Hinweis: Jeder, der sich darüber lustig macht, dass Menschen überhaupt Hilfe von einem Ordnungscoach brauchen: Glückwunsch! Wie schön, dass ausgerechnet Du scheinbar perfekt bist!

Ich brauche zum Beispiel keinen Ernährungscoach, weil ich selber ganz viel Wissen über gesunde Ernährung habe. Doch niemals würde ich hingehen, und mich über die Menschen stellen, die ein großes Problem mit ihrem Gewicht haben. Ich kenne so viele Menschen, die Gewicht reduzieren möchten und sich im Kreis drehen. Niemals würde ich über sie lachen  oder sagen: „Oh Mann, so schwer kann das doch nicht sein …“.

Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Geschichte!

Es hat immer einen Grund, weshalb man nicht mehr Herr über sein Chaos wird oder warum man sich von Möbelstücken trennt, die vielleicht schon viele Jahre zur Familie gehören. Think about it!

 

Ordentliche Grüße

Denise

 

 

 

 

22 Kommentare

  • Antworten Katrin 09/03/2020 at 12:21

    Hallo Denise,

    ich stimme Dir vollumfänglich zu. Erinnere mich daran, als ich als Kind endlich (von meinen Eltern langersehnt) ausgemistet habe. Meine Mutter schaute in den riesigen Karton und mit den Worten „Was, DAS willst du weggeben?“ nahm sie die Hälfte heraus. Mein Erfolgserlebnis war dadurch minimiert. Leider. Und an ein zweites Erlebnis erinnert es mich auch: ungerne ging ich zum Friseur. Als ich mich nach Jahren endlich wieder zu einem Haarschnitt im örtlichen Laden entschloss, weigerte sich die Friseurin fast mir 40 cm Haare abzuschneiden. Sie meinte, Spitzen schneiden sei ausreichend. Darum aber ging es nicht. Es ging um meine Veränderung, mein Weiterkommen. Deshalb Danke, dass Du sie im Weggeben des Schrankes unterstützt hast.

    Herzliche Grüße
    Katrin

    • Antworten fräulein | ordnung 09/03/2020 at 12:30

      Danke für Deinen wertvollen Kommentar, liebe Katrin!

    • Antworten Ariane 09/03/2020 at 21:48

      Genau mein Thema! 😃
      Warum muss man irgendwas in Ehren halten, nur weil es schon der Uroma gehört hat? Vielleicht fand die damals die Kaminuhr gar nicht schön und hat sie nur höflichheitshalber aufgestellt, weil sie die von Tante Erika zur Hochzeit bekommen hat und wenn sie wüsste, dass die Urenkel sich immer noch damit rumärgern müssen…
      Nur weil ein Gegenstand alt ist, muss man ihn nicht in Ehren halten.

  • Antworten Lili 09/03/2020 at 12:44

    Danke für diesen wertvollen Beitrag, liebe Denise, und die gute Ergänzung von Katrin. Wir alle treffen Entscheidungen, müssen Entscheidungen treffen und es gilt, diese Entscheidungen zu respektieren und dem Menschen den Rücken zu stärken.

    Danke Euch Beiden,
    Lili

  • Antworten Nessie 09/03/2020 at 13:51

    Ich finde es extrem grenzueberschreitend, jemandem zu sagen, dass er dies oder jedes nicht weggeben darf oder weggeben muss. Sehr haeufig sind es aber genau die Personen, die ja ach so perfekt sind, dass sie sich diese Art Einmischung verbitten wuerden. Mein Haus ist kein Chaos, ich bin relativ ordentlich, aber alles, was bei uns „zuviel“ ist, ist irgendwie „Emotionskram“ oder mit Schuldgefuehlen belastet, wuerde ich mich davon trennen, da ich es von so und so bekommen habe. Ich bn aber wild entschlossen, Raum fuer Raum durchzugehen, und diese Dinge auf „Bleibtauglichkeit“ zu ueberpruefen. Und an Katrin gerichtet: Ich hatte vor ueber 15 Jahren dasselbe Erlebnis. Aus verschiedenen Gruenden wollte ich mich von meiner Matte, die bis Rueckenmitte lang war trennen und mir endlich wieder einen Pony schneiden lassen. Ich war bei einem italienischen Friseur, der die Haende ueberm Kopf zusammenschlug und sagte, dass das auf keinen Fall ginge. Blonde, dicke lange Haare, so etwas wuerde er doch nicht abschneiden. Ich ging dann mit gekuerzten Spitzen heim. ein paar Wochen spaeter habe ich mir selbst einen Pony geschnitten, bin wieder hingeangen und er musste das dann wohl oder uebel vernuenftig in den Haarschnitt integrieren, weigerte sich aber immer noch beharrlich, meine Haare zu kuerzen. Ich habe dann den Friseur gewchselt und die Haare auf knapp Schulterlaenge schneiden lassen. So eine Erleichterung! Heute wuerde ich mir das nicht mehr bieten lassen, ich bin schliesslich die zahlende Kundin. Aber man wird im Alltag immer wieder mit Menschen konfrontiert, die wissen, was gut fuer jemand anderen ist. Prima, wenn man dann jemanden hat, der einem zur Seite steht, egal ob man ihn dafuer bezahlen muss oder nicht!
    Ich fand den Schrank z.B. grottenhaesslich, das liegt aber daran, dass ich solche Moebel eh nicht mag. Aber ich denke, dass es dieser Melanie nicht um das AUssehen dieses Schrankes ging. Da steckten halt neben all dem anderen Kram hauptsaechlich Emotionen drin – und die muessen halt auch erst aussortiert werden! Gut gemacht!

  • Antworten Glückskind Petra 09/03/2020 at 13:54

    Liebe Denise,
    das ist ein sehr schöner Text und in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Wir Menschen sollten wirklich toleranter mit unseren Mitmenschen umgehen. Es ist immer leicht aus der Entfernung Leute zu verurteilen, für Dinge, die man selbst vielleicht anders macht…
    Ich bin sehr gespannt auf die Sendung.
    Sonnige Grüße
    „Glückskind Petra“

  • Antworten Conni Cordes 09/03/2020 at 14:17

    Du hast absolut Recht!!!
    LG Conni

  • Antworten Britta Blank 09/03/2020 at 14:22

    Es gibt für alles eine Zeit! Wann und wo und wie kann man nur für sich selbst entscheiden!
    Danke für die interessanten Artikel!
    Liebe Grüße Britta

  • Antworten Iris 09/03/2020 at 14:29

    Hallo Denise!
    Wieder mal sprichst du mir aus der Seele!
    Als Familienberaterin versuche ich auch immer wieder den Klient*innen deutlich zu machen, dass sie sich nicht von anderen verunsichern lassen sollten. Es ist ein unglaublich mutiger Schritt, sich Unterstützung zu holen!
    Ich freue mich auf die Ausstrahlung!

    Liebe Grüsse, Iris

  • Antworten Petra von FrauGenial 09/03/2020 at 15:21

    Besser hätte man es nicht sagen können. Ich handel meistens auch nach dem Prinzip helfen statt urteilen. Geschweige kämen Fragen gar nicht auf, im Hinblick auf, warum ist das jetzt passiert. Passiert ist halt passiert

  • Antworten Susanne 09/03/2020 at 16:12

    Danke für diesen Beitrag. Ich erlebe Vorurteile in meinem Beruf immer wieder und da geht es dann um das angesprochene Übergewicht. Das hat meist eine Geschichte, die kein anderer Mensch erleben möchte.
    Bei allem gilt der Spruch: “ Du kannst meine Reise erst verstehen, wenn du in meinen Schuhen gelaufen bist“

  • Antworten Kathrin 09/03/2020 at 16:25

    Hey 🙂 Direkt dazu – habe den Beitrag gesehen und fand es einfach nur sehr, sehr stark, dass der Schrank dann wegkonnte. Was eine Erleichterung das gewesen sein muss und ganz bestimmt immer noch ist!! Toll, dass er in der Familie bleiben konnte – verstanden hätte ich auch, wenn sogar das nicht sein sollte, also wenn weg, dann richtig.
    Liebe Grüße 🙂

  • Antworten Stephanie 09/03/2020 at 18:31

    Liebe Denise,
    wie wahr und so schön von dir geschrieben.
    Wenn jeder, der urteilt, stattdessen unterstützt und hilft, dann wäre unsere Welt wieder ein Stück besser.
    Wir Menschen müssen halt noch viel lernen, besonders an Toleranz und Nächstenliebe.
    Danke für deine schönen Berichte.
    Liebe Grüße

  • Antworten Pia Kretzer 09/03/2020 at 20:32

    Hallo Denise, ich verfolge schon länger deinen Blog und bin immer wieder von deinen Themen begeistert. Für mich immer wieder eine Inspiration. Ich habe die Sendung auch bereits in der Mediathek angeschaut. Veränderung ist immer schwer, deshalb
    finde ich die Aufräumaktion von Melanie sehr mutig und konsequent. Sich von Altlasten zu befreien tut immer gut.
    Nur nicht irremachen lassen!!!!!!!
    Liebe Grüße Pia

  • Antworten Iris Klinger 09/03/2020 at 21:04

    Hallo Denise,

    danke für diesen treffenden Beitrag. Ich hab die Sendung bereits in der Mediathek geschaut, richtig toll. Ich denke auch dass es wirklich hilfreich sein kann sich professionelle Hilfe zu holen.
    Das Ergebniss konnte sich doch echt sehen lassen wenn’s auch bei der WG noch ausbaufähig ist. Aber da hat galt jeder seine Sichtweise.
    Grüßle Iris

  • Antworten Aus Bremen 09/03/2020 at 21:10

    Hallo Denise!
    Ich habe den Beitrag gerne angeguckt, deine Rolle finde ich schwierig. Mir macht Ordnung nicht zu schaffen, trotzdem merke ich immer wieder, dass ich meine Eltern im Nacken habe. Sie sind 44 und 47 geboren und ge ade meine Mutter steht sehr auf dem Standpunkt bloß nichts aussortieren.
    Somit habe ich mit 48 Jahren teilweise noch mein Kinderspielzeug 😗 peinlich, aber wahr. Dein Beitrag hat mich nun auch zu dem Entschluss kommen lassen, einen Schubladenschrank, den ich vor 25 Jahren von meinem verstorbenen Nachbarn geerbt habe, endlich gehen zu lassen. Ich kann das selber nicht erklären, wie so etwas passiert.

    Grundsätzlich würde mich aber noch interessieren, ob das nicht weggeben können, auch ein Generationsproblem ist. Meine Mutter spricht immer schlecht von anderen Leuten:
    Die ist so dick geworden.
    Die hatte so eine hässliche Bluse an, Orginalkommentar über die Witwe bei der Beerdigung ihrer Mannes.
    Also, das Wohnzimmer sah da aus, dass glaubst du nicht.
    Mich zieht das runter und ich glaube meiner Mutter geht es mit so einer Denke auch nicht gut.
    Das blöde ist bloß, meine Mutter hat auch immer Recht hat und perfekt ist, genau wie du schreibst…
    Nennt man so etwas dann Altersstarrsinn?
    Bitte weiter so👍

    • Antworten Eva 12/03/2020 at 12:23

      Oh ja, das kenne ich auch… meine Eltern sind Jg. 51. Mein Vater hortet einfach Alles. Mir graut jetzt schon davor, wenn wir mal irgendwann in hoffentlich ferner Zukunft das Haus ausräumen müssen…
      Meine Mutter „lästert“ auch über alle möglichen Leute, und dann in diesem lauten Flüstern, dass sie das mitbekommen MÜSSEN. Aber sie meint nicht. Das nervt total und mittlerweile kriegt sie auch direkt einen Konter wenn sie mit sowas anfängt. Toleranz ist für sie manchmal echt ein Fremdwort…

  • Antworten Rike 10/03/2020 at 8:13

    Hach, Fräulein Ordnung im Fernsehen – ich bin begeistert! 🤩👍
    Nachdem ich leider „Das perfekte Dinner“ mit dir als meine Lieblingsbloggerin verpasst habe, habe ich mich gestern um so mehr gefreut, dich in Aktion zu sehen. 😊 Was für eine tolle Sendung – richtig aus dem Leben gegriffen.
    Hast du Autogrammkarten? Ich würde eine nehmen! 🤗
    Liebe Grüße und viel Erfolg weiterhin!

  • Antworten Birgit 10/03/2020 at 8:41

    Guten Morgen Denise,

    Danke für deinen Beitrag!
    Im Fernsehbeitrag hat mich der Weg von Melanie berührt.
    Es wurde toll eingefangen, dass Melanie eine Initialzündung brauchte, um Ballast loszulassen und du durftest sie anstupsen. Es war ihr innigster Wunsch, Ordnung in ihre Wohnung und dadurch auch eine Klarheit in ihr Leben zu bringen, und der SWR hat diese Botschaft gut transportiert, wie ich finde. Melanie wirkte am Ende viel leichter, weil sie es geschafft hatte, sich von Last zu befreien. Toll! Die Hauptsache ist doch, dass es ihr damit jetzt gut geht!

  • Antworten Sabine Reuss 11/03/2020 at 9:12

    So ist es, Denise. Ich würde das sogar noch um „Menschen“ erweitern.
    Danke für den Post.

  • Antworten Gudrun Lochte 11/03/2020 at 9:47

    Liebe Denise,

    was für ein wunderbarer Artikel. Auch ich bin gerade dabei mich von einer alten Standuhr, Wandspiegel, Stühlen und Gläsern zu trennen, die einmal meinen Großeltern gehört haben. Ich bin 65, dann weisst du, wie alt diese Dinge sind. Die Uhr habe ich geliebt früher mit ihrem Schlag von Westminster. Aber die Möbel sind braun und ich habe das Gefühl, sie erdrücken mich. Das bin ich alles nicht mehr und es passt zu mir nicht mehr. Also werde ich loslassen. Es kommt mir auch gar nicht darauf an, noch viel Geld dafür zu bekommen.

    Menschen, die sich ein Urteil über andere erlauben, ohne sie überhaupt zu kennen, waren mir schon immer ein greul.

    Viele Grüße
    Gudrun

  • Antworten Anita 11/03/2020 at 12:55

    Danke Denise, für deine klaren Worte.
    Ich stimme dir absolut zu!
    Liebe Grüße
    Anita

  • Antworten

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