Ordnung

Vom Briefkasten in die Schatzkiste

20/01/2022

Vom Briefkasten in die Schatzkiste

Auf der Karte, die in dieser Woche in meinem Briefkasten lag, ist ein Foto von meinem Buch, das bei DEPOT in Leer gemacht wurde. Über die Karte und die Zeile von Frauke haben mich in dieser Woche unglaublich gefreut. Da hat sich jemand die Zeit genommen, sich Mühe gegeben und diese Geste rechne ich ihr hoch an. Schließlich kennen Frauke und ich uns nicht persönlich. Ich weiß noch nicht einmal, welche Haarfarbe Frauke hat oder wie alt sie ist. Diese Karte kommt jetzt aber in meine Schatzkiste und wird mich zukünftig an diese aufregenden Tage im Januar 2022 erinnern, als mein Buch in einem Dekoladen ausgestellt und verkauft wurde.

Vom Briefkasten in die Schatzkiste

Schatzkiste

Die Karte ist in bester Gesellschaft, denn seit ich diese Kiste von meiner Freundin zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen habe, sammle ich hier die verschiedensten Erinnerungen.

Was ich genau sammle?

So viel wie nötig – so wenig wie möglich.

Der Inhalt meiner Schatzkiste soll die Essenz der letzten Jahre zeigen und gute Gefühle bei mir auslösen.

Schatzkiste

Wie zum Beispiel die Karte der Peter Lindbergh Ausstellung, die ich mit Paula besucht habe, kurz bevor sie nach ihrem unfreiwilligen Corona-Urlaub in Deutschland zurück nach England geflogen ist.

Was noch drin ist:

  • Ein Foto von dem Geburtstagsgeschenk, das Zoé mir zum 42. Geburtstag „gebastelt“ hat,
  • Erinnerungen an die Hochzeit meiner Freundin,
  • eine Abschieds-Karte vom Altenheim, wo ich 6 Monate die Besucher und Mitarbeit getestet habe,
  • ein Umschlag mit Zetteln, mit schönen Worten von der letzten Syltglück-Reise. Ein kleiner, ganz besonderer Schatz.

In dieser Schatzkiste sind aber auch die schönsten Geburtstagskarten der vergangenen Jahre und ein paar weitere Briefe von Frauen, die meinen Blog lesen und mir geschrieben haben.

Schatzkiste

Gute Laune

Ich bekomme gute Laune beim Durchblättern. Und trenne mich trotzdem bei jeder Durchsicht von der ein oder anderen Karte. Weil sie mir nicht mehr als so wichtig erscheint, oder weil ich andere Erinnerungen an dieses eine Ereignis abgespeichert habe, sodass ich die Karte nicht mehr als Gedankenstütze brauche.

In meiner romantischen Vorstellung sitze ich irgendwann als alte Frau in meinem Sessel, wenn meine Enkelkinder mich besuchen kommen und ich schicke eine von ihnen los, mir meine Schatzkiste zu holen.  Dann blättern wir gemeinsam durch die Erinnerungen und ich kann ihnen Geschichten dazu erzählen. Sie werden kichernd die Karte lesen, die ihr Vater mir geschrieben hat, als er 16 war. Oder sie werden noch einmal wieder von den ersten Wochen hören wollen, als Corona über das Land zog und ihre Mutter unerwartet 10 Wochen bei uns bleiben musste. Ich hätte mit meiner Oma gerne so etwas gemacht.

Ja – diese eine Erinnerungskiste ist erlaubt und wichtig. Für die guten Gefühle. Und weil sie nicht viel Platz wegnimmt.

Aber mehr sollte es eben auch nicht werden, denn sonst ist es nicht mehr nur die Essenz.

Schatzkiste

Ordentlicher Gedanke

Egal ob es Sachen vom Expartner sind oder von der Bekannten, zu der wir keinen Kontakt mehr haben möchten: sobald wir ein komisches Gefühl haben, wenn wir den Gegenstand in die Hand nehmen, sehen oder auch nur daran denken … dann sollten wir es weg schaffen!

Egal ob es Erinnerung in Form eines Geschenkes oder in Form von Unterlagen (Dokumente, Briefe, etc.) sind: wenn wir diese Sachen verschenken, verkaufen oder in den Müll stecken, löst sich viel negative Energie auf und wir sind der Leichtigkeit wieder ein Stück näher.

Wenn wir nur Dinge besitzen,

die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern,

können wir entspannter leben.

 

Ordentliche Grüße

Denise

 

p.s. Danke, liebe Frauke, für diese schöne Überraschung per Post!

 

 

 

  • Heike 20/01/2022 at 11:13

    Liebe Denise,
    ist das eine tolle Idee! Ich werde mir auch so eine Schatzkiste anlegen. Die Vision mit den Enkelkindern im Sessel wärmt mir das Herz. Ja, das hätte ich mit meiner Oma auch gerne gemacht! Und selbst wenn ich keine Oma werde… im Moment liegen die Erinnerungsstücke an mehreren Plätzen verstreut – dann ist das wenigstens mal aufgeräumt und halt nur für mich 🙂
    Liebe Grüße, Heike

  • Lili 20/01/2022 at 13:21

    Liebe Denise,

    eine solche Kiste ist perfekt, wie ich gerade bei meiner Mutter wahrnehme. Sie ist schwer krank, kann kaum mehr raus und ist sehr schwach geworden. Sie liebt es in der Zeit, in der sie einigermaßen leistungsfähig ist, sich mit diesen Erinnerungen zu beschäftigen (…allerdings hat sie mehrere Kisten…). Ich stelle fest, dass es sie am Leben hält.
    Liebe Grüße
    Lili

  • Petra Bäumler 20/01/2022 at 15:05

    Liebe Denise,

    was für eine wundervolle Idee mit der Schatzkiste! Nur die Schätze bewahren, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern, genau wie du es schreibst! Hervorragend! Danke für die Inspiration, ich werde mir auch so eine ganz besondere Schatzkiste zulegen und mir fallen schon gleich einige Karten ein, die da hinein dürfen…

    Alles Liebe und bis bald,
    Petra ❤

  • Sorokina 20/01/2022 at 19:33

    Hallo Denise,

    nach dem vorletzten Absatz lebe ich auch, allerdings habe ich da leider auch schon bereuen dürfen. Beziehungsweise keine optimale Lösung für mich gefunden. Ich hatte nicht viel, aber eben doch einiges aus den Jahren meiner ersten Beziehung, die sehr unschön zu Ende ging und auch an sich nicht immer schön war. Seit vielen Jahren lebe ich nun in einer glücklichen Beziehung. Irgendwann glaubte ich, mehr aus der ersten, schwierigen Beziehung aus meinem Leben entfernen zu müssen. Zum einen lebe ich heute ein anderes Leben und habe mich auch verändert, zum anderen fühlte es sich so an, als gäbe ich dem Alten vielleicht immer noch zuviel Raum, indem ich zuviel von dem Ex aufbewahre. Zum besseren Verständnis: Das, was nur negative Erinnerungen wach rief, hatte ich schon „zeitnah“ entsorgt. Darin bin ich gut. Und mein heutiger Partner bewahrt auch einige wenige Erinnerungen seiner Verflossenen auf, was ich auch legitim finde, immerhin sind Verflossene eben auch Teil des Lebens eines Menschen.

    Nun hatte ich vor etwa 2,5 Jahren eine etwas rabiatere Ausmistaktion, in einem Anflug von starker Zukunftszuversicht. Da flog nicht nur viel von dem Ex raus, sondern auch von ehemaligen Freunden. Das Leben war eben weitergegangen.

    Nun weiß ich nicht, ob es nicht vielleicht auch ein bisschen mit an der Pandemie liegt, aber das Leben steht nun seit 2 Jahren nahezu still. Und wenn mein Partner mir in schwierigen Tagen keine liebevollen Worte oder Gesten entgegen bringt (Er ist da von Natur aus leider eher passiv), dann frage ich mich in letzter Zeit schon, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, das eine oder andere doch noch aufzubewahren. Da, wo liebe Zeilen über mich stehen, zum Beispiel. Als alternative Trostspender.

    Ein anderes Thema ist dann noch Tod und Vergänglichkeit. Was, wenn ehemals geliebte Menschen versterben? Wäre man dann nicht froh, noch etwas von ihnen zu haben, was von der gemeinsamen Zeit zeugt, außer Fotos? Du hast da ja ein paar sehr interessante Posts zu dem Thema. Ich habe dennoch keine Antwort für mich selbst gefunden.

    Vor 3 Jahren war ich auf einem Konzert und habe dort wie immer fotografiert und gefilmt, wenn auch deutlich weniger als zuvor. Man will ja im Moment leben und nicht alles durch die Linse sehen, nicht? Von dem ohnehin wenigen Material habe ich dann zeitnah alles organisiert, sprich: Nur das meiner Meinung nach Beste behalten und den Rest gelöscht. Unter den gelöschten Sachen war der Videoclip eines Liedes, das vom Gitarristen der Band vorgetragen wurde, statt vom Sänger. Ich meine, dass die Soundqualität des Clips schlecht war und ich es deswegen gelöscht habe. Ich bin mir nicht mehr sicher. Und dann war da noch der Gedanke: „Beim nächsten Mal filmst Du das einfach noch mal, in besserer Qualität.“ Kurz darauf ist der besagte Gitarrist plötzlich verstorben. Es gibt kein „nächstes Mal“. Nun bin ich mitunter etwas zaghafter, wenn es ums Ausmisten von Erinnerungen geht, obwohl ich gleichzeitig auch weiss, wie nahezu euphorisch ich beispielsweise bei der rabiateren Ausmistaktion vor etwa 2,5 Jahren war. Es ist nicht immer leicht, da eine Balance zu finden.

    – Sorokina

    • fräulein | ordnung 20/01/2022 at 19:43

      Du hast recht, es ist nicht immer leicht, die Balance zu finden.
      Aber vertraue darauf, dass wir immer das aussortieren, auf das wir gut verzichten können.

      Loslassen ist nicht immer einfach. Aber hab Vertrauen. In Dich, ins Leben. Bereue nicht.

      Das Konzert zum Beispiel – das hast Du im Herzen gespeichert. Diese Erinnerung kann Dir niemand mehr nehmen. Ein Video oder Foto meinen wir immer als Beweis aufbewahren zu müssen, aber so ist es nicht. Aber eine kleine Kiste mit liebevollen Schätzen, die kann Dir in nicht so heiteren Stunden ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern.

  • Lony 20/01/2022 at 21:50

    Liebe Denise,

    eine solche Schatzkiste habe ich auch – ehrlich gesagt, inzwischen sogar zwei! Mit Tickets von den schönsten Konzerten und Festivals, Bildern vom Sohnemann, die er gemalt hat, als er klein war, Karten von besonderen Menschen und vieles mehr! Ja, und es ist tatsächlich so, dass ich sie immer mal wieder hervorhole und durchschaue und ganz ganz manchmal werfe ich dann auch etwas weg… wenn die „Schatzkiste“ optisch schön ist, stört sie ja auch nicht und fügt sich schön in Dein Wohnumfeld ein. Deine finde ich übrigens auch richtig klasse!

    Viele liebe Grüße vom Niederrhein sendet
    LONY

  • Britta 21/01/2022 at 5:35

    Hallo Denise,
    ich habe auch eine solche Schatzkiste. Es ist eine Fotoschatzkiste. Meine Tochter hat sie mir vor ein paar Jahren geschenkt. Aussen kann man Fotos in Sichtfenster stecken, innen sind Fächer um andere Fotos zu sammeln. Ich fotografiere mit dem Handy täglich so viel. dass ich meine Digitalkamera tatsächlich seit über einem Jahr nicht mehr in der Hand hatte. In dieser Kiste findet man aber nur Fotos, die mit dieser Kamera gemacht worden sind. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, die digitale Kamera zu entstauben und wieder häufiger einzusetzen. Mal schauen was aus diesem Plan wird.
    Auf meinem Handy befinden sich unzählige Fotos . Jeden Sonntag schaue ich auf die vergangene Woche, suche Fotos für den Rückblick heraus und lösche auch gnadenlos alles, was nicht wirklich aufgehoben werden muss. Bis ein Foto von meinem Hund so toll ist, dass ich es behalten möchte, sind viele Fotos nötig. Mit dem ersten Rückblick 2022 habe ich damit begonnen Fotos entweder zu löschen, in Ordner auf dem Handy einzusortieren oder sie sogar auf dem PC abzuspeichern. Die wenigsten Fotos schaffen es bis dort. Aber die haben dann auch Chancen ausgedruckt zu werden.
    Liebe Grüße,
    Britta

  • Nicole Kirchdorfer 21/01/2022 at 10:17

    Hallo Denise,
    ich habe eine Schublade. Ich nenne sie meine Kruschschublade. Dort kommt alles rein, was keinen richtigen Platz hat, aber zu meinem Leben gehört. Nicht alles macht mich glücklich, aber alles ist wertvolle Erinnerung, die ich nicht aufgebe…
    Zu recht, wenn ich mir den Beitrag von SOROKINA so ansehe. Ich finde es wichtig auch die Schattenseiten oder emotionalen Tiefschläge in Erinnerung zu behalten. Nur so kann man das was man hat wirklich schätzen.
    Tatsächlich schaue ich in verschiedenen Stimmungen immer mal rein. Wobei ich als alte Frau hoffentlich meinen Blog lese und denke: „ha, schau mich an, den jungen Ü50 Hüpfer“ hihi…
    LG Nicole

    • fräulein | ordnung 21/01/2022 at 20:50

      Stimmt – tatsächlich ist in meiner Schatzkiste auch die Traueranzeige meiner Nachbarin, die im vergangenen Jahr an Corona verstorben ist. Eine unschöne Erinnerung, aber es gehört nunmal zum Leben dazu und weil die Traueranzeige so liebevoll gestaltet war, habe ich sie aufbewahrt.

  • Patricia 21/01/2022 at 11:41

    Liebe Denise,
    vielen Dank für deinen wunderbaren Beitrag, jetzt hat es endlich klick gemacht 😉
    Ich suche schon seit geraumer Zeit eine große Kiste für die Erinnerungen meines verstorbenen Mannes. Alles was ich gesehen habe,
    war nicht groß, schön oder passend genug für diese wertvollen Erinnerungen an Ihn.
    Und jetzt ist mir bewusst geworden, dass kann es gar nicht, denn mein Herz ist gefüllt mit all diesen Erlebnissen und es braucht keine
    große Kiste, mit Kleidungsstücke, Fotos, Bilder usw. Das größte Geschenk was ich von Ihm habe sind unsere 2 Mädels und der Rest
    passt in eine kleine schöne Schachtel und die findet mich;-)
    Danke und alles Liebe,
    Patricia

  • Petra von FrauGenial 21/01/2022 at 20:25

    Die Vorstellung mit der Schatzkiste ist so schön und eine Erinnerung für die Ewigkeit. Ich habe auch so eine kleine Kiste wo sehr viele Briefe sich wiederfinden und ich von Zeit zu Zeit immer mal wieder reinlese und mich zurückerinnere. Aber vielleicht sollte ich auch genauer reingucken, was wirklich ich behalten möchte und was wiederum wegkann. Danke für den Anstoß

  • Miriam Coordes 23/01/2022 at 16:34

    Liebe Denise!
    Ich habe mich sehr über den Beitrag zur Schatzkiste gefreut. Auch ich habe seit vielen Jahren eine solche Kiste. Für meinen Sohn habe ich ebenfalls eine und wir lieben die Geschichten, die diese Kisten erzählen können.
    Sehr schön finde ich die Idee auch dort einmal auszusortieren.
    Und danke für deine schönen Wochenrückblicke.
    Liebe Grüße aus Emden sendet Dir MiriAm

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