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Gastbeitrag | Im Land des Rotweins und der Baguettes 

23/10/2022

Gastbeitrag von Martina

A Fontainebleau, à Fontainebleau, il y a la forêt et le château

Das ist die Anfangszeile von dem Lied, welches wir in der Schule gesungen haben. Es heißt so viel wie, dass es in Fontainebleau (eine Stadt bei Paris) einen Wald und ein Schloss gibt. Ein Jahr lang hatte ich Französischunterricht. Es gehörte nicht zu meinen bevorzugten Fächern, da ich unsere Lehrerin furchtbar fand und ich dadurch Frankreich nicht sehr ansprechend fand. Es fiel mir zwar leicht, doch ich hatte kein Interesse daran. Als Kind war ich nie in Frankreich im Urlaub und ich hatte auch keine Brieffreundin. Doch trotz allem ist dieses Lied über all die Jahre hängen geblieben. Ich hätte niemals gedacht, dass ich ca. 15 Jahre später mit einem Franzosen verheiratet wäre, zwei Kinder habe, welche besser französisch als Deutsch sprechen und Artischocken gar nicht so schlecht schmecken.

Im Land des Rotweins und der Baguettes

Es fing alles im Herbst 2010 an, als ich meinen Mann kennenlernte. Nach ca. 1 Jahr Beziehung reifte der Gedanke, nach Frankreich zu gehen. Zu dieser Zeit konnte hatte ich nur Grundkenntnisse der Sprache und kannte niemanden persönlich im Land des Rotweins und der Baguettes. Mein Mann hatte Bedenken, ich überhaupt nicht. Von Natur aus Optimist sagte ich, und wenn es nicht klappt können wir wieder nach Deutschland. Gesagt, getan. Im Sommer 2012 ging es dann mit Sack und Katze nach Toulouse (Süd-West Frankreich).

Toulouse wird auch die „rosa“ Stadt genannt, da im Zentrum viele Häuser mit Backstein verklinkert sind. Wunderschön. Ich liebe die dortige Art zu leben, besonders die Gastfreundschaft. Vor dem Mittagessen trinkt man einen Aperitif und das Essen, welches mit mehreren Gängen im Fokus liegt. Ich wurde überall herzlich und offen aufgenommen. Auch wenn mir manchmal das „Bisous“ (der Begrüßungskuss) etwas zu aufdringlich war.

Jedoch war nicht alles durch die rosa Brille zu sehen. Papiere, Sprachdifferenzen und Einsamkeit ohne Freund und Familie machten es mir nicht immer leicht. Ich besuchte einen Kurs, um die Sprache besser sprechen zu können und schloss so auch erste Freundschaften. Als gelernte Hotelfachfrau war es trotzdem sehr schwierig Arbeit zu finden.

Si vous ne parlez pas français, il n’y a aucune possibilité.

Auch hier verlor ich nicht den Mut und hatte mehrere kleine Jobs, von Frühstücksdame über Haushaltshilfe. Im Sommer 2016 und Herbst 2018 kamen unsere Kinder zur Welt. Ich bin eher zurückhaltend. Doch mit meinen Kindern wuchs auch mein Selbstvertrauen. Mit zwei kleinen Kindern alleine, einen mehrstündigen Busausflug zu unternehmen, kein Problem. Mein Alltagsleben ging von den anfänglichen Barrieren in eine flüssige Routine über. Frankreich ist nun auch meine Heimat.

Meine Intention ist auf jeden Fall, dass man mehr wagen sollte im Leben und sich auch mal auf das Gefühl zu verlassen. Es ist immer einfach zusagen, ich kann das nicht, nein lieber nicht, ich habe lieber meine Routine. Doch was wäre, wenn wir einen Schritt weiter gehen? Uns auf etwas Neues einlassen? Wir können über uns hinauswachsen und Dinge tun und ausprobieren, welche wir uns niemals zu träumen geglaubt hätten.

Alles ist möglich!

Die Kinder und ich kamen ohne meinen Mann zurück nach Deutschland. Unsere Tochter wurde dieses Jahr eingeschult und wir wollten ihr ein Jahr zum Ankommen lassen. Sie kennt die deutsche Sprache von Geburt an, da ich mit ihr Deutsch gesprochen habe. Geantwortet hat sie jedoch immer auf Französisch. Die Kinder lernen das jedoch so schnell. Nach ca. drei Monaten sprach sie schon ihrem Alter entsprechend. Natürlich mit einem kleinen Akzent. Doch das macht doch auch einen gewissen Charme, oder? Das Jahr ohne den Papa war sehr hart für uns alle. Entscheidungen vor Ort alleine treffen, keine Schulter zum Anlehnen. Ich habe aber auch eine Kraft und Energie in mir gespürt.

Ich kann das!

Ich bin gut genug!

Ich schaffe das!

Alles Glaubenssätze, die mich wachsen ließen.

Seit wir wieder zusammen sind, weiß ich erst zu schätzen, was ich doch für ein schönes Leben habe.

Auch wenn manchmal Situationen kommen, auf die wir nicht gefasst sind oder die uns aus der Bahn werfen. Selbst komplexe Probleme, welche eine große Herausforderung darstellen, meistern wir mittlerweile ohne Probleme. Durch das objektive vor Augen halten, was man schon alles geschafft hat, fällt es einem leicht Lösungen zu finden.

Nun sind wir wieder in Deutschland zurück. Mit 1000 schönen Erinnerungen im Herzen und zwei tollen Kindern an der Hand.

Fontainebleau

 

Vielen Dank für Deinen Gastbeitrag, liebe Martina.

Ihr findet sie bei Instagram unter dem Namen martina31200

 

  • B. Cottin 10/11/2022 at 15:28

    Danke für diesen Beitrag!
    Ich finde, in Frankreich kann man mit Kindern bzw. in Begleitung von Kindern viel mehr machen und besser Kontakte knüpfen als einfach so unetr Erwachsenen. Vertrauen wächst schneller.