Ordnung

Die Sammelleidenschaft unserer Eltern

12/08/2021

Nachdem Gastbeitrag in der vergangenen Woche fiel mir ein, dass ich passend zu dem Thema noch einen angefangenen Beitrag in meinen Entwürfen hatte. Als ich das letzte Mal über das heutige Thema geschrieben habe, schlug mir eine Welle der Empörung entgegen. Einhergehend mit großem Dank von anderer Seite, dass ich die Thematik aufgreife. In den Kommentaren (und auch bei Instagram) gab es damals einen regen Austausch. Nicht immer auf Augenhöhe.

Dieses Thema weckt also große Emotionen,

Ich gehe davon aus, dass es weniger mein geschriebenes Wort war, das solch heftige Reaktionen hervorgerufen hat, als viel mehr die Tatsache, dass sich Menschen ungern mit ihrer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen möchten.

Die Sammelleidenschaft unserer Eltern und Schwiegereltern

So schrieb mir eine Leserin:

„Was mich als ordentlicher Mensch sehr stresst, ist die Sammelleidenschaft meiner Eltern und Schwiegereltern.
Alle um die 80 – da wird nix weggeworfen, obwohl sie es nie mehr brauchen.
Bettwäsche noch original verpackt. Finde es eine Zumutung für die Angehörigen, die mal alles entsorgen müssen. Jetzt hätten sie doch Zeit, geht allen gleich im Freundeskreis.“

Natürlich erscheinen die Zeilen erstmal „raus gebrüllt“ und mit „wenig Fingerspitzengefühl“. Es zeigt jedoch die Verzweiflung, die viele in dieser Generation bestätigen können.

Mit meinem Beitrag schien ich also in ein Wespennest gestochen zu haben.

Die einen haben mir von ganzem Herzen gedankt.
Ein paar wenige andere habe sich von mir angegriffen gefühlt.

Dabei liegt mir nichts ferner, als fremde Menschen mit meinen Texten anzugreifen.

Alles, was ich auf diesem Blog schreibe, wird immer nur mit dem Hintergedanken geschrieben wird, Menschen zu einem leichteren Leben zu verhelfen, bzw. Inspiration zu einem leichteren Leben zu bieten.

Ich kann nur Empfehlungen geben, Anregungen zum Nachdenken. Aus Sicht eines Ordnungsprofis und aus Sicht eben jener Generation, die sich weit mehr mit dem eigenen Besitz auseinandersetzt und keine Lust hat, den Ballast anderer Menschen tragen und weg sortieren zu müssen.

Samelleidenschaft

Haushaltsauflösung

Meine Eltern sind noch jung. Meine Mama ist gerade 60 geworden und hat hoffentlich noch gute 30 Jahre zu leben. Würde ihr jedoch jetzt etwas zustoßen, hätten meine Schwester genügend Zeit und Raum, um zu trauern. Wir müssten uns nicht um volle Schränke oder eine kuriose Sammelleidenschaft kümmern. Dadurch, dass meine Mama selber vor zwei Jahren den Haushalt der eigenen Eltern auflösen musste, weiß sie, wie sich das anfühlt und wird zu verhindern wissen, uns dasselbe „anzutun“.

Wobei man an dieser Stelle erwähnen muss, dass der Hausstand meiner Großeltern vergleichsweise übersichtlich war. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in den nächsten Jahren einiges an Haushaltsauflösungen ansteht. Mein Onkel, der in diesem Bereich tätig ist, hat mir ebendies bestätigt. Gerade die Menschen, die 80+  sind, haben oft keinen Überblick über ihren Besitz.

Die Mutter von meinem Freund ist auch um die 80. Seit einigen Jahren ist sie Witwe und wohnt in dem Haus, in dem sie ihre Kinder großgezogen hat. Voll unterkellert und mit einem Dachboden ausgestattet. Gemeinsam mit ihren Kindern kümmert sie sich darum, dass regelmäßig aussortiert und ausgemistet wird. Ihr ist klar, dass sie das Meiste nicht mehr benötigt und vermutlich haben ihre Kinder ihr das auch klargemacht:

„Lass uns lieber jetzt gemeinsam aussortieren,

bevor wir es später ohne Dich machen müssen.“

Was ich mir wünsche, ist gegenseitiges Verständnis.

Verständnis für die ältere Generation, die als Kriegsgeneration einen ganz anderen Bezug zu Materiellem hat und Feingefühl und Verständnis verdient.

Aber auch Verständnis für die nachfolgende Generation, die mit ihren eigenen Sachen oft schon mehr als genug zu tun haben.

Ich wünsche mir viel mehr gute Gespräche zwischen den Generationen.

Auf Augenhöhe und mit ganz viel Respekt!

Sammelleidenschaft

Im Alter

Durch den Einblick im Altenheim wurde mir wieder mal klar, wie wenig man im Alter wirklich braucht. Wie schwer das Leben von Jahr zu Jahr werden kann, wenn der eigene Radius und die körperlichen Fähigkeiten weniger werden.

Wir wissen alle nicht, was am Ende unserer Tage auf uns wartet. Doch ich für meinen Teil habe das große Bedürfnis, rechtzeitig für Klarheit und Ordnung zu sorgen, bevor es mich selber trifft. Statt mich also einer wahnsinnigen Sammelleidenschaft hinzugeben, trenne ich mich lieber von Dingen, die wertvollen Platz einnehmen und die ich ohnehin nicht mitnehmen würde, wenn ich mich irgendwann einmal räumlich verkleinere.

 

Meine Kollegin Petra hat HIER mal einen Gastbeitrag für mich zu diesem Thema geschrieben, mit dem Titel „Wenn Eltern gehen … bleiben die Dinge.“

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Was möchten wir hinterlassen, wenn wir sterben?

Was soll von mir in Erinnerung bleiben?

Death Cleaning oder Döstädning – der neue Aufräumtrend

 

Auch wenn das Thema für den ein oder anderen scher verdaulich ist – je öfter man sich damit auseinandersetzt, desto weniger schrecklich ist es! Für mich hat es was mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun, wenn ich heute schon an später denke.

 

In diesem Sinne,

ordentliche Grüße

 

Denise

 

 

 

 

  • Simone deutsch 12/08/2021 at 7:13

    Liebe Denise,
    Mitte 50, zwischen umzugskisten sitzend, sortiere ich grade mein leben( das letzte von 4kindern zieht Samstag aus, mein Mann ist seid 15 Jahren tot und ich verlasse sein und nein Haus)
    Bei all den kommentaren( auch zum letzten Artikel des Themas) :
    Es sind nur Sachen, die ich weg gebe.
    Meine Erinnerungen bleiben für immer bei mir .
    Meine Kinder und meine Eltern haben ihre eigen Erinnerungen.
    Die ich, auch durch das Aufheben von Dingen weder konservieren noch bestimmen kann.
    Also Geist das für mich: immer schön bei mir bleiben, mit meinen Gefühlen und Gedanken.
    Und die Dinge dürfen von mir weg.
    Bei einigen Teilen kann ich ja meine Kinder fragen… oder sie mich.

  • Anja 12/08/2021 at 7:13

    Danke! Dieses Thema beschäftigt mich schon sooo lange, aber Gespräche mit Eltern oder (Ex-)Schwiegereltern sind sehr schwierig, kommen oft nicht gut an, sorgen auch mal für Empörung. Ich kann nur für mich selber entscheiden, meinem Sohn diese Bürde nicht zurückzulassen und mich vorher um meine „Sammlungen“ zu kümmern. Vielleicht setzt aber auch insgesamt ein Wandel ein und die jüngere Generation – so wie ich ja jetzt praktisch auch – kümmert sich bereits in frühen Jahren darum, nicht so viel Kram anzusammeln – spart auch eine Menge Geld :-). Liebe Grüße aus dem Nachbarort – Anja

  • Helga Moser 12/08/2021 at 9:29

    Liebe Denise,

    ich finde es prima, dass Du dieses Thema immer wieder aufgreifst. Wir müssen uns ja alle auf irgendeine Weise damit auseinandersetzen. Ich bin 63 Jahre , habe schon drei Haushalte aufgelöst und „Ordnung“ in meinen vier Wänden. Ordnung heißt für mich, ich bin im Dialog mit meiner Tochter, frag sie beim Aussortieren immer wieder nach Ihren Wünschen und die Papiere sind geordnet. Allerdings wohne ich in einem sehr alten Haus (seit 5 Generationen in unserem Besitz) mit großem Dachboden. Dort befinden sich immer Möbel, Hausrat und Spielsachen. Ein Eldorado für Kinder, Enkelkind und Spielfreunde. Gerade spielt mein Enkel dort oben und hat seine helle Freude über alte Spielsachen und Verstecke.
    Ich selbst habe das Aufräumen bei Haushaltsauflösungen stets als Trauerarbeit begriffen , hatte allerdings nie etwas mit Messihaushalten zu tun.
    Meine Tochter hat sich ihr kleines, gemietetes Haus nur mit alten Möbeln vom Dachboden eingerichtet – ebenso das Geschirr etc. von dort geholt. Da sehe ich eine große Möglichkeit zur Konsumvermeidung und Wertschätzung gleichermaßen.

    Liebe Grüße – Helga

    • fräulein | ordnung 12/08/2021 at 9:38

      Liebe Helga,

      herzlichen Dank für Deinen wertvollen Beitrag! Tatsächlich dachte ich beim schreiben auch darüber nach, dass es immer noch was anderes ist, wenn so ein Haus im Familienbesitz bleibt. Wenn die Dinge wirklich wertgeschätzt und weiter gegeben werden. Ich esse täglich von dem alten Geschirr meiner Großeltern und liebe es sehr …

      Ich sende Dir viele liebe Grüße
      Denise

  • Petra Sewing-Mestre 12/08/2021 at 14:17

    Liebe Denise,
    da hast du wirklich einen ganz wichtigen Artikel zu einem Thema geschrieben, mit dem sich viele Menschen am liebsten nicht beschäftigen würden. In vielen Wohnungen stapeln sich geerbte Gegenstände, von denen man sich nicht traut sich zu trennen – was man aber unbedingt tun sollte, wenn sie sich zu wahrhaftigen Energiefressern entwickeln. Das tun sie nämlich, wenn man sie nur aus Gewissensgründen hortet.
    Viele liebe Grüsse
    Petra

  • Julia 12/08/2021 at 16:00

    Liebe Denise,
    vielen Dank für deinen Artikel! Mir graut auch schon vor dem ausmisten. Meine Eltern sind gerade um die 80! Eigentlich habe ich für so gut wie nichts meiner Eltern Platz, aber ich freue mich schon darauf meine billigen Möbelschweden Teller zu entsorgen und dann täglich von Mutters besten Geschirr zu speisen. Wäre doch zu schade, wenn es noch mal ein paar Jahrzente in einem Schrank verstaubt – allerdings zum entsetzen meiner Mutter. Aber das bekommt Sie dann ja nicht mehr mit – Lach! Und so werde ich sicherlich noch mit der ein oder anderen Kostbarkeit verfahren an der mein Herz hängt! Der Rest wird gehen dürfen! Tja und wenn ich es dann mit der Zeit dezimiert und zerdeppert habe, das Service, dann gibt es hoffentlich auch wieder Flohmärkte!
    Liebe Grüße Julia

  • Nina 13/08/2021 at 11:42

    Liebe Denise,
    vielen Dank für diesen Post. Ich finde es auch sehr wichtig, diesem Thema Raum zu geben und darüber zu sprechen.
    Meine Eltern haben eine Doppelhaushälfte inkl. Keller, Dachboden, Gartenlaube und Schuppen (mir sträuben sich schon die Nackenhaare, wenn ich an den ganzen Kram dort denke). Sie sortieren zwar immer mal wieder aus, aber trotzdem ist immer noch so viel übrig.
    Bisher habe ich das Thema noch nicht angesprochen, aber ich hoffe, ich finde bald den Mut dazu.
    Liebe Grüße
    Nina

  • Anita 13/08/2021 at 11:42

    Liebe Denise,
    ich kann aus einiger- für mich zutiefst traumatischer ! – Erfahrung nur bestätigen, was es heißt, ein Haus aufzulösen,
    in dem über 40 Jahre lang nicht ein Stück entsorgt, kein Papier weggeschmissen wurde , Kleiderschränke zum Bersten voll gestopft waren, Dachboden und Keller ebenso.
    Letztlich habe ich es nur geschafft, zwei Kisten für mich zu packen, meine beiden Kinder ebenso jeweils für sich-
    alles andere wanderte in die Müllcontainer der Entsorgungsfirma.
    Ich weiß nicht, wie viel Wertvolles, Einzigartiges oder Bedeutungsvolles so unwiederbringlich verloren gegangen ist.
    Rückblickend bedauere ich, manches nicht besser durchgeschaut oder angesehen zu haben- aber das Chaos und die Überforderung , das alles in kürzester Zeit auflösen zu müssen ( ich musste mein Elternhaus verkaufen um die Pflegeplätze für BEIDE Elternteile gleichzeitig bezahlen zu können….) hat nachhaltige Spuren in meiner Seele hinterlassen.
    Wenn also Eltern etwas daran liegt, dass einzelne, bestimmte , bedeutungs-oder wertvolle Dinge in der Familie erhalten bleiben, dann sollten SIE SELBST dafür sorgen, dass diese erkenntlich werden und nicht im Chaos untergehen….

  • Martina 14/08/2021 at 9:23

    Liebe Denise,
    wieder ein großartiger Beitrag zu einem wichtigen Thema und so toll geschrieben.
    Danke!
    Ich halte es für unbedingt erforderlich, dass man möglichst „aufgeräumt“ aus dem
    Leben geht und kein Chaos hinterlässt. Mir ist das jedenfalls ein Bedürfnis und
    nicht zuletzt durch Dich prüfe ich stets, ob ich Dinge noch benötige oder sie
    weggeben kann und bei Neuanschaffungen, ob ich die überhaupt brauche.
    Ich wünschte, ich hätte das mein ganzes Leben schon so gehandhabt.
    Da fällt mir ein, dass ein früherer Kollege mir einst beeindruckt erzählt hatte, dass sein
    verstorbener Vater einen Ordner mit der Aufschrift „Im Falle meines Todes“ angelegt hatte.
    Dieser enthielt alle wichtigen Dokumente sauber abgeheftet, sowie Angaben zur Beerdigung
    (Bestatter, Anzeige, Grab…). Für meinen Kollegen war es damit leicht, mit gutem Gefühl die letzten
    Dinge zu regeln. So möchte ich das auch machen und hoffentlich schaffe ich es!
    Liebe Grüße, Martina

  • Nicole Kirchdorfer 15/08/2021 at 20:06

    Liebe Denise,
    vermutlich hätte ich nur genervt über solche Kommentare die Augen gerollt und gedacht: dann hör einfach auf zu lesen und mach was anderes…find es teilweise merkwürdig, was andere Menschen antreibt wildfremden irgendwas an den Kopf zu werfen…
    Aber zum Thema…die Sache an sich verstehe ich mittlerweile gut, denn ich musste die Wohnung meiner Oma ausräumen, die oberflächlich betrachtet eigentlich sehr ordentlich war. Wenn auch mit viel Nippes….es fand sich allerdings noch derart viel, dass ich es wirklich schwer hatte, denn am Ende des Tages musste ich vieles einfach wegwerfen, obwohl ich wusste, dass meine Oma sehr traurig darüber sein wird (sie ist jetzt mit ihren 97 Jahren im Heim). Sie hatte uns gefragt wo dies oder das sei, aber am Ende hat sie es eh vergessen. Ein Grund mehr frühzeitig loszulassen…

    Lg Nicole

  • Oktavia 18/08/2021 at 8:26

    Liebe Denise

    Mir geht es ähnlich. Ich bin Ende 60, mein Mann verstarb vor 2 Jahren. Und seitdem bin ich, mit vielen Überraschungen, am entsorgen, aufräumen, ordnen. Wir waren beide Jäger und Sammler und haben mehr Dinge, die man überhaupt braucht. Vieles ist schon weg, Tausende Bücher z.B. Meine Tochter lebt im Ausland, wenn ich sterbe muss die Wohnung baldigst geräumt werden, kostet auch Miete. Das will ich ihr nicht zumuten und versuche, so viel als nur möglich wegzutun, so viel, dass ich mich wohlfühle, aber nicht mehr als ich noch brauche. Ein Spagat! Aber das bin ich meiner Tochter schuldig. Wie soll sie das alles aus der Ferne bewältigen. Und Corona hat gezeigt, dass reisen nicht immer unkompliziert oder möglich ist.

    Ich finde es nur fair seinen Angehörigen gegenüber, sie nicht mit einem Berg von zu Entsorgendem zurückzulassen. Mit Dingen, zu denen sie selbst keinen Bezug haben. Und wenn wir ehrlich sind: vieles, was wir horten und meinen zu brauchen, ist auch für uns schon überflüssig geworden. Nur: wohin mit all den Sachen, die völlig in Ordnung sind, aber einfach nur zu viel. Alles hat seine Zeit!

    Auch ich habe einen Ordner für meine Tochter zusammengestellt, in dem alle Wichtige zu finden ist oder zumindest der Hinweis, wo was zu finden ist. Das ist das mindeste was man tun kann. Und Vollmachten hat sie sowieso schon.

    Liebe Grüße, Oktavia

    • fräulein | ordnung 18/08/2021 at 15:08

      Vielen Dank für Deine Zeilen, liebe Oktavia! Was Du da gerade leistest ist ein großer Akt der Liebe!

      Alles Gute für Dich und mögest Du noch lange Freude am Leben haben!

  • Carola 31/08/2021 at 13:43

    Liebe Denise und liebe Betragsschreiberinnen,

    vielen Dank für eure Worte. Sie sind so zutreffend. Ich weiß auch was es bedeutet, die Wohnung der Eltern auszuräumen.
    Bei mir ist es fast dreizig Jahre her…
    Ich werde daran denken, wenn ich hier am aufräumen und ausräumen bin.
    Liebe Grüße
    Carola

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