Ordnung

Leserpost | Die Sehnsucht nach Ordnung

16/05/2019

Die Sehnsucht nach Ordnung – ein Hilferuf

Es gibt wieder Leserpost, die ich gerne mit Euch teilen möchte. Um die Not und die Sehnsucht nach Ordnung meiner Kundin zu zeigen und weil sich die Verfasserin dieser Nachricht besonders viel Zeit genommen und Mühe gegeben hat. Ich habe sie um Erlaubnis gebeten, meine Antwort auf diesem Wege zu veröffentlichen, um noch mehr Menschen damit zu erreichen. Dass es viele Menschen gibt, denen es ebenso geht, daran gibt es keinen Zweifel!

Hallo liebes Fräulein Ordnung,

ich versinke im Chaos. Das hört sich dramatisch an und deshalb habe ich mich entschlossen, endlich mal einen Hilferuf abzusetzen. Vielleicht wissen Sie Rat. Ich bewundere Menschen, die Ordnung halten können. Die Klarheit haben. Bei denen es nach Leben, aber nicht nach Unordnung aussieht.

Ich bin 48 Jahre alt und habe einen Sohn. Ich bin 100% berufstätig, seit 16 Jahren alleinerziehend und ich bewohne eine schöne 4einhalb-Zimmer-Wohnung. Mir fällt es aus vielen Gründen nicht leicht loszulassen. An Dingen hänge ich, weil ich das Gefühl habe, dass Dinge bei mir bleiben – im Gegensatz zu Menschen. Mit Dingen verbinde ich Erinnerungen. Ich habe eine Vorliebe für Schönes und Altes, das Geschichten erzählt. Aber leider habe ich von allem viel zu viel. Ich kann keine Papiere ordnen. Überall liegen Stapel. Zeitschriften, Bücher und Kochbücher empfinde ich als tröstlich und Gemütlichkeit, Geborgenheit verbreitend. Dennoch sehne ich mich nach Ordnung und Minimalismus. Ich finde es toll, im Urlaub an Orten zu sein, wo es ordentlich ist. Da fühle ich mich wohl.

Weggeben? Wegwerfen?

Ich habe gesundheitlich Probleme wegen einer Krankheit, die sich auf der Lunge niederschlägt. Ich kann nicht richtig atmen. Und ich glaube, das hat auch mit dem einengenden Zuviel an Möbeln, Papier, Lebensmittel, Kleinkram, Kleidung, Kosmetik zu tun. Es ist alles zu viel. Ich wohne mit meinem Sohn seit über 2 Jahren in dieser Wohnung mit 110 qm. Es stehen in jedem Zimmer Umzugskartons, die nicht ausgepackt wurden. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Weggeben? Wegwerfen? Angesichts der Menge bin ich viel zu energielos. Ich liege auf dem Sofa und schaue Filme am iPad an, um mich einfach aus der Realität wegzuträumen. Da sehe ich glückliche Menschen, die leben, die lieben, die schön wohnen, die Spaß haben.

Diese Wohnung könnte so gemütlich sein. Beim Umzug habe ich mir vorgestellt, dass es hier einfach toll, schön, skandinavisch eingerichtet wird. Dort halte ich Ordnung, sodass jeder jederzeit kommen kann. Ohne, dass ich etwas wegräumen muss. Oder mich schäme wegen irgendwas. Ich habe gehofft, es kommt viel Besuch. Man sitzt gemütlich zusammen. Auch Verwandtschaft übernachtet mal hier. Die Realität sieht anders aus. Niemand kommt. Weil ich niemanden einlade, mich immer mehr zurückziehe, weil jeder weiß, dass ich mich mit Besuch nicht wohlfühle wegen der kritischen Blicke. Die Küche ist viel zu voll. In den Schränken Lebensmittel, die ich nie esse oder die längst abgelaufen sind. Tüten, Kästen, Kisten – um zu sortieren und zu ordnen. Aber das klappt nicht. Die Kisten sind voll, aber nichts ist sortiert.

Donnerstag = OrdnungsTag Unordnung lähmt in jeder Hinsicht

Ich mag vieles, was mit Gemütlichkeit, Wohlfühlen und irgendwie mit Geborgenheit zu tun hat. Bücher zum Thema Einrichten, Aufräumen, Kochen. Aber das, was als Tipps in den Büchern steht, kann ich nicht umsetzen bzw. lese die Bücher erst gar nicht. Büroarbeit ist mir ein Graus, weil ich bspw. für eine Steuererklärung erst jahrelange Stapel, Kisten und Schubladen durchwühlen muss, um die relevanten Papiere zu finden. Mich lähmt die Unordnung in jeder Hinsicht. Wo soll ich anfangen. Wie kann ich loslassen? Mein Schlafzimmer ist so voll mit alten Klamotten, dass sich niemand dort wohlfühlen würde. Es ist quasi gar kein Platz für einen neuen Partner, den ich mir insgeheim wünsche. Aber diese Wohnsituation erlaubt es mir gar nicht, mich auf jemanden einzulassen. Niemand soll meine Unzulänglichkeit mitkriegen. Außer meinem Sohn sieht hier niemand meine Räume. Ich möchte ihm das eigentlich ganz anders vorleben.

Leichtes Gepäck

An wen kann ich mich wenden? Viel Geld habe ich natürlich auch nicht übrig. Aber für Verkäufe bei Ebay oder auf dem Flohmarkt habe ich keine Energie. Am liebsten würde ich einen Container bestellen und alles reinwerfen. Aber dazu müsste ich ja alles mal in die Hand nehmen, um nicht etwas Wichtiges mit zu entsorgen. Das Lied „Leichtes Gepäck“ von Silbermond spiegelt genau meine Situation. Nur dass ich es nicht schaffe, mich zu befreien von dem schweren Gepäck. Vielleicht könnte ich dann auch besser atmen. Ich drehe mich im Kreis und brauche jemanden, der mich nicht verurteilt für diese Situation. Wie kann ich das angehen?

Ich habe geschrieben, was mir eingefallen ist und vielleicht auch einiges vergessen, aber mir ist es wichtig, das mal an einer Stelle loszuwerden, von der ich mir Verständnis und Hilfe erwarte.

Herzlichst, Britta

Sehnsucht nach Ordnung

Solche oder ähnliche Hilferufe erreichen mich regelmäßig und ich wünschte mir so sehr, jedem einzelnen helfen zu können. Die Sehnsucht nach Ordnung ist groß!

Meine Gedanken,

die direkt beim ersten Lesen des Schreibens, in meinem Kopf aufgepoppt sind:

  • Versetze Dich in Gedanken an einen (Urlaubs-) Ort, an dem Du Dich wohlgefühlt hast. Wo Du glücklich warst. Schließe die Augen und stell Dir diesen friedlichen, ordentlichen Ort vor. Wie sieht es dort aus? Wie fühlst Du Dich an diesem Ort? Sauge dieses Gefühl in Dir auf und nehme diese positive Energie mit, um Dir eine Liste zu erstellen, was Du alles in Deinem Zuhause verändern möchtest. Was muss gemacht werden, um Dein Zuhause zu eben diesem Heim werden zu lassen, dass Du Dir so sehnlichst wünscht?
  • Erstelle eine Liste. Egal, wie lang sie am Anfang sein wird. Aber verschaffe Dir einen Überblick über das Ausmaß der Arbeit. Versuche dann, jede Woche einen Punkt der Liste abzuhaken.
  • Lese meinen Beitrag Wunschvorstellung
  • Statt einen Film auf dem iPad zu gucken, lieber eine Folge Aufräumen mit Marie Kondo auf Netflix gucken. Auch wenn ich persönlich eine andere Vorgehensweise bevorzuge – als Inspiration eignet sich die Serie auf jeden Fall!
  • Es ist völlig normal, dass Unordnung ein lähmendes Gefühl erzeugt. Eben deswegen muss ein Anfang gefunden werden! Auch wenn der Berg noch so groß erscheint, hat man erst einmal seine Wanderschuhe an den Füßen und den ersten Teil des Weges erklungen, wird es leichter. Die Vorfreude auf die schöne Aussicht, wenn man erst einmal den Gipfel erreicht hat, lässt dann auch die Blasen an den Füßen vergessen …
  • Die Küche ist ein guter Anfang. Blockiere Dir einen regelmäßigen Termin im Kalender, an dem Du mindestens 1 Stunde in der Küche Schubladen und Schränke sortiert. Zum Beispiel jeden Donnerstagabend von 18 – 19 Uhr. Gehe Schritt für Schritt und von Schublade zu Schublade vor und sortiere alles aus, was Du nicht mehr benötigst und was abgelaufen ist.
  • Immer dran denken: Was wir loslassen, kann uns nicht mehr festhalten!

Ordnung ist schön

Lethargie

Die Schwierigkeit bei dieser Sache ist – wie die Verfasserin selber schon schreibt – das, was als Tipps in Büchern steht, wird nicht umgesetzt bzw. erst gar nicht gelesen. So wird es vielleicht auch mit meiner Antwort gehen.

Es ist eben nicht leicht, aus der Lethargie herauszukommen und einen Anfang zu finden. Weil das alleine oft so schwer ist, kann der Termin mit einem Ordnungscoach Wunder bewirken. Ein direkter Einsatz von mir – oder meinen vielen Ordnungskollegen, die es in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt – ersetzt eben kein Buch! Wir krempeln die Ärmel hoch und zeigen vor Ort, wie man einen Anfang finden kann.

Einfach nichts machen, bringt einen aufjeden Fall nicht weiter. Dann doch lieber anfangen und sich mindestens eine gute Gewohnheit aneignen. Lass Dich von der Sehnsucht nach Ordnung antreiben. Es sind die kleinen Schritte, die zählen!

 

Ordentliche Grüße

Denise

  • Helen 16/05/2019 at 7:06

    Liebe Denise,

    musste gerade ein bisschen weinen- danke dass Du so freundlich und nicht verurteilend bist.
    Viel Mut für die Leserin, ach, für uns alle. Der Tipp mit der einen Stunde, einfach mal (wieder) nen Anfang finden.. 🙂

    GLG H.

  • ilse 16/05/2019 at 7:54

    Liebe Denise,
    wieder so so wertvoll deine zeilen. danke, danke
    alles liebe zu dir

  • Claudia 16/05/2019 at 8:29

    Liebe Denise, diese sichtbare Unordnung ist wohl such ein Zeichen der inneren Unordnung. Manchmal reicht mal wegschmeissen und aufräumen nicht. Da brauchts einen Psychologen um seine „innere Wohnung“ zu sortieren. Ich denke dann lösen sich die Blockaden und man ist bereit, sich von Dingen, Erlebnissen und Vergangenheit zu trennen. Ich wünsche der Dame viel Kraft und Ausdauer. Si eine Veränderung ist ein Prozess, aber es lohnt sich. Liebste Grüsse

  • Ina 16/05/2019 at 9:10

    Ich hoffe, dass Britta, die Briefeschreiberin, nicht wirklich krank an der Seele und die „Unordnung“, das Unvermögen ein Symptom dieser Krankheit ist. Ich hoffe, dass es umgekehrt ist und mit „Ordnung in der Wohnung“ auch „Ordnung in der Seele“einziehen kann! Und ich wünsche ihr und auch dir, Denise, dass ihr einen Weg dahin finden könnt.

    Alles erdenklich Gute!
    Gruß
    Ina

  • Sabine 16/05/2019 at 11:00

    Liebe Denise,

    ich lese hier eine ganze Weile mit und schöpfe jeden Tag neue Motivation weiterzumachen.
    Mir ging es ähnlich, was die Lähmung angeht. Viel zu viel von allem. Schränke auf: Chaos an. Klamotten ganz hinten, von denen ich nicht mal mehr wusste, dass ich sie noch habe. Abgelaufene Lebensmittel. Fotos, doppelt und dreifach. Dias!!! Geschirr für eine Kompanie, aber nur ein 2-Personen-Haushalt.
    Immer der Wunsch, es anders – klarer und ordentlicher – haben zu wollen.

    Dann wohl mein Schlüsselerlebnis. Ich habe mich von einer sehr wuchtigen Couch- und Sesselgarnitur (30 Jahre alt) getrennt und sie durch eine Couch, einen schmalen Sessel und Hocker ersetzt. Mein Wohnzimmer erreichte dadurch viel mehr Raum und Luft zu atmen. Ja, wirklich. Und ich wollte mehr davon. Dazu immer die Äußerungen meines Partners, wie schön doch ein bisschen mehr Ordnung wäre und warum immer so viel herumstehen müsste…. Es gab eine Initialzündung.

    Ich habe auch einige Ordnungsbücher gelesen, die mich ebenso angespornt haben wie deine Webseite mit deinen Posts. Aber MAN MUSS ES MACHEN!
    Und ich habe angefangen: mit dem Kleiderschrank, Zeitschriften, DVDs, CDs, Besteck, Tellern, Vasen usw. Ich bin noch lange (!) nicht fertig. Aber ich mache weiter und ich freue mich sogar drauf, denn ich erlebe zum ersten Mal, wie schön es ist, in ein geordnetes und „luftiges“ Zuhause zu kommen. Meine Wohnung mausert sich langsam in eine Wohlfühloase.

    Ich kann loslassen! Ich dachte immer, ich könnte es nicht, aber ich kann es. Ohne schlechtes Gewissen. Nicht Dinge sind wichtig, sondern Erinnerungen. Zur Not fotografiere ich Dinge und speichere sie online.
    Ich gehe durch die Wohnung und schaue, was noch weg kann.
    Ich weiß, dass ich noch einen Weg vor mir habe (da gibt es noch Fächer, die ich noch nicht angehen möchte – aber ich werde), und am Ziel werde ich glücklich(er) sein als jetzt.
    Entrümpeln und Ordnung befreit. Es ist so großartig, wenn alles an Ort und Stelle ist und man nicht ständig suchen muss.
    Ich weiß, wovon ich rede.

    Ich kann nur jedem empfehlen, anzufangen. Es fühlt sich toll an.

  • Nessie 16/05/2019 at 12:09

    Ich wuensche Britta einen Menschen dem sie vertrauen kann und der ihr ohne finanzielle Zuwendung hilft, einen Anfang zu starten. Wie Du schon geschrieben hast: einmal pro Woche oder alle 14 Tage ist aufrauemen angesagt. Und das ganze mit Lachen und Humor, dann geht es bestimmt leichter und dann schafft Britta es vielleicht auch alleine zwischen den Terminen schon ein bisschen selbst zu entsorgen. Viel Glueck!

  • die Verständnisvolle 16/05/2019 at 12:27

    Man darf auch nicht vergessen, dass ein Vollzeitjob und alleinerziehend zu sein schon eine ziemlich anstrengende Sache ist. Da darf man abends auch mal müde und kaputt sein.

    Ich würde wahrscheinlich schrittweise versuchen mich Ecke um Ecke durchzuarbeiten. Mit dem festen Termin ist eine tolle Idee. Irgendwann wird es weniger und ordentlicher.

    Ab und zu gönne ich mir einen freien Tag nur für mich und den Haushalt. Einfach mal in Ruhe kramen, aufräumen, einkaufen, spazieren gehen, lesen – herrlich. Mich entspannt das und mein Haushalt sieht dann besser aus.

  • Christine Burger 16/05/2019 at 12:44

    Mir ist wichtig zu erwähnen, dass Entrümpeln/ Ausmisten ähnliche Glücksgefühle frei setzt wie Einkaufen! Ich finde das sehr motivierend, und erlebe es auch so. Und der Satz: Haste was, biste nix. Etwas provokant, aber hilft gegen den Schweinehund!
    Grüße

  • nochEinGlasWein 16/05/2019 at 13:40

    Das haben Sie sehr feinfühlig geschrieben!

  • Petra 16/05/2019 at 15:04

    Liebe Denise, das ist eine sehr schöne Antwort – ich hoffe er hilft…
    LG Petra*

  • Eva 16/05/2019 at 16:18

    Ich kenne dieses fiese, lähmende Gefühl leider auch. Britta, du bist nicht alleine! Denise, danke für’s Mutmachen und die Tipps.

  • Aus Bremen 16/05/2019 at 17:28

    Ich glaube alle in meiner Umgebung kennen mich nur als sehr ordentlich. Es stimmt ich mag kein Chaos, ich konnte mich schon immer ganz gut von Dingen trennen. Trotzdem lese ich hier 3, 5 Jahren mit und ich habe noch einiges optimiert. Einige Zeit habe ich jeden Tag etwas aussortiert, manchmal einzelne Schubläden durchforstet. Einiges dem Göttergatten und den Kindern hingelegt und nachgefragt, braucht ihr das noch?
    Es hat auch bei mir gedauert nicht getragene Schuhe, Jacken Handtaschen zu benutzen oder auszusortieren.
    Nochmal länger auch im Geschäft sich entscheiden zu können, nein passt doch nicht hundertprozentig oder Achtung! Königsklasse, zu entscheiden, nö brauche ich eigentlich gar nicht.
    Ich lese hier immer noch 🤗. Deine Tipps Denise helfen mir immer noch.
    Ich kann eigentlich immer Besuch reinlassen, kein Problem, meistens alles top. Warum schreibe ich hier dann?
    Nehmt es als Motivation, obwohl schon so ordentlich, es gibt immer noch Verbesserungsmöglichkeiten und es dauert. So war es auch bei einem nicht Messie. Überfordert euch nicht, immer nur kleine Projekte umsetzen, direkt sich am Ergebnis freuen und es einfach akzeptieren, dass es Tage gibt, wo man nichts gegen die Unordnung schafft, da der Alltag dazu keine Luft lässt.

    Den Tipp 5 Minuten die Eieruhr zu stellen und dann loszulegen hat mich auch schon manchesmal motiviert.

    Danke Denise!

  • Claudia 16/05/2019 at 17:55

    Liebe Denise,
    das hast Du sehr schön geschrieben und ich wünsche Britta , das sie es schafft ihre Wohnung aufzuräumen . Oft es ist so , wenn man die Wohnung entrümpelt auch die Seele ein wenig mitentrümpelt . Sich von Dingen trennt , die zuviel an die Vergangenheit erinnert – lieber Platz schaffen für das Heute und was Neues .
    Liebe Grüße
    Claudia

  • Joy 16/05/2019 at 18:05

    Liebe Britta,
    dieser Brief macht mich sehr traurig. In letzter Zeit bekomme ich so oft mit, dass es viel mehr Menschen so geht als man das auf den ersten Blick denken würde. Dass sie im Chaos versinken und nicht mehr klar kommen. Dass sie niemanden haben, dem sie sich anvertrauen können, der sie liebevoll an die Hand nimmt. Dass sie sich zurückziehen und schließlich keine Kontakte mehr haben – aus Scham und Überforderung.
    Ein ganz toller Youtube Kanal zum Thema: A hoarders heart. Er ist auf Englisch. Die Frau, die ihn betreibt ist Amerikanerin und bezeichnet sich als Hoarder. In ihren Videos räumt sie Ecke für Ecke ihr Haus auf. Ich finde es sehr ermutigend. Vielleicht wäre das was für Sie, liebe Britta?

    Liebe Denise,
    ich bewundere deine Arbeit und deine Hingabe und Geduld. Durch deine Bereichte und den oben genannten Kanal habe ich deutlich mehr Verständnis für solche Nöte entwickelt. Danke dafür!

    Ganz liebe Grüße
    Joy

  • Iridia 16/05/2019 at 18:46

    Ein toller Brief. Mein erster Gedanke ist, dass es mit dem Gefühl zusammenhängt, dass Sachen Behaglichkeit und Sicherheit für sie sind. Die Angst, wenn die Sachen weg sind, sich allein und verloren zu fühlen, lese ich hier ganz stark mit. Obwohl sie weiß, dass es behaglicher ist und sie ohne das wirklich das Leben führen könnte, das sie möchte, traut sie sich den Tausch nicht. Ihre Sicherheit liegt in Sachen , die sie nicht von sich aus verlassen – und nicht in sich selber, die es schafft, sich jederzeit ein Umfeld zu gestalten, in dem auch ihr Sohn und ihre Freunde und Familie sich wohl fühlen.

    Mein Rat wäre: erstmal nur die abgelaufenen Lebensmittel weg und gucken, wie fühlt sich das an. Aushalten und Situation festigen. Weiter alles weg, was neu abgelaufen ist.

    Welches Gefühl kommt hoch? Damit würde ich weiter gehen. Ich denke, Brittas Aufgabe ist, den Zusammenhang von Sachen und Sicherheit wieder zu lösen, den sie irgendwann hergestellt hat und das hatte damals sicher gute Gründe.
    Aber Sicherheit findet man nur in seiner Seele. Ihr auf neue Art gut zu tun, wäre eine Möglichkeit, sie aufzubauen, zu stärken und ihr irgendwann zu vertrauen.

    Festhalten ist ein Prinzip. Schränke, Körper, Menschen, Beziehungen. Was passiert mit mir, wenn ich mir traue, das loszulassen. Schock. Wie Welt geht nicht unter. Und ich hab was für mich und meinen Sohn gemacht. Egal was war, es ist Vergangenheit und das pflegen der Vergangenheit stört beim Weg in die Zukunft, wenn es auf mehreren Ebenen läuft, die Vorliebe für alte Dinge ist auch ein Punkt, der allein kein Problem ist.

    Wenn alles voll ist, ist kein Platz für Neues, Befriedigenderes, glücklich Machendes, nicht in der Wohnung, nicht in der Seele. Der Zustand wird zementiert und verstaubt, weil die Angst vor Leere oder neuer Enttäuschung zu groß ist, die gar nichts mit den Dingen zu tun hat, sondern nur die seelische Krücke dafür ist – und die will man nicht los lassen. Es scheint aber an der Zeit zu sein, sonst wäre der Brief nicht so durchdacht geschrieben worden. Hab keine Angst mehr. 🙂

  • Beate Groß 16/05/2019 at 21:14

    Die arme Schreiberin kann ich gut verstehen. Ich bin vor Jahren mal im Papier-Chaos versunken und habe eine Freundin um Hilfe gebeten. Innerhalb von 2 Stunden waren wir komplett durch, alte Schreiebn lagen im Altpapier, der Rest war entsprechend zugeordnet/abgeheftet. Als der Anfang gemacht war, ging es auf einmal auch leichter weiter. Inzwischen habe ich wieder viel Papierkram liegen und arbeite mich themenweise durch, habe aber auch wieder um Unterstützung gebeten. Steuerunterlagen sammele ich in einem passenden Aufklapp-Karton, da liegt dann schonmal alles chronologisch, wichtige Bescheide wie z.B. Verdienstbescheinigung scanne ich gleich ein. So habe ich zumindest das schon mal zusammen. Alles andere fällt mir leider immer wieder schwer. Von nicht benutzen Deko- Sachen in der Wohnung kann ich mich inzwischen einfacher trennen, das habe ich aber erst lernen müssen, denn ich habe meinen Kram gerne um mich herum.
    Es wäre ja schön, wenn du der Schreiberin eine neutrale, unvoreingenommene und diskrete Person zur Unterstützung vermitteln könntest und diese beiden sich im besten Fall gegenseitig bei einem schwachen Punkt helfen können.
    Liebe Grüße Bea

  • Petra von FrauGenial 17/05/2019 at 11:47

    Man kann glaube ich sehr gut vorstellen, wie es der Britta in der Situation geht. Man möchte ja, wenn man nach der Vollzeit-Arbeit zuhause ist, einfach abschalten, und zuhause nicht Großprojekt Aufräumen vor sich haben. Aber andersherum ist das ein wichtiger Schritt, so die Ordnung in jedem Bereich einkehren zu lassen. Ich finde die Tipps daher sehr treffend. Man arbeitet sich langsam an der Liste und wächst mit jeder Erledigung auf der To Do Liste. Vielen Dank für den Tipp.

    Gruß,
    Petra

  • Nana 20/05/2019 at 15:22

    Liebes Fräulein Ordnung,

    darf ich fragen, wo diese schönen Schraubgläser her sind? Nächste Woche kommt unsere neue Küche und ich benötige noch Vorratsgläser für meine dann offenen Regale.

    Liebe Grüße
    Nana

  • Nana 23/05/2019 at 15:32

    Ganz lieben Dank!

  • Sonja 24/05/2019 at 15:40

    Liebe Alle, liebe Denise,

    ich kenne diese Situationen auch. Mir fiel spontan folgendes ein: Einen Tandempartner(in) finden. Am besten jemanden, der in einer ähnlichen Situation ist. Warum? Weil dieser Partner die Situation versteht und nicht noch vorlebt, wie ordentlich man sein könnte. Und das das alles gaaanz einfach ist. Gerade wenn man voll berufstätig, alleinerziehend ist.

    Wenn sich zum Beispiel eine alleinerziehende Mama mit ähnlichen Sorgen in der Nähe von Britta fände, dann könnten beide sich gegenseitig Mut geben und anspornen. Man könnte gemeinsam Pläne aufstellen. Einen Termin bei Britta, einen Termin beim Tandempartner. In der Zwischenzeit werden kleine Zeitfenster (20 min) täglich geplant, in denen jeder für sich kleine Zwischenziele erfüllt (Schuhschrank ausmisten, Zeitungsstapel im Wohnzimmer entsorgen……)
    Wenn die Kinder größer sind, kann man diese mit einbinden. Und ganz wichtig: Nach jeder größeren Session und erreichtem Etappenziel gibt es eine Belohnung. Gut wären auch Vorher-/ Nachher-Bilder, um sich vor Augen zu führen, was man schon alles geschafft hat.

    Gut erhaltene Dinge kann man bei einem Flohmarkt verkaufen. Mit dem Erlös wird eine schöne gemeinsame Unternehmung finanziert.

    Man müsste eine Möglichkeit finden, um Menschen diskret zusammen zu bringen.

    Wie findet ihr diese Idee?

    Liebste Grüße
    Sonja

    P.S.: Ich habe am Wochenende auch vieles auf dem Zettel, was ich in meiner Wohnung erledigen möchte.

    • fräulein | ordnung 24/05/2019 at 19:41

      Tatsächlich hat sich letzte Woche schon jemand bei mir gemeldet, der Britta helfen möchte – witziger Weise wohnen die beiden Damen nur 3 km voneinander entfernt … mal gucken, was daraus wird!

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