Lifestyle

Momentaufnahme mit zwei kleinen Kindern

12/07/2020

Gespräch mit einer Mutter von zwei kleinen Kindern

Mich haben Geschichten anderer Menschen schon immer interessiert. Die echten Geschichten von Angesicht zu Angesicht erzählt. Ich will wissen, wie es den Menschen geht, was sie gerade fühlen. Welche Ängste sie haben, aber auch, welche Hoffnungen sie antreiben. So ist meine Idee zu „Momentaufnahme“entstanden und seit dem Skype ich mit den verschiedensten Menschen.

Hanna ist 28 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern im Münsterland. Sie ist, Anwendungsentwicklerin – das professionelle Wort für Programmiererin. Sie erzählt uns von ihrem aktuellen Leben mit zwei kleinen Kindern.

mit zwei kleinen Kindern

Liebe Hanna, wie geht es Dir gerade?

Mittlerweile wieder einigermaßen gut. Ich bin derzeit mit unserem dritten Kind schwanger. Natürlich ein perfektes Corona Baby. Mittlerweile sind meine Schwangerschaftsbeschwerden – die dieses mal im Vergleich zu meinen anderen beiden Schwangerschaften wesentlich heftiger waren – im Griff und ich kann gefühlt wieder am (Familien-)Leben teilnehmen. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich die letzten Wochen krank geschrieben war und auch immer noch bin. Ohne die Krankschreibung, wäre ich wohl im Sumpf der nicht existierenden Kinderbetreuung, meiner Arbeit und meinen physischen und psychischen Beschwerden ertrunken!

Wie sieht Dein Alltag im Moment aus?

Theoretisch arbeiten mein Mann und ich beide 100 % unserer Arbeitszeit im Home Office. Das ist schon vor den ganzen Schließungen etc. von unserem Arbeitgeber so beschlossen worden. Vor meiner Krankschreibung bestand unser Alltag darin unsere zusammengenommen ca. 16 Arbeitsstunden am Tag in ein uns zulässiges Arbeitszeitfenster von 19 Stunden zu quetschen. Dazu kam die Kinderbetreuung. Hört sich jetzt leichter an als gesagt. Wir haben eine Art Schichtmodell geführt, was mit den Arbeitsgesetzen und Ruhezeiten aber schwer umzusetzen war. Dazu kommt einfach, dass die Abstimmung mit Kollegen nicht so möglich war, weil ja immer einer bei den Kindern sein musste und die meisten Kollegen nun mal zu „normalen“ Uhrzeiten arbeiten. Wir haben uns die ersten Wochen aufgerieben. Alle waren schlecht drauf. Dazu kamen Beschwerden in der Schwangerschaft von Blutungen zu Kreislaufproblemen und Übelkeit mit sehr regelmäßigem Erbrechen. Daraufhin wurde ich auch krankgeschrieben.

Da es mir nun besser geht, kümmere ich mich ein Großteil um unsere Kinder. Aber ich mache auch mit dem Kleinsten zusammen Mittagsschlaf und darf morgens ausschlafen. Mir hilft es körperlich und psychisch sehr, dass ich die Krankschreibung habe. Aber auch, dass mein Mann weiter im Home Office arbeitet, denn so habe ich die Möglichkeit mir eine Auszeit zu nehmen, wenn ich sie brauche. Nach wochenlanger Brecherei ist der Körper einfach nicht mehr auf der Höhe.

Was beschäftigt Dich gerade?

Mich beschäftigt die Gesamtsituation gerade sehr. Ich fühle mich vom System im Stich gelassen. Für uns ist es z.B. so, dass der „eingeschränkte Regelbetrieb“ im Kindergarten schlechtere Bedingungen mit sich bringt, als die Notbetreuung. Wir hatten Anspruch auf einen Notbetreuungsplatz, weil wir beide in systemkritischen Berufen arbeiten. Dort hatten wir theoretisch volle 45 Stunden. Jetzt haben wir von unseren 45 Stunden ein Anrecht auf 35 Stunden. Faktisch aber nur 25 Stunden, da im Kindergarten kein Mittagsschlaf mit dem Kleinen gemacht werden kann – und selbst wenn, müssten wir ihn Mitten drin herausreißen. So sehr beschäftigt mich das ganze aber nicht mehr, denn nun sind Schließzeiten bei uns.

Ich fühle mich aber auch weiterhin im Stich gelassen, denn ich habe z.B. kein Anspruch darauf gehabt in Kurzarbeit zu gehen, um unsere Kinder zu betreuen. Weil wir eben einen Anspruch auf einen Notplatz hatten und wir zudem beide im Home Office arbeiten.

Außerdem gab es auf der Arbeit für die Corona-Situation mit den ganzen Schließungen und den Kindern und der Arbeit bei mir wenig Verständnis. Wenn man 3 Minuten zu spät in einem Termin war, wurde der Termin abgesagt und sich beim Chef beschwert. Daraufhin habe ich mich intern in der Firma bei unserer internen PR Abteilung beschwert, dort wurde viel aufgenommen und die ganze Thematik kam etwas ins rollen.

Eine „Zuvielbelastung“

Ich habe so keine Lust mehr auf die ganze Situation, denn seitdem bekannt ist, dass ich mit unserem dritten Kind schwanger bin, kommen eher Aussagen wie „Aber wenn Kinder eine Belastung für sich sind, warum bekommst du dann noch ein drittes?“ Und die Fragen sind ernst gemeint mit einem „Wie haben die das früher denn nur gemacht?!“ hinterhergeschoben. Ich diskutiere da gar nicht mehr, hau meine Argumentationskette vom Stapel und verlasse die Situation.

Was mich aber auch sehr beschäftigt ist die Situation: Wie soll ich das schaffen, wenn ich wieder arbeiten soll? Ja, mir geht es wieder besser. Ja, ich antworte mittlerweile wieder mit „gut“, wenn man mich fragt. Aber vom Kopf her weiß ich, dass es zu viel wäre direkt die volle Belastung wieder zu haben, wenn ich arbeiten müsste. Weil ich weiß, welcher Berg an Arbeit auf mich wartet. Weil ich weiß, dass es keinen seichten Einstieg geben würde. Es setzt mich psychisch schon sehr zu und wenn ich daran denke, kommen mir direkt die Tränen. Es ist per se keine Überforderung wegen der Kinder sondern eine „Zuvielbelastung“ durch keine Kinderbetreuung. Hätte ich generell keine Kinderbetreuung, würde ich auch nicht (in dem Umfang) arbeiten.

Was tut Dir im Moment gut?

Es gibt zwei hauptsächliche Dinge, die mir gut tun:

Meinem Kopf: Mein Mitwirken in der Politik auf kommunaler Ebene. Ich war vorher schon aktiv in einer Partei unterwegs und wusste, dass ich gerne im Rat direkt vor Ort mitwirken will. Ich habe Jahrelang in der Firmenpolitik mitgemischt und mich dort nicht mehr aufstellen lassen, um mich mehr auf meine „richtige“ Arbeit zu konzentrieren. Spätestens seit Corona und den ganzen Diskussionen ist mir nochmal mehr bewusst geworden, dass ein Engagement in einer Firma für mich persönlich nicht ausreicht. Ich möchte mehr tun und da ist für mich der Schritt noch aktiver in der Kommunalpolitik zu sein der richtige. Dieses Engagement habe ich auch etwas zurück gefahren, als es mir körperlich sehr bescheiden ging. Habe aber auch schnell gemerkt, dass gerade dieses Engagement meinem Kopf extrem gut tut.

Meinem Körper: Ich genieße aber auch die Ruhezeiten mit den Kindern. Der Große kommt wieder vermehrt, legt sich im Bett dazu und kuschelt viel. Wir lesen wieder extrem viele Bücher. Der Kleine kuschelt sich auch immer so niedlich an einen ran, wenn wir Mittagsschlaf machen. Die Ruhephasen braucht mein Körper im Moment sehr. Ich vermute einmal durch die körperlichen Anstrengungen der Übelkeit, aber auch durch einen eventuellen Eisenabfall – der natürlich jetzt als nächstes geprüft wird.

mit zwei kleinen Kindern

Worauf freust Du Dich?

Auf das Basteln der Schultüte für den Großen. Weil ich mich viel ausgeruht hatte, habe ich viel Inspiration gesammelt und weiß genau, was ich machen möchte. Ich freue mich auf den Urlaub bei meiner Familie, zum Geburtstag meines Neffen. Ich freue mich darauf Weihnachten mit 3 Kindern zu verbringen. Und ich freue mich auf Anfang November, wenn mein Mutterschutz beginnt. Weil ich mir dann keinen Kopf mehr um das „Wie soll ich das alles schaffen, wenn jetzt wieder die Arbeit komplett dazu kommt?“ machen muss.

Ich freue mich auf die Kommunalwahl und bin gespannt, was das für mich und uns bedeutet. Ich freue mich darauf das dritte Baby in den süßen kleinen Babyklamotten der großen Geschwister zu sehen und ich freue mich darauf zu sehen, wie der Kleine zum großen Bruder wird.

Herzlichen Dank für diese Momentaufnahme, Liebe Hanna!

Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles erdenkliche Gute für die Zukunft.

Alles Liebe

 

Denise

 

 

 

 

  • Nessie 12/07/2020 at 12:15

    Was fuer eine sympathische junge Frau! Ich wuensche ihr und ihrer wachsenden Familie alles erdenklich Liebe. Und die Kollegen sollten sich schaemen, die fragen, warum sie denn noch ein drittes Kind bekommt, wenn es ihr zuviel wuerde. In einer gesunden Gesellschaft sollte doch beides problemslos moeglich sein, ein erfuelltes Familienleben und gut betreute Kinder, damit die Eltern (beide!) arbeiten koennen. In Daenemark funktioniert das doch auch…. Und ich finde haeufig, dass Frauen die schaerfsten kritiker von Frauen sind, bis zu uneingeschraenkter Frauensolidaritaet ist es offenbar noch ein weiter Weg . Ich offe, dass Hanna sich die Zeit nimmt, die sie braucht, um wieder zu Kraeften zu kommen, auch wenn das eine weitere laengere Krankschreibung bedeutet. Dann ist das halt so und es muss firmenintern eine Loesung gefunden werden. Jede Frau sollte stressfrei schwanger sein duerfen und Corona stellt da ja schon harte Anforderungen. Und ganz ehrlich: Die Maenner koennen sich da auch nicht raushalten, sie sind ja an der Entstehung des Nachwuchses nicht unbeteiligt. Und viele maennliche Kollegen sind bestimmt auch Vaeter.
    Alles Liebe aus Schottland!

  • Britt 13/07/2020 at 10:39

    Ich kann eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. Ich arbeite in einer psychosomatischen Klinik und die Zahl der Mütter, die meinen Vollzeit arbeiten zu müssen und ihre kleinen Kinder in die Krippe stopfen werden immer mehr und mehr. Bis sie letztendlich bei mir in Therapie landen mit Burnout, Depressionen etc……

    Die Frage ist doch berechtigt warum ich zwei oder drei Kinder haben möchte und sie dann so bald wie möglich in Fremdbetreuung gebe? Den Staat dafür verantwortlich mache was ich nicht bereit bin zu leisten?

    Fragt sich jemand was das für die Kinder bedeutet? Für ihre Bindung? Fragt man unsere Kinderpsychologin wird die Zahl der seelisch auffälligen Kleinkinder immer größer. Weil sie zurückstecken müssen während die Mutter Karriere macht und nebenbei noch ihre politische Karriere anschieben will. Weil sie merken das sie nur nebenher laufen und nicht auf Platz eins stehen.

    Aber anstatt mal sein Leben zu überdenken und sich bewusst zu werden das 100% in allen Bereichen einfach nicht möglich ist und auf den Rücken der Kinder ausgetragen werden, vor allem wenn sie noch so klein sind, wird die Mühle einfach so weiter getreten.

    Dann baut man eben noch ein paar psychosomatische Kliniken dazu. Auf Staatskosten versteht sich…..

    • Caro 14/07/2020 at 9:28

      Liebe Britt,
      was für ein unverschämter Beitrag! Wenn Sie wie Sie schreiben tatsächlich in einer psychosomatischen Klinik arbeiten und dort Mütter mit Burnout und Depression behandeln hoffe ich sehr, dass Sie Ihren Patientinnen etwas mehr Professionalität und Hilfe zukommen lassen. Als Psychotherapeutin (die sie dann ja sind, wenn Ihre Angaben stimmen) sollten Sie es eigentlich besser wissen! Mit dem Finger auf andere zeigen, wenn diese aus Ihrem Leben und von Ihren Gefühlen erzählen ist normalerweise schon nicht in Ordnung, wenn dies unter dem Deckmantel der (angeblichen) professionellen Sichtweise geschieht ist es ehrlich gesagt nur noch zum k…n! Schuldzuweiseungen helfen keinem!

    • Hanna 21/07/2020 at 23:16

      Ich habe gerade lange überlegt, ob ich dazu überhaupt etwas schreiben möchte. Aber wer sagt denn hier, dass meine beiden Kinder „so bald wie möglich“ dorthin gehen und dann anscheinend noch davon ausgehend, dass es der ganze Tag ist, wenn man mir unterstellt Vollzeit zu arbeiten.
      Ja, UNSERE Kind sind dort 45 Stunden angemeldet. Wären die Zeiten, die man Buchen kann flexibler, würden wir sie aber nicht diese Stunden so bezahlen. Auch im normalen Alltag arbeiten mein Mann und ich Zeitversetzt. Er ist ein absoluter früh aufstehen und gerne um 6 Uhr arbeiten. Ich hingegen bringe die Kinder zu 9 Uhr – der Spätmöglichste Zeitpunkt in den Kindergarten. Weil wir morgens kuscheln, Zeit verbringen, lesen, Gespräche führen… Nachmittags holt mein Mann unsere Kinder zwischen 15 und 15:30 Uhr ab. Tendenziell letzteres weil der Kleine tatsächlich lange Mittagsschlaf macht und er Große dort gerne mit den Freunden Spielt. Freitags ist um 12 Uhr Schluss. Da habe ich übrigens auch immer Frei und die Kinder dürfen sich sehr oft aussuchen, ob sie überhaupt hingehen wollen. Rechnet man nun Montag-Donnerstags von 9-15:30 Uhr zusammen und Freitags von 9-12 Uhr, so kommt man auf ca. 29 Stunden. Soviel zu der Zeit!

      Hier die Bindung infrage zu stellen, finde ich doch sehr unangebracht. Sie kennen weder mich, noch meinen Mann noch unsere Kinder. Aber ich verrate Ihnen was: Wir haben eine ziemlich gute Bindung zueinander! Und für meine Kinder lasse ich JEDEN Termin links liegen. Mir geht es sowohl auf der Arbeit, als auch politisch nicht um Karriere, denn dann würde ich auf der Arbeit Vollzeit arbeiten müssen und Poltisch nicht Kommunal einsteigen, sondern direkt auf Kreisebene!

      Und ich kann sehr guten Gewissens sagen, dass meine Kinder definitiv nicht die leidtragenden sind. Das ist durch die Situation eher meine Hobbys, mein eigener Blog und vor allem meine Arbeit. Das was ich angehäuft habe sind Minusstunden, weniger Geld und vor allem Unverständnis und schlechte Stimmung in meinem persönlichen Arbeitsumfeld. Eben weil ich bzw. wir die Kinder an erster Stelle gesetzt haben und darauf geachtet haben, dass immer einer voll und ganz für die Kinder da war. Übrigens auch weiterhin ist und sein wird.

  • Sonja 14/07/2020 at 10:10

    Das ist mir zu einseitig. Warum wird den Müttern vorgeworfen Vollzeit arbeiten zu müssen und Karriere machen zu wollen? Was ist mit den Vätern? Die machen das einfach und keiner hinterfragt es oder wirft es ihnen vor.
    Nein, nur Frauen werden (fast) automatisch in die Rabenmütterecke geschoben und sie sind schuld, wenn das Kind auffällig wird.
    Die Arbeitgeber jammern seit Jahren über Fachkräftemangel, aber flexible Teilzeitmodelle etc. für Frauen und Männer sind Mangelware. Es wäre schön, wenn die Arbeit sich an uns anpassen würde und nicht wir uns an sie.

  • Katharina 15/07/2020 at 0:13

    Ich kann Britt vom Ansatz her verstehen, auch wenn sie sich etwas unglücklich ausgedrückt hat. Ich bin Erzieherin in einer Krippe und sehe jeden Tag was es für die Kleinsten bedeutet Vollzeit arbeitende Eltern zu haben. Gerade die Einjährigen haben immense Probleme den ganzen Tag in der Krippe zu sein. Ich kann ihnen einfach die Mutter nicht ersetzen. Oft werden sie schon krank morgens abgegeben, und wenn man versucht die Eltern zu erreichen ist das Handy aus zwecks Meeting! Warum ist es nicht möglich, gerade wenn ich so kleine Kinder habe, als Mutter oder Vater beruflich zurückzustecken? Wenigstens zwei, drei Jahre? Viele Mütter sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen (auch Väter) und denken nach einer Mutter-Kind-Kur ist alles wieder gut? Kinder brauchen die Liebe und Geborgenheit ihrer Eltern. Kinder brauchen Zeit. Dieses Gefühl der Geborgenheit kann auf Dauer keine Erzieherin ersetzen. Jaa und ich frage mich auch täglich warum man Kinder möchte sie dann so zeitig in fremde Hände gibt.

    Ich möchte zum Umdenken anregen, vermutlich ähnlich wie es Britt versucht hat. Liebe Mütter, alles im Leben hat seine Zeit. Überdenkt eure Prinzipien. Die Zeit mit den Kleinsten kommt nie mehr zurück. Vielleicht ist es doch möglich etwas weniger zu arbeiten und dadurch etwas mehr Familienzeit zu haben. Deutschland mit anderen Ländern zu vergleichen ist hinfällig, dort sind ganz andere Strukturen und familienfreundlichere Arbeitgeber. Alles geschriebene gilt natürlich gleichermaßen für die Väter.

    • Hanna 21/07/2020 at 23:23

      Ich finde es sehr schade, dass hier pauschalisiert wird, dass ich Vollzeit arbeiten würde: Das tue ich gar nicht! Unsere Kinder sind bummelig im Schnitt 30 Stunden im Kindergarten. Wenn überhaupt. Wir geben die Kinder NIE mit Fieber ab, haben wir auch noch nie. Wir sind die Eltern, die einen tag mehr zuhause sind, damit die Kinder wirklich gesund sind. Wir sind die Eltern, die sofort ans Handy gehen und losfahren.
      Aus den Erfahrungen, die ihr macht, zieht ihr vielleicht diese Schlüsse. Aber auch ich rege zum Umdenken an, dass dies hier gerade mehr unterstellt wird, als das es tatsächlich wirklich so ist!

      Hier ist übrigens ein Vater, der voll und ganz hinter mir und meiner Arbeit steht. Der selbst sagt, dass er weniger arbeiten geht, wenn ich mehr will. Ein Vater, der sehr engagiert im Elternrat ist. Der 1. Ansprechpartner für alle im Kindergarten ist. Der auch auf Kreis Ebene im Elternbeirat ist.

  • Marie 15/07/2020 at 9:31

    Ich sehe das im Freundeskreis und in der Familie. Es klappt nur, wenn beide Eltern sich alles teilen. Das ist auch verursacht durch finanziellem Druck und der Druck der Rente später und der der Politik sowieso. Für die Kinder ist besser, wenn Mütter max. halbtags arbeiten geht. Es stimmt, wir haben viele Auffälligkeiten bei Kindern , weil die Eltern oft so im Stress sind oder schlechte Absprachen untereinander haben. Es ist aber auch eine Herausforderung in Deutschland, sich bei Arbeitgebern durchzusetzen, wenn sie ihr Kind rechtzeitig abholen wollen, sich kümmern oder weniger arbeiten wollen fuers Kind. Marie

    • Nadine 24/07/2020 at 11:06

      Ich finde die pauschalen Urteile und Meinungen über Eltern hier sehr fragwürdig und grenzüberschreiten und teilweise (wenn dahinter ein Beruf steckt), unprofessionell. Selbst arbeite ich ebenfalls in der Kita und bin eine berufstätige Mutter und arbeite sehr glücklich mehr als halbtags.
      Es kommt überhaupt nicht darauf an, wie viele Stunden irgendwer arbeitet, sondern wie zugewandt Eltern gegenüber ihren Kindern sind, und diese Pauschalisierung gegenüber Eltern ist unmöglich. Es gibt so viele Facetten unterschiedlicher Eltern in meinem Privat- und Berufsleben. Eltern, die ihre Kinder „abschieben“, obwohl ein Elternteil Vollzeit zuhause ist. Eltern, die beide berufstätig sind und jede freie Minute mit ihrem Kind verbringen. Es gibt gut Kitas, die für Kinder in zweites Zuhause sind und in der Coronabedingten Schließzeit sehr vermisst wurden, und es gibt Kitas in denen es Kinder nicht gut geht. Es gibt vielleicht auch Vollzeitberufstätige Mütter, die auch als Hausfrauen einen Burnout bekommen hätten. Das weiß noch niemand.
      Was bleibt für viele Eltern ist, dass diese Gesellschaft, die Politik und viele Menschen einfach unfassbar kinder- und familienunfreundlich ist. Dass sich nur wenige wirklich für die Nöte interessieren und zuhören, einfach wertfrei zuhören, und nicht einfach Urteile fällen…

  • Lena 19/07/2020 at 12:55

    Liebe Hanna,
    ich finde es toll, dass du dich auf kommunaler Ebene einbringst! Super wichtig finde ich es, da nur so die Belange der Familien (vor allem solcher, wo beide Elternteile in Vollzeit arbeiten) vertreten werden können. Grad diese Eltern sind aufgrund der Zeitknappheit nicht politisch aktiv. Und auf kommunaler Ebene kannst du Einfluss auf die Kinderbetreuung nehmen (natürlich im Rahmen des Machbaren, klar).
    Und ich wollte dir Mut machen, vielleicht liest du die Kommentare. Auf einer Mutter-Kind-Kur hatte ich sogar reine Hausfrauen-Mütter getroffen. Ich (beide Elternteile ohne Homeoffice in Vollzeit erwerbstätig) war überrascht, wie ähnlich doch die Probleme der Mütter sind, obwohl wir Teilnehmer unterschiedliche Voraussetzungen, z.B. wg. der bereits erwähnten beruflichen Situation, mitbringen. Mir wurde bewusst, dass nicht die Vollzeitbeschäftigung der Hauptgrund des „Leidenswegs“ ist, sondern die eigene Erwartungshaltung und Perfektionismus. Sogar bei reinen Hausfrauen-Müttern.
    Vielleicht (Menschen sind zum Glück nicht 100%-ig gleich) sind es bei dir andere Gründe, die du ja auch nennst -> fehlende Kinderbetreuung. Und hier wirkst du ja durch dein Engagement auf kommunaler Ebene mit, damit die Situation nicht nur für dich, sondern auch für andere Eltern in ähnlicher Situation sich bessert. Dankeschön dafür!
    Ich finde es richtig und wichtig, dass Eltern arbeiten gehen können. Wie soll man sich denn sonst als Familie vermehren 😉 und kinderfreundliches Land sein? Manchmal hat man eher keine Wahl, z.B. man verpasst den Anschluss durch Pausieren per 3-Jahre Elternzeit, man ist finantiell auf beide Vollzeitgehalter angewiesen etc. In solchen Situationen sage ich mir immer, dass ich Liebe und Zuneigung auch auf diese Weise meinem Kind gebe, da ich finantiell für es sorge. Warum soll diese Möglichkeit der Fürsorge nur dem männlichen Kollegen verbleiben oder anders ausgedrückt warum soll nur ein Partner unter finanzieller Familienbelastung leiden?
    Ich finde es nicht gerecht, grenzt für mich an das finanzielle und zeitliche Ausnutzen des erwerbstätigen Elternteils aus. Später gibt es ja eher Witwenrente, Mütterrente und Grundrente (für Teilzeitbeschäftigte interessant), man ist im Grunde genommen finantiell auch ohne Vollzeit-Erwerbsarbeit als nur Hausfrau oder Hausfrau in Teilzeit schon im Alter abgesichert. Trotzdem finde ich die Möglichkeit und das Nachgehen einer Vollzeitbeschäftigung für beide Elternteile wichtig!
    Liebe Hanna, dir und der Familie alles Gute,
    ihr rockt das schon!
    Grüße
    Lena

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