Lifestyle

Momentaufnahme | Von Veränderung und Kurzarbeit

09/08/2020

Von Veränderung und Kurzarbeit

Mich haben Geschichten anderer Menschen schon immer interessiert. Die echten Geschichten von Angesicht zu Angesicht erzählt. Ich will wissen, wie es den Menschen geht, was sie gerade fühlen. Welche Ängste sie haben, aber auch, welche Hoffnungen sie antreiben. So ist meine Idee zu „Momentaufnahme“ entstanden und seit dem skype ich mit den verschiedensten Menschen.

Sabine hat gerade ihren 25. Hochzeitstag gefeiert, ihre Söhne werden bald 24. Sie ist Teil vom Syltglück und ich freue mich sehr, sie zur heutigen Momentaufnahme dabei zu haben.

Sabine Zimmer

Liebe Sabine, wie geht es Dir gerade?

Liebe Denise, es geht mir sehr gut. Ich komme gerade aus einem langen Wochenende, dass ich mit Mr. Right in Amsterdam verbracht habe.
Das Gefühl wieder reisen zu können ist einfach großartig. Obwohl ich Amsterdam sehr gut kenne, habe ich es erneut auf eine ganz andere Weise wiederentdeckt. Wir waren innerhalb von 6 Wochen zweimal dort, in einem kleinen, aber feinen Bed & Breakfast, auf IJburg. Das ist ein Vorort von Amsterdam, der perfekt an die Innenstadt angeschlossen ist. Man kann gut mit dem Fahrrad oder der mit der Tram die Innenstadt erreichen.
Unsere persönliche Entdeckung ist aber die Gegend um Amsterdam herum. Einfach herrlich, dort gibt es mit dem Rad auf den Wegen um Amsterdam herum sehr viel zu entdecken.
Amsterdam ist viel mehr als das Leben in der Innenstadt.
Das Gefühl innerhalb Europas wieder einigermaßen „frei“ zu sein, fühlt sich großartig an. Selbstverständlich achten wir auf Abstand und meiden große Menschenansammlungen. Daher waren wir in Amsterdam auch viel mit dem Rad unterwegs und haben einfach nur die Natur genossen.

Wie sieht Dein Alltag im Moment aus?

Bis auf 6 Tage im Monat befinde ich mich seit März in Kurzarbeit. Da ich aus einer Vollzeitbeschäftigung komme, hat sich das wie eine Vollbremsung angefühlt, so wenig zu arbeiten. Eine große Veränderung also in meinem Leben, die mir ein paar Nächte das Leben sehr schwer gemacht hat. Doch ich habe sehr schnell verstanden, dass es an mir liegt, was ich aus dieser Corona Zeit mache, dass ich es in der Hand habe, etwas Gutes daraus entstehen zu lassen.
Diese innere Haltung begleitet meinen Alltag. Ich freue mich auch auf die „leeren“ Tagen, an denen meine Arbeit ausfällt und genieße es sehr mir Aufgaben zu suchen, die mich erfüllen. Es gibt viele Themen, die mich interessieren, die ich nun einfach angehen kann, weil ich die Zeit dafür habe.
Zu meinem Alltag gehört aber auch, dass ich viel Zeit nur mit mir verbringe. Auch daran musste ich mich zunächst gewöhnen, aber auch das kann ich inzwischen genießen.
Ich habe mich daran gewöhnt, mehr als 4 Nächte im gleichen Bett zu schlafen und zu Hause zu sein. Und ich empfinde es als großen Luxus, dass ich die Möglichkeit eines Tapetenwechsels habe, da ich ja in 3 Städten lebe. Für Mr. Right und mich ist es ein absolutes Geschenk, dass wir so viel Zeit miteinander verbringen können.
Mein Alltag ist also wirklich Alltag, weil ich das seit 12 Jahren zum ersten Mal wieder richtig spüre, was ein alltägliches Leben ist. Und es ist eigentlich auch ganz schön. Es kommt, wie immer im Leben darauf an, was man daraus macht.
Es gilt zu verstehen, dass man die Vergangenheit nicht verändern kann, jedoch die Zukunft gestalten darf. Und man jeden Tag damit anfangen darf, sich der Veränderung zu stellen und etwas Gutes daraus entstehen zu lassen.

Was beschäftigt Dich gerade?

Mich beschäftigt die Erkenntnis, wie sehr ich mich über meine Arbeit definiere. Um ehrlich zu sein, ist das eine Erkenntnis, mit der ich mich erst einmal sehr auseinander setzen musste. Und dieser Prozess war nicht immer einfach. Auch die Erkenntnis, dass Veränderung eine Frage des Annehmens und Willes ist. Solange man sich dagegen versperrt und am „Alten“ festhält, kann es nicht gelingen, Veränderung positiv zu gestalten. Man verliert quasi wertvolle Zeit. Seitdem ich das wieder, wie bei jedem Veränderungsprozess, für mich verstanden habe und auch angenommen habe, bin ich wieder positiv auf die Veränderung fokussiert.

Veränderung

Für mich gilt einmal mehr, je schneller man in die Akzeptanz einer Veränderung kommt, die man nicht selbst für sich angestoßen hat, desto schneller kann man aus der Reaktion in die Aktion kommen. Ich mag gerne die Veränderung selbst gestalten und das kann ich nur, wenn ich akzeptiere, dass Corona mein Leben verändert hat und verändern wird. Und ich habe mir auch meine Stärke wieder bewusst gemacht, dass ich viele lernen kann und darf und es gut für mich werden wird, wenn ich bereit bin, mich zu verändern.

Demnach beschäftigt mich positiv zu sein und zu bleiben, mit jedem Tag an meiner Haltung zu arbeiten. Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Und logisch gibt es Tage, an denen es nicht so gut gelingt.
Denn auch nach fast 4 Monaten leben mit Corona, wissen wir alle nicht, wie es werden wird und was noch auf uns zu kommt. Ich mag dieser Ungewissheit keine Macht geben und mich in meiner Handlungsfähigkeit einschränken lassen. Das nimmt mir gefühlt zu viel Lebensqualität.

Ich bin dankbar, dass meine Familie gesund ist, wir ein Dach überm Kopf haben und genug zu essen. Das war mir schon lange nicht mehr so bewusst, denn es war selbstverständlich. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, heißt auch, sich zu fragen, was ist eigentlich wirklich wichtig? Darauf muss jeder für sich seine Antworten finden.

Was tut Dir im Moment gut?

Bewusste Auszeiten mit Mr. Right sind Luxus für mich, denn in unserem „normalen“ Leben gab es dafür oft wenig Zeit.
Das versuchen wir uns jeden Tag bewusst zu machen und zu zelebrieren.
Wie sagte der Dalai Lama so schön?

„Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun kann. Der eine war Gestern, der andere ist Morgen. Dies bedeutet, dass heute der richtige Tag zum Lieben, Glauben und in erster Linie zum Leben ist.“

Mir tut es gut einfach im Moment, im Heute zu bleiben, denn was morgen ist, das kann uns niemand sagen.

So gesehen hat mir Corona damit ein Geschenk gemacht, nämlich das Bewusstsein, das der Moment zählt und man das Leben im Hier und Jetzt einfach genießen sollte.

Worauf freust Du Dich gerade?

Ich freue mich darauf meinen Papa, demnächst irgendwann mal wieder in den Arm nehmen zu können, das habe ich nämlich tatsächlich seit Februar nicht mehr gemacht.
Und ich freue mich darauf, mal wieder eine Nacht zu tanzen und zu feiern. Das fehlt mir auch.
Wer weiß, ob das wiederkommt?

 

Momentaufnahme aus der Kurzarbeit

Das Gespräch mit Sabine wurde bereits vor 4 Wochen geführt.

 

Alles Liebe

Denise

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Nicole 09/08/2020 at 10:32

    Liebe den, liebe Sabine,
    Dieses Interview hat mich beeindruckt. Sabine gibt ihr Inneres Fühlen und ihr sich hinterfragen in einer nachdenklich machenden Weise preis. Mir gefällt das, wie sie das ‚neue‘ Leben analysiert und sieht.
    Das ruckt auch an einem selbst.
    Viele Grüße,
    Nicole

  • Petra von Fraugenial 09/08/2020 at 18:55

    Ein so schönes Interview! Ich sehe mich in vielen Punkten wieder..Man kann wirklich nur lernen mit der Situation umzugehen…und nun mal das Beste daraus zu machen…und vor allem dankbar für die kleinen Dinge zu sein, die man zu schnell / zu sehr vergisst…deshalb nehme ich diese Zeit als eine kostbare Zeit des Umdenkens!

  • Nicole Kirchdorfer 11/08/2020 at 18:31

    Eine positiv aufgeladene Frau, die das beste aus der Krise, aber auch jeder anderen Zeit mitnimmt. Sieht man schon an diesem umwerfend offenen Lächeln…
    Danke für die Einblicke.

    LG Nicole

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