Lifestyle

Momentaufnahme | Singing with the Birds

03/05/2020

Singing with the Birds

Mich haben Geschichten anderer Menschen schon immer interessiert. Die echten Geschichten von Angesicht zu Angesicht erzählt. Ich will wissen, wie es den Menschen geht, was sie gerade fühlen. Welche Ängste sie haben, aber auch, welche Hoffnungen sie antreiben. So ist meine Idee zu „Momentaufnahme“ entstanden und seit dem Skype ich mit den verschiedensten Menschen.

Premiere! Zum ersten Mal habe ich mit einem Mann geskyped. Eine Woche vorher habe ich ihn in einem Video bei Facebook entdeckt, wo er mit einer Gitarre im Wald saß und gesungen hat. Ich war  s o f o r t  hellauf begeistert!

Kurz habe ich ihn gegoogled und entdeckt, dass er auch aus Münster kommt. Ohne lange nachzudenken habe ich ihm über Instagram eine Nachricht geschickt mit der Anfrage, ob er mir für meine Interviewreihe zur Verfügung stehen würde.

Erst als ich später ein bisschen mehr recherchiert habe, war mir klar, dass er keine kleine Nummer im Musik-Business. Als Musikproduzent, Songwriter, Sänger und Komponist war er in den vergangenen Jahren an vielen Projekten beteiligt. Er schrieb Filmmusik, Singles für H-Blockx und vieles mehr. Meine Freundin sagte gleich: „Denn kenne ich aus dem Fernsehen! Von The Voice of Germany“, dort war er Berater von The Boss Hoss.

Hatte ich mich vielleicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt?

Meine Sorge war unberechtigt, denn schon wenige Tage später war ich mit Jan Loechel per Skype verabredet. Jan ist 45 und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Jungs (4 + 7) in Münster und ist genauso sympathisch und entspannt, wie in den Videos mit seinen kleinen Waldkonzerten.

Singing with the Birds

Hallo Jan! Wie geht es Dir gerade?

Mir geht es eigentlich ganz gut. Meiner Familie und mir geht es gesundheitlich gut und wie alle anderen leben auch wir gerade von Tag zu Tag und von Meldung zu Meldung. Ich versuche, nicht zu viel Nachrichten zu konsumieren, aber im Grund empfinde ich die Zeit gerade als sehr lehrreich.

Du sitzt regelmäßig mit Deiner Gitarre im Wald, umgeben von dem schönsten Vogelgezwitscher und singst für uns. Singing with the birds. Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Die Idee habe ich schon relativ lange. Schon vor Jahren habe ich festgestellt, wie schön es ist,  im Wald zu singen.

Im vergangenen Jahr merkte ich, dass neben meinen anderen Engagements, wenn es um meine eigene Musik ging, mir in meinem Tonstudio ein bisschen die Inspiration fehlte.

Ich habe es nicht weit zum Wald und es im letzten Herbst einfach mal ausprobiert. Ich bin öfter mit der Gitarre in den Wald gefahren, hab ein bisschen was aufgenommen und geschrieben, für mich dokumentiert und gemerkt, dass mich das ganz anders inspiriert, als im Studio den Rechner anzumachen.

So habe ich angefangen, kleine Videos zu machen und diese bei YouTube hochgeladen. Ich habe meinen Gedanken freien Lauf gelassen und bin somit zu meinem Musikerkern zurückgekommen.

Jetzt in dieser Phase der Unsicherheit, vielleicht auch der Verwirrung und der Angst, habe ich  überlegt, was kann ich tun? Was können wir Musiker gerade machen?

Im Wald zu singen tut mir selber gut und verschafft mir Leichtigkeit und Balance. Wenn ich das an mein Publikum weitergeben kann, ist das doch eine schöne Win-win-Situation.

Die Rufe sind bereits da, nach einem richtigen Waldkonzert mit Dir, sobald es wieder erlaubt ist. Ich würde mir eins der ersten Tickets kaufen!

Das freut mich!

Das ist auch etwas, was schon im letzten Jahr kam. Mit einer Freundin aus Hamburg habe ich über ein Konzept nachgedacht, wie können wir uns wieder mehr mit der Natur verbinden. Ich glaube, der Ruf nach der Erdung mit der Natur, dass den ganz viele  Menschen wahrnehmen, vielleicht aber noch nicht ganz deuten können, was das ist und erst mal machen müssen. Es ist eben nicht so einfach, wenn ich in Berlin-Mitte wohne und vielleicht auch nicht so mobil bin, um mich einen Tag in der wilderen Natur aufzuhalten.

Ich glaube aber, dass es etwas ist, was uns allen wahnsinnig guttut, auch die Wissenschaft hat ganz klare Belege dafür. Stichwort Waldbaden. Gerade was die Anforderungen der Zeit angeht und generell, um sich selber wieder auszubalancieren. Da wollte ich mit meiner Musik sowieso ansetzen, mit meinen Waldkonzerten.

Die Frage war also: Wie kann man das, was man gerne tut, gut kann,  gut bündeln, damit es von den Menschen, die es mögen, auch entdeckt wird. Anfangs habe ich überlegt, wie gehe ich das ganze etwas konzeptioneller an? Immer die gleich Länge, dieselbe Uhrzeit? Dann bin ich aber zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zeit gerade etwas anderes braucht. In Algorithmen zu denken ist für mich jetzt irgendwie nicht angebracht.

Wenn ich also dreimal nacheinander Lust habe, am Morgen zu singen, dann mach ich das einfach. Das ist im Moment die Zeit dafür, sich von alten Mustern freizumachen.

Ich kann immer nur von mir sprechen, doch die Vergleichbarkeit und Selbstoptimierung ist ein bisschen heiß gelaufen. Jetzt haben wir die Chance – im Rahmen unserer Möglichkeiten – mal innezuhalten. Was war das? Was will ich eigentlich? Ich habe in den letzten Jahren als Coach bei „The Voice“ gar nicht unbedingt nur an der technischen Komponenten des Singens gearbeitet, sondern es hat mich im Grunde sehr erfüllt, mit den Sänger*innen an ihrer ur-eigene Stimme zu feilen – etwas, das über das Singen alleine hinausgeht. Wie verwirkliche ich auch beruflich (als kreativer Mensch)  das, was meiner Leidenschaft, meiner inneren Stimme und Wahrheit entspricht ? Dies möchte ich in Zukunft gerne in Verbindung mit dem achtsamen Er-leben in der Natur verbinden und arbeite gerade an Ideen, dies mit meiner Musik und meiner Erfahrung zu verknüpfen. 

Ich glaube, das ist auch Dein Geheimnis, diese Entspanntheit

Wir reden im Moment ja auch von den Chancen der Krise, Dinge in uns und in der Welt neu zu entdecken. Für mich ist es gerade wichtig, nicht nur nach Zahlen zu schauen, sondern einfach mal die Dinge zu tun, die man schon immer mal machen wollte. Vielleicht auch Sachen, wo alle immer gesagt haben „Meinst Du? Echt?“. Das Argument „Macht man nicht, weil bringt keinen schnellen Erfolg!“ zieht für mich im Moment einfach nicht.

Was vermisst Du im Moment?

Das Meer. Ich würde jetzt einfach gerne ans Meer fahren. Am liebsten nach Dänemark, an die Westküste oder aber ich würde nach Norderney fahren, wo ich Freunde habe. Einen Tag am Strand. Egal welches Wetter, dick einpacken und loslaufen. Ich sehe es als Symbol vor mir, während ich darüber spreche.

Und dann sind es die echten Begegnungen, die gerade fehlen. Abseits von Skype & Co.

Die Welt, unsere Werte und unsere Verbindungen sortieren sich gerade elementar neu, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass – mit grösstem Respekt vor dem Leid und Schmerz den diese Krise mit sich bringt – wir in vielerlei Hinsicht gestärkt aus dieser Zeit herausgehen werden

Wir sollten die Zeit jetzt nutzen, um uns gegenseitig zu stützen, uns selber und den Menschen die uns jetzt brauchen zuzuhören und da zu sein – das wäre für mich gerade das perfekte Szenario.

Lieber Jan, ich danke Dir sehr für Deine Zeit und das schöne Gespräch.

Alles Gute für Dich und Deine Familie.

Singing with the Birds

Ihr habt sicher gemerkt, was für ein Fan-Girl ich bin, oder?  Ich freue mich einfach so, dass ich die Waldkonzerte von Jan gefunden habe und möchte sie Euch hiermit ans Herz legen. Singing with the Birds gibt es heute Abend wieder 19 Uhr | Facebook LIVE. Aber ach bei Instagram  ist Jan zu finden.

 

Habt einen wundervollen Sonntag

Alles Liebe

 

Denise

 

 

 

  • Petra von FrauGenial 03/05/2020 at 11:25

    Da spricht ein wahrlicher, kreativer Musiker! Sehr inspirerend auch mal hinter der Fassade im Show Business zu sehen, was man nie gedacht hat. Bei einem Waldkonzert wäre ich direkt dabei! Ich höre da gerne zu

  • Nicole 04/05/2020 at 10:10

    Liebe Denise,
    kreative Menschen haben oft eine sehr interessante Sicht auf die Dinge. Ich bin mit ihm einig, das Meer vermisse ich auch sehr. Und auch, was Selbstoptimierung und Gleichmacherei betrifft, bin ich total seiner Meinung. Das allerdings nicht erst seit jetzt. Denn in einer so freien Welt, sind wir doch auch sehr einseitig behaftet.
    Deshalb toll, dass du dieses Interview geführt hast und sein Waldgesang ist auch klasse.
    Hab eine schöne Woche
    Nicole

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